Menü

Der Blick in die Zukunft - Wer hat die beste Wettervorhersage? (3SAT)

Wer eine große Party im Garten plant oder die ausgiebige Fahrrad-Tour, der möchte natürlich wissen, wie das Wetter in den nächsten Tagen werden wird. Die einen vertrauen dem Wetterbericht im Fernsehen. Auch im Internet gibt es für die Heimatregion die passende Vorhersage, und wieder andere fragen die Wetterstation auf der Fensterbank. Das c't magazin hat es ausprobiert und sich drei Wettervorhersagen eingeholt: Aus dem Fernsehen, aus dem Internet und von verschiedenen Wetterstationen fürs Wohnzimmer.

In Pocket speichern

Gibt man im gut sortierten Online-Fachhandel "Wetterstation" als Suchbegriff ein, schwappt schon mal eine Woge von rund 50 Treffern über einen hinweg. Die Preise der Geräte, die Wettervorhersagen und Tendenzanzeigen liefern können, reichen von 10 bis weit über 500 Euro. Professionelle Stationen erreichen locker 15[ ]000[ ]Euro [--] wohlgemerkt ohne Grundstück oder Fundamente. Mit anderen Worten: Das Angebot ist so üppig wie wirr.

Im einfachsten Fall reicht ein Außenthermometer mit Funkverbindung zum Display im Schlafzimmer, und die passende Kleidung findet sich. So etwas gibt es ab 10 Euro. Kombiniert mit einem Luftdrucksensor, einer Uhr sowie ein wenig Speicher bekommt man schon für etwa 20 Euro die Vorhersage, ob in den nächsten Stunden eher mit schönem Wetter (stabiler Hochdruck) oder doch mit Regen (schnell fallender Luftdruck) zu rechnen ist.

Für andere Interessenten ist aber möglicherweise die Wettertendenz für die nächsten Tage wichtig und wieder andere möchten mit Langzeit-Aufzeichnungen den Klimawandel dokumentieren.

Die Suche nach dem "richtigen" Gerät ist vor allem deswegen nervig, weil sie in Prospekten oder Katalogen alle weitgehend gleich betextet sind. Und wenn sich manchmal ein Begriff wie "satellitengestützt" dazwischenmogelt, dann muss der Käufer keineswegs daheim eine Schüssel besitzen oder extra anschaffen. Immerhin darf man dann aber etwas mehr erwarten, nämlich die Nutzung renommierter Wetterdienste, die ihr Wissen ums Wetter per Funk in die Welt strahlen [--] etwa via DCF oder über Pager-Frequenzen.

Auf welche Weise welche Wetterstation ihre Informationen erhält, muss der interessierte Käufer mit detektivischem Spürsinn ermitteln. Wir erklären im Folgenden, worauf Sie achten sollten.

[b]Sensor, Funk und Server[/b]

Im Prinzip kann man vier Gerätegruppen unterscheiden: sensorgesteuerte Stationen, Pager-Empfänger, DCF-Empfänger und servergestützte Geräte.

Die erste Gruppe besteht aus den fast schon klassischen sensorbestückten Geräten mit Fühlern für die Windrichtung und -geschwindigkeit, relativer Feuchte, Temperatur, Helligkeit und Regenmenge. Die Sensoren sind in regendichten Gehäusen untergebracht und werden draußen an geeigneten Stellen montiert. Per Draht oder Funk sind die Einzelsensoren an die Zentrale im Haus angekoppelt und dort zeigt ein Display die Werte an. Systembedingt kann der Anwender dieser Stationen natürlich nur die Werte ablesen, "so wie sie gerade sind" und nicht wohin sie sich bis morgen vielleicht entwickeln könnten. Eine solche Prognose erstellt hier der Rechner zwischen den beiden Ohren [--] und ohne Erfahrung kann man schon mal danebenliegen.

Man erkennt die Geräte an der umfangreichen Sensorik: Windrichtungsfähnchen und Halbkugel-Anemometer sind hier die markantesten Teile. Je nach Preis sind diese Anlagen dann erweiterbar mit zusätzlichen Sensoren. In der Regel hat die Zentrale eine USB-Schnittstelle, mit der man Daten auslesen kann, und eine Software für den PC, die den zeitlichen Verlauf der Wetterdaten darstellt und speichert. Einfache Stationen merken sich intern 300 komplette Datensätze, aufwendige bringen es auf 3000. Je nach der gewählten Zeit zwischen zwei Aufzeichnungszeitpunkten kann man damit schon mal das Wettergeschehen mehrere Monate intern in der Zentrale speichern.

Die Wetterstationen der Gruppen zwei, drei und vier kann man zunächst zusammenfassen: Sie bestehen im Prinzip aus monochromen LCDs mit integrierten Daten-Empfängern: Gruppe zwei belauscht im 400/800-MHz-Bereich die alten terrestrischen Pager-Frequenzen; Gruppe drei wertet auf der DCF-Frequenz 77,5 kHz die Wetterinformationen in den ersten 14 Sekunden des Zeitsignals aus und Gruppe vier schließlich ist über LAN an einen PC angeschlossen und fragt die Wetterdaten bei einem Server ab. Seltsamerweise fanden wir keine WLAN-Wetterstation, die ihre Informationen über das in vielen Haushalten inzwischen verfügbare Universal-Netz empfängt.

