World Wide Web: Mühsamer Hindernislauf

Hilft eine Suchanfrage wirklich dabei, eine Information zu finden oder nerven derart viele Werbeanzeigen und Tracker, dass die Suche einem Parkourlauf gleicht?

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(Bild: Photo Mix via Pixabay)

Von
  • Michael Link

Im World Wide Web kann man flott Informationen finden. Heißt es. Seit Kurzem zögere ich, bevor ich dort etwas suche. Denn so viel Zeit und Durchhaltewillen, wie das braucht, habe ich nicht immer.

Es dauert halt, bis 30 Tracker aus aller Welt über die "bis zu 400 Mbit/s" lahme Leitung in meinen Browser gekrochen sind, um mich genau kennenzulernen. Irgendwann lässt das Seitenlayout aber doch zögernd den sogenannten "wertvollen Content" in schießscharten-schmale Reservate tröpfeln – wo man ihn mit etwas Glück zwischen Werbebannern, nervigen Umfragen und völlig unpassenden "weiterführenden" Links findet.

Bevor ich Freudentänze aufführen kann, schiebt sich ein halbseitenhohes Overlay ins Sichtfeld. Ob ich nur die nötigen Cookies mag, die fürs Marketing oder die für "ein besseres Nutzererlebnis"? Fürsorglich sind in perfekter Dark-Patterns-Manier schon alle angehakt und auch der Annehmen-Button ist vorausgewählt. Tatsächlich ist es egal, was ich anklicke: Mein Browser verweigert abgebrüht eh die meisten Cookies. Was bleibt, wird nach jeder Session gelöscht. Leider verbrate ich nun bei jeder Internetseite auf Geheiß der EU und des BGH nun noch Zeit beim Cookie-Sudoku, obwohl längst potentere Datenfangmethoden die Aufmerksamkeit der EU verdient hätten, etwa das Canvas-Fingerprinting. Das braucht bloß eine JavaScript-Freigabe – ohne die aber kaum eine Website auszukommen scheint.

Zeit verbrennen auch die Folterwerkzeuge der Website-Anbieter: Ob ich denn mit Mitarbeitern chatten will (die bloß Bots sind), ob ich Lust auf den Newsletter habe (das Äquivalent zum Briefkastenverstopfer "Einkauf aktuell", nur ohne Plastikfolie) und per Push-Nachricht informiert werden will, wenn auf der Website wieder ein paar Bit umgefallen sind (sie nennen es "neue Inhalte"). Und: Ohne ihre App habe das Leben gar keinen Sinn. Lad! Mich! Runter!

Ob ich dann, nach etwas mehr als zehn Sekunden auf der Website, noch so nett wäre, ein paar Fragen zur Benutzerfreundlichkeit zu beantworten? Na klar! Nur schnell das erledigen, was ich auf der Seite eigentlich gewollt habe. Wenn ich es bloß nicht mittlerweile vergessen hätte.

Dieser Artikel stammt aus c't 18/2020.

(mil)