Fälschung in großem Stil - Wie massenhaft fehlerhafte USB-Sticks in den Handel geraten

"Ich verstehe das nicht - unser USB-Stick produziert Fehlermeldungen am laufenden Meter!" oder: "Könnt Ihr helfen? Mein Speicherstick ist so langsam, da stimmt was nicht!" Viele Zuschauer klagten in den letzten Wochen über erhebliche Probleme mit USB-Speichersticks. Eine zufällige Häufung von Fehlern oder etwa doch ein echtes Problem? Durch anonyme Testkäufe in verschiedenen Elektronikmärkten bestätigt sich der Verdacht: Hier sind professionelle Fälscher am Werk. Zehntausende Speichersticks verschiedener Hersteller wurden derart manipuliert, dass sie dem Nutzer eine viel höhere Speicherkapazität vorgaukeln, als tatsächlich vorhanden ist. Viel schlimmer aber: Die Speichersticks überschreiben ohne Ankündigung vorhandene Daten wie Urlaubsbilder oder die Lieblingsmusik; die vermeintlich sicher gespeicherten Daten sind endgütlig gelöscht. Das c't magazin zeigt, welche Speichersticks betroffen sind und geht der Frage nach, wie diese Fälschungen durch die Kontrollen namhafter Hersteller rutschen konnten. In der Sendung gibt es Tipps, wie man die gefälschten Speichersticks identifizieren kann.

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Massenweise überfluteten sie den Markt: Manipulierte und datenvernichtende USB-Sticks, die eine größere Kapazität vortäuschten als tatsächlich vorhanden ist. Betroffen sind unter anderem Speicher-Stäbchen der Marke Bluemedia, Emtec und (http://www.hama.de/ Hama), die unter anderem bei Real, Saturn und im Mediamarkt verkauft wurden. Doch nicht nur in Deutschland findet man die Schummel-Sticks, auch in Österreicht tauchen entsprechend manipulierte Modelle etwa bei Aldi/Hofer unter dem Label "Tevion" auf. Aldi Suiss offerierte der Kundschaft die Mogelpakung unter dem Label "Platinum". Betroffen sind etliche Billigmarken [--] allerdings nur in Teilmengen. Irgendwo auf dem Weg vom Hersteller zum Anbieter werden die faulen Sticks unter einwandfreie Ware gemischt.

Für den arglosen Käufer sind die manipulierten USB-Sticks zunächst nicht als fehlerhaft zu erkennen. Sie speichern Daten scheinbar anstandslos und lassen sich bis zur angegebenen Kapazität befüllen. Verantwortlich für dieses Verhalten sind mehrere Manipulationen an USB-Speicherstäbchen. Sie enthalten generell einen viel kleineren Speicher als angegeben. So fanden wir in den in c’t-Labor überprüften 2-, 4- und 8-GByte-USB-Sticks stets nur einen Flashchip mit einer tatsächlichen Kapazität von 1 GByte. Um den Betrug zu tarnen, hatte man den Baustein allerdings abgeschliffen und mit einer gefälschten Beschriftung versehen. Damit die Sticks auch im Betrieb nicht sofort als faule Eier auffallen, wurden zusätzlich auch noch die in den Speicherstäbchen verwendeten Kontrollerbausteine manipuliert. Das sorgte dafür, dass im Dateiverzeichnis der Sticks alle vermeintlich darauf gespeicherten Daten mit korrekter Größe angezeigt wurden. Tatsächlich schreiben die Schummel-Sticks allerdings nur knapp ein GByte Daten korrekt in den Speicher. Die restlichen Dateien werden quasi im verbleibenden Speicher immer wieder auf dieselbe Adresse geschrieben. Solange also nicht mehr als knapp ein GByte Daten auf den USB-Stick gespeichert werden, erscheint alles "normal". Damit fiel den meisten Käufern gar nicht auf, dass sie eigentlich einen USB-Stick mit viel weniger als dem bezahlten Speicher erworben hatten.