Alle Wetterdaten-Quellen liefern Wettertelegramme, allerdings mit unterschiedlicher Herkunft: professionelle Wetter-Dienste erstellen eine Mehr-Tages-Prognose für lokal begrenzte Gebiete in der Bundesrepublik beziehungsweise für europäische Regionen mit Angaben zu Luftdruck, Tages- und Nachttemperatur, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Regenwahrscheinlichkeit, Pollenflug und Unwetterwarnungen. Diese Daten verteilt man als quasi nicht-öffentlichen Rundfunk in die zugehörigen Regionen. Bezahlt wird der Service über den Kaufpreis der Wetterstation.

[b]Wetter per Pager[/b]

In Gruppe zwei haben wir die Wetterstationen zusammengefasst, die ihre Daten von der aus prähistorischen Vor-Handy-Zeiten übrig gebliebenen Pager-Senderkette erhalten. Pager waren kleine Geräte, über die man damals bundesweit an einzelne Personen kurze Informationen übermitteln konnte. Die Sendezentrale kann 300 einzelne Sender ansprechen und so regional gültige Informationen gezielt verteilen. Die Frequenzen liegen im 400/800-MHz-Bereich und werden vom Service Wetterdirekt.de genutzt; die Wetterdaten selbst stammen von Wet teronline.de.

Der Dienst gestattet damit die Unterscheidung von maximal 300 verschiedenen Regionen in der Bundesrepublik [--] der Anwender empfängt lediglich die regionalen Daten und hat keinen Zugriff auf andere Gebiete. Im grenznahen Bereich oder auch bei ungünstigen Empfangsverhältnissen kann es zu Problemen kommen und im Ausland sind diese Stationen nicht funktionsfähig. Die Geräte zeigen zwar neben den genannten Wetterdaten auch die Uhrzeit an, diese basiert in der Regel aber nicht auf DCF-Signalen, sondern hat nur eine Quarz-Genauigkeit von ±2 Minuten pro Tag, die Vorschau-"Tiefe" liegt bei bis zu fünf Tagen.

In Prospektdaten oder Beschreibungen erkennt man diese Gerätegruppe an der Erwähnung von 50 oder 300 innerdeutschen Regionen [--] wenn nur 50 Wetterregionen unterschieden werden, handelt es sich um ein normales, dafür aber preiswertes Modell, bei 300 Regionen ist es ein aktuelles Gerät mit feinerem Raster.

[b]Europawetter[/b]

Das zweite eigenständige System zur Verteilung von Wettervorhersagen haben wir Gruppe drei genannt. Es wurde von der Schweizer Firma Meteotime entwickelt, die es auch lizenziert. Die Wetterdaten stammen von der ebenfalls in der Schweiz beheimateten Firma Meteotest. Die Daten werden zweimal täglich aktualisiert und über die ersten 14 Sekunden der beiden Normalzeit-Sender DCF in Deutschland und HBG in der Schweiz gesendet. Das Besondere an Meteotime ist im Unterschied zu Wetterdirekt, dass mehr als 60 Regionen in Europa abgedeckt und diese auch vom Anwender selbst einzeln anwählbar sind. Das heißt, ich kann mir in Hannover die Daten von Mallorca auf das Display holen und so das Urlaubswetter für die nächsten drei Tage ansehen. Durch die riesige abgedeckte Region kann man hier die Wettervorhersagen natürlich nicht so zielgenau auf den lokalen Punkt bringen.

Die besonderen Kennzeichen von Meteotime-Geräten sind die Anzeige von Uhrzeit und Datum über die hochgenauen Normalzeit-Sender DCF oder HBG sowie die Abdeckung von Wetterregionen in ganz Europa und eine Vorher sagetiefe von drei Tagen.

[b]Weltwetter[/b]

Etwas aus den hier gesteckten Rahmen fällt die Wetterstation WS585USB, die eine Vorhersage über fünf Tage für 1000 Städte weltweit verspricht. Sie bezieht ihre Daten aus dem Internet und muss dazu über USB mit einem PC verbunden sein. Auf Nachfrage beim Vertrieb in Berlin erfuhren wir, dass die Daten auch von Wetterdirekt stammen und über einen Serverzugang bereitgestellt werden.

[b]Fazit[/b]

Wir hatten folgende Wetterstationen zu einem zweimonatigen Gebrauchstest in der Redaktion: die Conrad-Sensorstation TE831X, die Irox-Sensorstation pro X USB, die Irox-Funkstation Mete-On 1 (DCF) sowie von TFA-Dostmann die Funkstation Genio300 (Pager). Völlig verblüffend war zunächst, dass alle Geräte im Dauerbetrieb mit dem Originalsatz Batterien zurechtkamen. Auch eine Kurzschlussstrom-Messung aller benutzten Zellen am Ende des Tests zeigte keine wesentliche Ermüdung der Stromlieferanten [--] der befürchtete Batterien-Friedhof blieb uns also erspart.

Recht empfindlich reagieren die Funkempfänger auf Störungen durch in der Nähe stehende Monitore, PC und Fernseher. Ein Platz in der Fensterbank möglichst weit weg von allen Geräten bringt die besten Ergebnisse.

[Wiederholung vom 27.6.2009]

Raspberry Pi – Mini-Computer auf ARM-Basis

IT

Mobiles

Entertainment

Wissen

Netzpolitik

Wirtschaft

Journal

Anzeige