Was war. Was wird. Wenn süß das Mondlicht auf den Tastaturen schläft.

Der "große Reset", der Neustart, nach dem alles besser wird, ist auch nur ein Schwall an ungenießbaren Phrasen, grummelt Hal Faber, der lieber sommerrätselt.

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Wie war das? "Sei immer Du selbst. Außer, Du kannst Batman sein. Dann sei Batman." Aber Batman hilft bei den Fragen des zweiten Sommerrätsels in diesem Jahr auch nicht weiter. Katzen allerdings auch nicht.

(Bild: newsony / Shutterstock.com)

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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Zu Frage 0 ...

*** In seinem 1998 erschienen Buch "Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus" beschrieb der Soziologe Richard Sennett den "Homo Davosiensis" als zentrale Figur dieses neuen Kapitalismus, den er entstehen sah. Dieser HD war für Sennett ein Macher, der sich mit anderen Machern auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos trifft. Auf dem Ischgl der Technologiemogule, Risikokapitalisten, Re-Enigineering-Experten und Beratern kam die Politik hinzu und alle, alle schwangen sie große Reden über die Rettung der Welt. Als Kind amerikanischer Linker fuhr Sennett "in einer Art Familienbitterkeit" immer wieder nach Davos und notierte dabei einmal: "Das Weltwirtschaftsforum ähnelt mehr einem Hofstaat als einer Konferenz." Die Monarchen sprächen hochtrabende Worte, die Höflinge sprächen flüssig und gedämpft. Und alle seien geprägt von der Besessenheit, immerzu flexibel zu erscheinen, vollkommen rücksichtslos gegen die Konkurrenten. In Sennetts Buch ist Bill Gates die beste und bitterste Verkörperung des Homo Davosiensis.

*** Nach all den Maskenpflichten, Lockdowns und Corona-Behinderungen soll es 2021 in Davos wieder weitergehen, mit einem Great Reset. Es lohnt sich, das kleine Filmchen ein paarmal durchlaufen zu lassen. Wir sehen Feuer und Explosionen, Müllhalden und das ganze Elend der Umweltzerstörung, bis jemand auf der Tastatur eines Apple II die Reset-Taste rechts oben drückt. Dann wird zurückgespult, in eine neue, andere Welt, wobei die alte schwarz-weiß versinkt in einem ebenfalls alten Computer, einem Intertec Superbrain. Passend dazu schreibt die Wirtschaftspresse bewundernd über diese tolle Idee vom "Great Reset". Im Handelsblatt tönt Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, von einer Neuorientierung und fordert einen umweltschonenden neuen "Kapitalismus 2.0". Es gibt eine längere Fassung des Werbefilms und eine Langfassung, die vollkommen ungenießbar ist mit ihrem Schwall an Phrasen, ein einziges Bullshit-Bingo. Die Fassung auf YouTube ist interessant, weil hier Menschen kommentieren, was sie von der neuen Machtergreifung des Homo Davosiensis halten. Gar nichts. Wenn das der große Neustart ist, sitzen wir alle im alten Müll. Ein guter Kommentar bringt das Anliegen des Homo Davosiensis auf den Punkt: "Es geht nicht um einen Neustart, sondern darum, die Diskussion über einen möglichen radikalen Neustart zu lenken und zu monopolisieren. Frei nach dem Motto: Wenn dir eine Bewegung gefährlich werden könnte und du sie nicht besiegen kannst, setz dich an ihre Spitze."

*** Nun sind wir in der Zeit des Sommerrätsels, Abteilung Hardware, und da bietet es sich an, mal zu überlegen, was denn eigentlich passierte, wenn am Apple II die Reset-Taste gedrückt wurde. Ein Neustart des Gesamtsystems wie beim PC war das nämlich nicht. Mit Reset landete man wieder auf der Eingabezeile, während das Programm im Arbeitsspeicher blieb. Das vom großen Woz angedachte Reset ist so eine nützliche Funktion für den Nutzer, nicht der blindwütige Kurzschluss. Ob den Machern des Werbefilmchens die Funktionsweise klar war, ist nicht bekannt. Zwar werden alle Mainboards und Tablets nach wie vor mit einer Reset-Möglichkeit bestückt, doch nur bei wenigen Geräten wird diese Möglichkeit heute aus dem Gehäuse herausgeführt. Wahrscheinlich griff man deshalb zum erstbesten Gerät mit einer Reset-Taste auf der Tastatur.

