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Fernseh-Kino-Internet-Künstler - Was taugen die neuen Fernseher mit Vollausstattung wirklich?

Flach und groß, das ist bei aktuellen Fernsehern schon lange nicht mehr der Kick. Was zieht ist eher ein LED-Backlight, die direkte Verbindung ins Internet oder die Bildoptimierung durch 200 Hz-Technik. Lohnt es sich, dafür etwas tiefer in die Geldbörse zu greifen? Das c’t magazin hat die neuesten Alleskönner getestet und gibt Tipps, wie man den optimalen Fernseher für die persönlichen Bedürfnisse finden kann.

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Flach und groß ist heute bei Fernsehern nicht mehr der Kick – eher schon ein Backlight aus LEDs, die Videowiedergabe via LAN und USB oder die direkte Verbindung ins Internet. Wenn sich die Geräte dann auch noch problemlos am PC nutzen lassen und energiebewusst arbeiten, ist das Glück perfekt.

Unser Testfeld aus fünf LCD-TVs bringt die derzeit erhältlichen Top-Techniken zusammen: Vier Fernseher nutzen LEDs zur Beleuchtung, drei haben einen LAN-Anschluss, zwei gehen ins Internet, alle fünf haben USBPorts für externe Speichermedien, vier verbessern die Bewegtbildwiedergabe mit 200-Hz-Technik und drei haben ein Panel mit großem Farbraum.

LED und die Folgen

Nur Samsung hat das LED-Backlight seitlich angebracht. Toshiba, LG und Sharp nutzen flächig hinter dem Panel verteilte Dioden, wobei sich Sharp die lokale Helligkeitsanpassung (local dimming) spart und so die Möglichkeiten des Full-LED-Backlights nicht komplett ausnutzt. Beim local dimming werden helle Bildteile stärker beleuchtet und die Diodenhelligkeit an dunklen Bildstellen reduziert. Hierdurch steigt der Kontrast innerhalb eines Bildes. Mit einem ganzflächig geregelten oder seitlich platzierten Backlight kann man dagegen nur das komplette Bild heller oder dunkler ausleuchten und so nur den Kontrast zwischen aufeinanderfolgenden Bildern erhöhen. Dieser dynamische Kontrast wird gern von den Herstellern in den technischen Daten genannt, er ist aber wenig aussagekräftig. Für dynamische Kontraste von Millionen zu eins – etwa aus der Leuchtdichte eines sehr hellen (weißen) Bildes im Verhältnis zu einem sattschwarzen Bild mit stark reduziertem Backlight – braucht es übrigens keine LEDs…

Beschworen wird bei Leuchtdioden im Displayrücken neben dem vermeintlich hohen Kontrast auch der vermeintlich geringe Energiebedarf. Dabei hängt dieser vielmehr vom verwendeten Panel ab, wie Sharp mit seinem LC-40LE700E eindrucksvoll beweist: Der 40-Zöller begnügt sich im ab Werk eingestellten Standardmodus bei hellen 266 cd/m2 mit 71 Watt – da verlangt manch ein 24-Zoll-Monitor mehr Energie. So genügsam zeigte sich bislang noch kein Fernseher. Samsungs 46-Zöller mit Edge-LED-Backlight ist zwar größer als das Sharp-Display, doch die mehr als doppelt so hohe Leistungsaufnahme von 144 Watt – bei etwas dunkleren 247 cd/m2 – steht dazu in keinem Verhältnis. Im werksseitig definierten Standardmodus liegt die Leistungsaufnahme mit 123 Watt zwar etwas niedriger, doch dann leuchtet der Schirm auch nur noch mit rund 180 cd/m2 – zu wenig fürs helle Wohnzimmer. Auch Toshiba kommt beim gleich großen 46SV685D mit 168 Watt bei etwas helleren 265 cd/m2 auf keinen grünen Zweig – trotzt Full-LED-Backlight und local dimming. Etwas besser schneidet LGs 42H9000 ab, der sich bei 257 cd/m2 mit 119 Watt begnügt. Allerdings misst der LG-Fernseher nur 42 Zoll in der Diagonalen.

Sein partiell gedimmtes Full-LED-Backlight ist dennoch extrem wirksam, nämlich beim Kontrast: Durch die lokale Anpassung der Helligkeit vervierfacht sich der In-Bild-Kontrast von 850 auf gut 3200:1.  Toshiba war da deutlich konservativer: Beim 46SV685D steigt der Kontrast lediglich um das 1,5fache auf etwa 1850:1. Den Vogel schießt allerdings Sony ab – ganz ohne local dimming und ganz ohne LED-Backlight erreicht der KDL-40Z5800 einen statischen Kontrast von fast 4800:1. Wir messen den Kontrast an einem Testbild mit einem Weiß- und Schwarzanteil von je 50 Prozent, wodurch etwaige Dynamikregelungen außen vor bleiben.

