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Was war. Was wird. Mit Intelligenz und Haltung von den Sitzen fliegen.

Intelligenz? Ach komm, bei Menschen? Hal Faber will die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn Sachen durcheinanderbringen als menschliche Grundfähigkeit erscheint.

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Die Herrschaft der Maschinen wird ein Spaß, denn die KIs haben selbst beim Philosophieren Humor. Ein schlechtes Zeugnis für die Menschen, die in der Realität nur schlechte Witze machen. (Im Foto: Das Wrack der SS Dominator an der Küste Kaliforniens)

(Bild: Logan Bush / Shutterstock.com)

Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

*** "So, was bedeutet es, intelligent zu sein? Nun, es ist sicher nicht das Vermögen, eine korrekte Hypothese zu erstellen, weil Menschen damit tausendfach scheiterten. Vielleicht ist Intelligenz die Fähigkeit, die richtige Entscheidung zu treffen, aber Menschen sind auch darin schlecht. Sie treffen furchtbare Entscheidungen in der Politik, der Wirtschaft, der Umwelt, in Technologie, Erziehung, Medizin und fast in allen anderen Dingen. Wenn Intelligenz nicht die Fähigkeit ist, korrekte Entscheidungen zu treffen oder korrekte Hypothesen zu erstellen, was ist sie dann? Ich schlage vor, das Intelligenz die Fähigkeit ist, Dinge zu machen, die die Menschen so machen."

Wenn's schon mal um Intelligenz geht, zeigt sich, dass zumindest den Illustratoren bei diesem Thema die kreative Intelligenz fehlt.

*** Die künstliche Intelligenz GPT-3 ist schon einmal ein Thema dieser kleinen Wochenschau gewesen. Nun hat sie das Philosophieren gelernt und einen der witzigsten Texte über die menschliche Intelligenz und das menschliche Bewusstsein geschrieben. Gesetzt den Fall, dass die KI PT-3 wirklich der Autor dieser Sottise ist, können wir getrost jede Form von Autorenschaft in die Tonne treten und die Herrschaft der Maschinen anerkennen. Das ist nicht besonders dramatisch, schließlich hat die Biologie als Wissenschaft gerade vor der Macht von Excel kapituliert. Ganz undramatisch kam der Tag der Abrechnung und er wurde von den Wissenschaftler:innen gebührend gefeiert. "Offensichtlich hat die Maschine gelernt, dass es zur Unterwerfung der Menschen keines Gewaltaktes bedarf. Deren Bequemlichkeit genügt, um selbst die klügsten Köpfe unter die Knute der Technologie zu zwingen."

*** Was Biologen können, können Physiker schon lange: Sachen durcheinanderbringen ist eine universelle menschliche Fähigkeit. So geschehen bei einem Artikel über die Atombombe als angeblich erste technologische Anwendung der Quantenphysik. Wahrscheinlich kennen Physiker nicht mehr Detektor-Radioempfänger mit Kristalldioden, die in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut wurde. Zudem existierte beim Manhattan-Projekt noch keine quantenphysikalische Erklärung des Atomkerns und der Starken Kernkraft, wie die Geschichte mit Einstein und der Atombombe zeigt. Überhaupt warten noch weite Teile der Quantenmechanik darauf, erforscht zu werden, wie es der KI-Pionier Rodney Brooks in einer Art Wissenschafts-Lebensbilanz der technologischen Veränderungen schreibt. Insgesamt passt es aber zum Mythos Atombombe, dass die Abwürfe in Hiroshima und Nagasaki dazu führten, dass Japan schneller kapitulierte und der Zweite Weltkrieg wirklich zu Ende war. Zumindest die intakte Stadt Hiroshima mit ihren Holzhäusern wurde ähnlich wie seinerzeit Darmstadt ausgewählt, um eine neue Kriegstechnik auszuprobieren.

*** Während rund um den Globus Bhangmeter darüber wachen, wer mit welcher Atombombe experimentiert, hat sich im Hafen von Beirut eine heftige Explosion ereignet, der eine Welle einer homerischen Wut folgte. "Wir werden euch mit unseren brennenden Körpern konfrontieren, mit unseren von Blut verschmierten Gesichtern und ihr werdet mit uns in diesen Ruinen untergehen." Besonders die Rolle der Hisbollah, die den Beiruter Hafen kontrolliert und dort die Waffen für den Kampf gegen Israel hortet, ist eine Quelle des Volkszornes, der diesmal die Lager aller Religionen erfasst hat. Dabei waren im Hafen "nur" 2750 Tonnen Ammoniumnitrat für das Bombenbauen gelagert. Zum Vergleich: Im Hafen von Odessa in der Ukraine liegt ein abgewrackter Frachter, beladen mit 10.000 Tonnen Ammoniumnitrat. Sein Name: "Trump D". Die Wirklichkeit macht gerne richtig schlechte Witze.