*** Das Sommerrätsel beschäftigt sich standesgemäß mit einer anderen, sehr rätselhaften Taste, der Eingabetaste. Sie wird gebraucht, um einen Arbeitsschritt abzuschließen und ist eine entfernte Variante des Wagenrücklaufs der Schreibmaschinen und Fernschreiber. Beides sind höchst nützliche Geräte und zu Unrecht in Verruf gekommen. Wie illustriert die Internet-Forschungsplattform First Monday in der aktuellen Ausgabe das Thema "Digital Divide"? Genau. Besonders beim Fernschreiber dauerte es seine Zeit mit dem Rücklauf, weshalb man CR gerne mit einem Linefeed kombinierte, um Zeit zu sparen. Deswegen ist auch LF das technisch vererbte Zeichen, das bei Unix für das Zeilenende verwendet wird. Zu jedem Bild einer Entertaste wird im Rätsel ein passender Rechner oder ein Eingabemechanismus gesucht. Hier in Frage 0 ganz oben zu Beginn der Wochenschau ein kleines Übungsbeispiel.
Frage 0: Die Tasten auf diesem Bild sind unschwer als die von Commodore zu erkennen, mit einer gut sichtbaren Return-Taste. Aber welcher Rechner genau wird hier gezeigt?

*** Unser kleines Hardware-Rätsel um die geheimnisvolle Geschichte der Eingabe-Taste beginnt natürlich nicht mit einem Commodore-Schätzchen, sondern im Zeitalter der Kartenlocher. Eine Karte war grundsätzlich eine Zeile – und ein Kartenlocher war so etwas wie ein mechanischer Zeileneditor, eben der ED oder das gedit der Lochkartenzeit.

Also, auf geht's, mit Frage 1: Welche Taste war im folgenden Bild so etwas wie die Eingabetaste und diente dem Zeilenabschluss?

Zu Frage 1 ...

Gleich weiter mit Frage 2: Natürlich gab es auch in dieser Rechner-Steinzeit mehr oder minder gelungene "deutsche" Übersetzungen. Welche Taste (und bei welchem Gerät) beendete im folgenden Bild die Eingabe?

Zu Frage 2 ...

*** Neben dem Great Reset in Davos wollen sich die Homini Davosiensi in der Welt vermehren und in 400 Städten Hubs einrichten, in denen sich Tausende junger Menschen zur Global Shaper Community versammeln und "mit den führenden Persönlichkeiten in Davos interagieren". Das nennt man wohl den Line Feed aus Davos, mit dem die Aufmüpfigen von den Mitmüpfigen und den Nichtmüpfigen getrennt werden sollen. Die Konkurrenz ist groß, denn Zukunft ist nach dem Great Reset ein knappes Gut geworden. Jeder will jedem im neuen Normal die "bestmögliche Version von Dir selbst" verkaufen.

Aber machen wir mal weiter Frage 3: Nanu, die erste ordentliche Enter-Taste, aber dann links oben? Von wem kam das denn und mit welcher Maschine?

Zu Frage 3 ...

Und dann Frage 4: Eine weitere Enter-Taste auf einem Rechner und dann auch noch so dramatisch beschriftet: Exekution! Peng! Um welchen Computer handelt es sich?

Zu Frage 4 ...

