Pro & Contra: Sollte Apple das iPhone öffnen?

Die App-Store-Regeln dienen dem Nutzerschutz und eine Provision sei üblich, meint Apple. Einige App-Anbieter sehen sich benachteiligt und laufen Sturm.

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Von
  • Leo Becker
  • Kai Schwirzke

Leo Becker meint, dass ein offenes iPhone für alle von Vorteil ist – für Nutzer, Entwickler und Apple.

Apples App-Store-Regeln nagen längst am nutzerfreundlichen Image: Manche Anbieter reichen die erzwungene 30-Prozent-Provision an die Kunden durch, sodass man beim Abonnieren in der App mehr bezahlt als anderswo.

Spannende Spieledienste wie Xbox Game Pass Ultimate fehlen auf iOS aufgrund des absurden Regelwerks. Und schauen Sie mal einem Einsteiger über die Schulter, der in der Netflix-App einen Account anlegen will: Das geht schlicht nicht, weil Apple Links zu Webseiten verbietet. Also hat Netflix eine Telefon-Hotline eingerichtet, die verwirrte Kunden anrufen müssen – da kann ich nur den Kopf schütteln.

Dass solche Vorgaben Kunden schützen, ist lachhaft. Abo-Fallen gibt es im App Store ebenso wie lieblose Spiele, gespickt mit süchtig machenden Elementen und irrwitzig teuren In-App-Käufen. All das läuft ganz regelkonform über die Bezahlschnittstelle, und Apple verdient noch fleißig daran mit.

Die strikten Regeln frustrieren Entwickler zusehends und können daher Innovationen im Keim ersticken, die freien Zugang zu einer Plattform voraussetzen. Weltverändernde Software wie den Web-Browser hätte es im kontrollierten iOS wohl nie gegeben. Solange der App Store der einzige App-Zugang zu iPhone und iPad bleibt, spielt Apple bestenfalls Moralapostel – und schlimmstenfalls den Zensurhelfer autoritärer Regierungen.

Mac & i Heft 5/2020

Themen: macOS Big Sur, iOS 14, watchOS 7 ausreizen • AirPods-Pro-Plagiate ab 10 Euro • Neue HomeKit-Produkte • Bilder selbst verwalten • Neue High-End-iMacs im Test • Das iPhone als Autoschlüssel und vieles mehr.

Letztlich ist eine Öffnung von iOS sogar im Interesse des Konzerns, denn es würde den laufenden Klagen und Untersuchungen den Wind aus den Segeln nehmen. Sollten erst Gerichte und Regulierungsbehörden die Spielregeln diktieren, wird das unabsehbare Konsequenzen für App Store, iOS und Apple haben. Dass es keinen App-Store-Zwang braucht, zeigt macOS: Man muss Software nicht im kontrollierten App Store kaufen, sondern bekommt sie problemlos oft auch direkt beim Entwickler. Durch Signatur und Notarisierung besteht dennoch Basisschutz vor Malware. Genauso würde ich mir das auch für iPhone und iPad wünschen. (lbe)

Kai Schwirzke begrüßt Apples Bemühungen, das Angebot im App Store möglichst sicher zu halten.

Die ganze Diskussion um Apples angeblich so zugenagelten App Store geht an der Sache vorbei. Jeder Entwickler darf doch nach Herzenslust Software für iOS und iPadOS programmieren und diese dann im Store einstellen.

Dass Apple strikte Bedingungen hinsichtlich der Sicherheit vorgibt, begrüße ich als Anwender.

Selbst wenn all das nicht immer zu hundert Prozent greift und gelegentlich übertrieben wirkt: Lieber einen mehr oder minder strengen App-Review-Prozess als unerkannt marodierende Malware aus obskuren Stores wie Cydia auf meinem iPhone.

Ich möchte außerdem selber bestimmen, ob eine App mein Mikrofon oder meine Kamera benutzen und auf welchen Datenbestand sie zugreifen darf. Ohne meine ausdrückliche Zustimmung Fotos vom Bildschirm zu schießen und dann an den Heimserver zu verschicken, finde ich ebenfalls inakzeptabel. Gut, dass Apple genauer hinschaut, was sich so auf seiner Verkaufsplattform tummelt.

Da zieht auch das Argument nicht, Apple könne doch ein ähnliches System wie bei macOS etablieren und über Signaturen, Notarisation und Hardened Runtime ebenfalls Sicherheit gewährleisten: Viele dieser vermeintlichen Schutzmechanismen lassen sich nämlich vom Programmierer "ganz legal" aushebeln, wie wir schon in der Mac & i gezeigt haben. Von den nicht diebstahlsicheren Zertifikaten einmal ganz zu schweigen.

Freilich darf man sich an der hohen Provision stören; stramme 30 Prozent vom Verkaufspreis einer App kassiert Apple. Allerdings sollten Kritiker nicht vergessen, dass diese Wertschöpfungskette in der Warenwirtschaft durchaus Usus ist: Produzent, Vertrieb, Einzelhandel. Sie alle wollen und müssen verdienen. Auch der Google Store fordert Gebühren, nämlich genau 30 Prozent. Dennoch wäre Apple gut beraten, seine strengen App-Store-Regeln an aktuelle Entwicklungen anzupassen, fragwürdige Apps zu entfernen und Konkurrenz zuzulassen. So wäre doch allen geholfen, oder? (kai)

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(lbe)