*** Donald Trump, der Präsident, der seine Golf-Gäste als friedliche Demonstranten gegen nachfragende Journalisten einsetzt, hat eine Verfügung in Gang gesetzt, die in 45 Tagen US-Firmen Geschäfte mit den chinesischen Firmen Bytedance und Tencent untersagt. In bester Mafia-Manier wird damit Microsoft beim Kauf der Nutzungsrechte für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland unterstützt – von den geheimdienstlich zusammenarbeitenden FiveEyes fehlt nur Großbritannien. Kompliziert wird die Sache mit Tencent und der Wechat-App, in China unter dem Namen Weixin bekannt. In dem Angriff auf die vor allem in China vielfach genutzten (und überwachten) Weixin sehen viele Chinesen einen Angriff auf die chinesische Identität. Außerdem ist die obligatorische Corona-App des Staates in die App integriert, für die Apple in China einen Platz im Appstore schaffen musste. Wie die Liste der vielfältigen Beteiligungen von Tencent studiert, wird manches finden, was Probleme machen kann, wie die Beteiligung an Tesla. Wird Trump Kanonenboote schicken, wenn Peking stur bleibt?

*** Stephan Schwarzman, Chef der Investmentfirma Blackstone Group, ist einer der prominentesten Geldgeber für die Wahlkampfkasse von Donald Trump. Das dürfte auch im kommenden Wahlkampf so sein. In dieser Woche erwarb Schwarzmans Blackstone Group für 4,7 Milliarden Dollar einen Anteil von 75 % an Ancestry.com in Utah. Der DNA-Sauger hat 18 Millionen Nutzer und auf seinen Rechnern und Wölkchen knapp 24 Milliarden Datensätze speichert. Genealogie und Gesundheit sollen ja das nächste große Ding sein, besonders in Zeiten von Corona, wenn einmal feststeht, wie eine Immunität genetisch codiert ist. Ganz nebenbei wird jeder Mensch, der mit seinen DNA-Daten in die Datenbank eingeht, Teil von einem großen Ganzen werden. Alle Menschen werden Brüder, heißt es in einem bekannten Trinklied, das in der Sommerfrische von Gohlis entstand.

*** "Brüder fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kraißt", sang man dereinst leicht schwankend. Genau das könnte man heute wieder singen, wenn der reine Wein ausgeschenkt wird. Denn vor fünf Jahren sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz gelassen die großartigen Worte "Wir schaffen das". Wie reflektierte das Merkel in der Rückschau im Jahre 2016, als ein Innenminister Seehofer von einer "Herrschaft des Unrechts" schwadronierte? "Aber gesagt habe ich 'Wir schaffen das' aus tiefer Überzeugung, und zwar in dem Bewusstsein, dass wir es mit einer nicht einfachen und großen Aufgabe zu tun haben. Als Kind der deutschen Einheit war mir klar, dass wir wieder viele neue Wege gehen, bürokratische Hürden abbauen mussten und Ängste auch. 'Wir schaffen das' ist das richtige Motiv für diese Aufgabe – Ziel und Haltung." So klingt Haltung und Hoffnung. Und auch sie schafften das. Zur Feier gehört indes auch, wie das Innenministerium an diesem Wochenende im Jahre 2020 bei der Aufhebung des Einreiseverbots für unverheiratete Partner nun von einer "Einreise-Erleichterung" spricht. "Voraussetzung für die Einreise-Erleichterungen ist der Nachweis einer auf Dauer angelegten Partnerschaft mit mindestens einem vorherigen persönlichen Treffen in Deutschland oder dem Nachweis eines vorherigen gemeinsamen Wohnsitzes im Ausland. Vorzulegen sind hierfür: Eine Einladung der in Deutschland wohnhaften Person. Eine gemeinsam unterschriebene Erklärung zum Bestand der Beziehung. Nachweise der vorherigen Treffen durch Pass-Stempel, Reiseunterlagen oder Flugtickets." Seid umschlungen, ihr Völker, seid verschlungen, ihr Daten. Wie war das mit der Realität und den schlechten Witzen? Ach, humorvolle KI, erlöse uns ...

Ja, ja, diese Hitze aber auch. Vom Berliner Teufelssee geht gerade ein Foto um die Welt, auf dem ein nackter Mann ein Wildschwein jagt. Das hatte sich eine Tüte geschnappt, in der ein Laptop steckte. Was man halt so als Nackter am Teufelssee braucht. Mit der namenlosen bildungshungrigen Wildsau (die im Unterschied zum Nackten nicht gefragt wurde, ob ihr fotografisches Abbild veröffentlicht werden dürfe) ist so am Ende eines Sommers endlich eine würdige Nachfolgerin für Sammy, dem Kaiman vom Baggersee, gefunden. Damit komme ich zum Thema, das uns alle in der nächsten Woche beschäftigen wird. Denn mit dem Schulbeginn sind sie wieder da, die Debatten über den Bildungs-"Weg"der Kinder und die Digitalisierung des Unterrichtes. Schwupps, ist prompt ein Ärzteverband da, der die Maskenpflicht in der Schule für überflüssig hält. Offenbar glaubt man wie Trump daran, dass Kinder "nahezu immun" sind. Immerhin ist rechtzeitig zum Schulbeginn eine kleine Feier fällig: Das Sozialgericht Mannheim befand im Fall eines Schülers, dass ein PC zum Existenzminimum gehört. Allerdings verfügte es, dass das Jobcenter maximal 300 Euro zur Existenz-Sicherung zahlen muss, den Rest müsse sich der Schüler ansparen oder anjobben. So ist das eben mit der Existenz am Rande der Gesellschaft. Genug der Witze für dieses Wochenende.

Was so alles geprüft wird, wenn Lebenspartner aus dem Ausland nach Deutschland kommen wollen, müffelt nach Pickelhauben-Bürokratie wie das Wühlen im Ehebett bei der Überprüfung auf Scheinehe.

(jk)