*** Bundesinnenminister Seehofer, der bekanntlich die Frage nach dem Racial Profiling in der Polizei nicht erforschen lassen will, weil es in der Polizei keinen Rassismus gibt, hat es immerhin in dieser Woche geschafft, in die Bundespressekonferenz zu kommen. Dort stellte er zusammen mit dem obersten Verfassungsschützer Thomas Haldenwang den Verfassungsschutzbericht vor. Danach gibt es in Deutschland 32.080 Rechtsextremisten, von denen 13.000 gewaltbereit sein sollen. Haldenwang bezeichnete die "Neue Rechte" als "Superspreader von Hass, Radikalisierung und Gewalt", womit das Coronawort im allgemeinen Wortschatz angekommen ist. Auf der linken Seite wird Indymedia beobachtet, ob da Superspreader am Werk sind. Währenddessen ist der letzte Prozess gegen G20-Demonstranten zu Ende gegangen. Aus der großen Bambule wurde eine ziemlich kleine, doch die von den Anwälten geforderten Freisprüche gab es nicht.

Okay, dann mal lieber Frage 5: Nach den Lochern kamen die Terminals, angeschlossen an einen irgendwo stehenden Host-Computer. Auch hier gab es ingeniöse deutsche Tastaturen. Was ist hier das Äquivalent der Enter-Taste?

Zu Frage 5 ...

Zu Frage 6 ...

Wirklich rätselhaft wird es spätestens Frage 6: Sind wir hier in einem technischen Manual der 60er-, 70er- oder 80er-Jahre? Was ist das denn da für eine Tastaturbelegung?

*** Die erste komplette Woche ist um, in der wir im neuen Normal mit geänderten Mehrwertsteuersätzen leben. Pro Woche und Person bleibt ungefähr das im Portemonnaie, was man zum Kauf einer Einweg-Schutzmaske braucht. Viele lassen es auch mit den Kleinstbeträgen auf sich beruhen, obwohl Kupfer antibakteriell wirkt. Andere sind über jeden Cent dieser Micropayments dankbar, mit denen Wirecard das große Geschäft machte, irgendwo in Asien, mit einem österreichischen Jan Bond. Wenn diese Betrügerei im großen Stil verfilmt wird, bietet sich der Titel "The Great Reset" an. Als Komparsen dabei: Wirtschaftspüfer, denen das r wie Realität abhanden gekommen ist. Man püft und es stinkt gewaltig.

Vielleicht fehlte bei Wirecard die Hardware, nach der in Frage 7 gesucht wird: Diese Tastatur mit den beiden Vorschub-Tasten war ein Knüller in Deutschland. Warum? Und um welchen Rechner handelt es sich?

Dann gleich zu Frage 8: Welcher Rechner hatte sowohl Return als auch Enter -- und ein klitzekleines, wohlbekanntes Reset-Tästchen?

Zu Frage 8 ...

New Line also, neue Zeiten und Zeilen kommen auf uns zu. Mehr denn je ist die Verschlüsselung gefragt, wenn Diensteanbieter zu Hilfssheriffs umfunktioniert werden. Aufmerksame Anbieter reagieren auf das neue Bedürfnis nach Verschlüsselung und Zwei Faktor-Authentisierung, bei der man kein Passwort preisgeben muss. Zu den Firmen mit einem sensiblen Näschen für solche Trends zählt die deutsche Vertretung von Rolls Royce, die in den nächsten Tagen exklusive Autos mit kryptologischen Chiffren ausliefert, damit man seine Geheimnisse durch die Gegend fahren kann, etwa als Abnehmer der Wirecard-Millionen. So bleibt die Frage übrig, ob der Aufruf zum gemeinschaftlichen Knacken der Kryptogramme einer zum Autoklau ist. Vielleicht wird sie schon Montag Nachmittag gelöst sein, wie das Sommerrätsel, das mit diesen beiden Fragen endet. Eine Antwort sei schon jetzt gegeben: Für die tastentechnische Beratung geht der Dank nach Bayern, zum Computeum in Vilshofen.

Also, Endspurt mit Frage 9: Welcher Rechner hatte auf der Taste, die den ASCII-Code für Return abschickte, so etwas Altmodisches wie 'NEW LINE' stehen?

Zu Frage 9 ...

Zu Frage 10 ...

Schlussendlich Frage 10: An der Schwelle der Neuzeit: welcher Computer hatte denn dieses komische Enter-Dingsda?

(jk)