[b]Nur testen hilft[/b]

Wer darauf angewiesen ist, Daten auf USB-Sticks zu transportieren, hat also keine Wahl: Er muss unbedingt den kompletten Datenträger testen, bevor er ihm Daten anvertraut. c't-Redakteur Harald Bögeholz hat dazu das Testprogramm [b]H2testw[/b] erstellt. Es überprüft USB-Sticks gründlich und liefert detaillierte Fehlermeldungen und Statistiken, die helfen, Fehlermuster zu identifizieren. Die jeweils neueste Version von H2testw finden Sie am schnellsten über das c't-Software-Verzeichnis. Die Bedienoberfläche der zum Redaktionsschluss aktuellen Version 1.2 lässt sich nun auch auf englische Texte umschalten. Damit wirklich der gesamte USB-Stick getestet wird, sollte man diesen vor dem Test komplett löschen, da unser Testprogramm vorsichtshalber keine vorhandenen Daten überschreibt. Generell gilt: Sobald sich das Ausgabefenster von H2testw rot färbt, arbeitet der Speicherstick nicht einwandfrei. Die Ausgabe von H2testw lässt sich übrigens per Copy&Past einfach in eine Datei verschieben.

[b]Herstellerreaktionen[/b]

Als einer der ersten betroffenen Hersteller reagierte Hama. Das bayrische Traditionsunternehmen rief am 15. Januar insgesamt 15.000 manipulierte Sticks aus der "Fancy"-Serie mit Kapazitäten von 2, 4 und 8 GByte zurück. Die USB-Speicher sind leicht anhand der aufgedruckten Chargennummer "82516" und der dreieckigen Befestigungsöse zu erkennen. Betroffene Kunden können die Sticks direkt bei Hama umtauschen.

Bei Emtec tat man sich zunächst etwas schwerer und sprach gegenüber c't anfänglich von einem "Produktionsfehler". Später startete aber auch Emtec im Handel eine Rückruf-Aktion für USB-Sticks aus der C150-Serie. Betroffen sind laut Emtec-Pressesprecherin Miriam Franke sowohl Sticks mit 2- und 4- als auch solche mit 8-GByte Kapazität. Im Rückruf lieferte Emtec folgende Erklärung für den Fehler: "Die Fehler traten bei der Datenübertragung von einzelnen Dateien, die größer als 1 GByte waren, und beim Transfer von mehr als 1000 kleinen Dateien auf. Zudem wurden auf manchen USB-Sticks mehr als 64 Unterordner angelegt." Das hieße also, dass keine Fehler auftreten, wenn nur wenige Dateien mit knapp 1 GByte Größe auf die Sticks geschrieben werden - genau das tut auch unser Testprogramm H2testw und entdeckt trotzdem Fehler auf den betroffenen USB-Sticks von Emtec. Sobald mehr 1 GByte auf die Sticks geschrieben wird, produzieren diese Datenmüll. Verwunderlich ist das freilich nicht, waren die von uns untersuchten Exemplare doch nur mit 1-GByte-Flash-Chips bestückt. Die von Emtec gelieferte Fehlererklärung ist also nicht nur falsch, sondern wiegt den arglosen Kunden auch noch in trügerischer Sicherheit.

In einem Gespräch mit c't räumte Miriam Franke das auch ein und teilte mit, dass Emtec diese Fehlererklärung vom Lieferanten, der in Hong Kong ansässigen Starline International Group Limited, übernommen habe. Man werde, so versicherte Frau Franke, auf der eigenen Webseite schnellstmöglich eine Anlaufstelle für betroffene Kunden schaffen. Insgesamt habe man inzwischen über 60.000 USB-Sticks aus dem Handel zurückerhalten, obwohl vermutlich nur gut 15.000 manipulierte Sticks von Starline International geliefert worden seien. Um sicherzustellen, dass garantiert keine manipulierten Sticks mehr im Umlauf sind, habe man sich aber zu dieser radikalen Maßnahme entschlossen.

Bei Starline International, die ja auch laut Hama für die dort ausgesonderte manipulierte Charge verantwortlich zeichnen, weist man indes alle Schuld von sich. Douglas Ching, Marketing Manager Online Media bei Starline International Hong Kong, bestritt in einer Stellungnahme vehement, dass "solche Produkte aus unseren Fabriken stammen". Seinen Quellen zufolge komme die manipulierte Ware nicht aus China, sondern aus Taiwan. Doch so sehr er auch mit einigen respektablen deutschen Firmen sympathisiere, die nun Geld und Reputation verloren hätten, so sehr sei er aber auch davon überzeugt, dass dieser Fall einen positiven Effekt auf den deutschen Flash-Markt haben werde. Einkäufer sollten zukünftig halt mehr auf Qualität achten und verstehen, dass es sich nicht lohnt, Aufträge bei kleinen chinesischen Herstellern zu platzieren[ ]...