Schwarz – weiß – fleckig

Wenig beeindruckend ist am Sony-TV allerdings ein komplett schwarzer Schirm, denn der ist weder besonders schwarz noch besonders schön, sondern vielmehr sehr scheckig. Auch beim kontraststarken Sharp wunderten wir uns über das fleckige Schwarzbild. LG weiß zumindest bei aktiviertem local dimming zu überzeugen, der Toshiba-Fernseher gibt das Schwarzbild ebenfalls recht gleichmäßig wieder. Unser Samsung-Display ist auch bei hellen Bildinhalten extrem inhomogen ausgeleuchtet. So stören stets drei große unübersehbare Flecken unten und am rechten am Displayrand, am oberen Rand sieht man auf einfarbigen Flächen zudem schmale graue Wolkenbänder. Möglicherweise hat die Verteilerfolie für das Backlight dem Druck in dem extrem schlanken Panel nicht überall standgehalten. Am Display von Sharp fallen auf hellen Flächen Abschattungen in allen vier Ecken und die etwas wolkige Darstellung auf. Bei den Geräten von LG, Sony und Toshiba sieht das Weißbild ganz ordentlich aus.

Allen fünf LCDs gemeinsam ist die sichtbare Winkelabhängigkeit von dunklen Farb- und Grautönen. Schwarze Inhalte hellen sich von schräg betrachtet auf, bei den TVs von Sony und Sharp werden sie zudem rötlich, was wohl auch an der LCD-Entspiegelung liegt. Eine eigentlich neutrale Grautreppe wird bei den VA-Schirmen von Sharp, Sony und Samsung von der Seite etwas bunt, die IPS-Panels von LG und Toshiba belassen es von schräg bei einem leichten Braunstich. In der Praxis bemerkt man diese Winkelabhängigkeit insbesondere bei düsteren Filmen, während sie etwa bei den Nachrichten deutlich weniger auffällt. Aber: Je weiter man vom Gerät entfernt sitzt, umso weniger ändern sich die Einblickwinkel auf den Schirm bei Bewegungen des Betrachters. Soll heißen: Im großen Wohnzimmer tritt die Blickwinkelabhängigkeit der Fernseher viel weniger zu Tage als im engen Displaylabor. Ganz wegzudiskutieren ist sie aber nicht.

Die kompletten Ergebnisse aller getesteten Fernseher finden Sie in der Printausgabe 25/09 des c't magazins im Artikel "Schnell, hell, sparsam, Fünf Flachbildfernseher mit 200-Hz-Technik, Netzwerkfunktionen und LED-Backlight" ab Seite 126. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 7.12.2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . Hier die Ergebnisse der in der Sendung näher vorgestellten Geräte.

LG 42LH9000

Das 42-zöllige IPS-Panel und das Full-LED-Backlight wurden optimal aufeinander abgestimmt, heraus kam ein sogenanntes WCG-Display mit sehr satten Grundfarben. Im Menü des LG-TVs gibt es zwei besondere Bildmodi: isf-Expertenmodus 1 und 2. Mit ihnen bekommt der Nutzer Einstellmöglichkeiten für den Feinabgleich von Farbe und Kontrast. So kann man zum Beispiel einzelne Grundfarben deaktivieren, um die Gammakurven geradezubiegen. Zu dumm, dass LG die Helligkeits- und Kontrastregelung miteinander verknüpft hat: Wenn man den Schwarzpegel erhöht, weil dunkle Farbstufen absaufen, steigt zugleich der Weißpegel und die hellen Töne werden nicht mehr differenziert. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Immerhin lässt sich das Backlight (von LG Beleuchtung genannt) unabhängig davon regeln.

Im Fernsehbetrieb macht der 42LH9000 eine ordentliche Figur – vor allem, wenn man auch den digitalen HD-Kabeltuner aktiviert hat. Das geht allerdings nicht auf „normalem“ Wege: Man muss vor dem Scan als Land „Finnland“ auswählen und die Option „SKan.“ aktivieren. Hat man dagegen wie üblich „Deutschland“ eingestellt, sucht der Tuner nur die Frequenzen im analogen Kabel ab. Der Bug ist logischerweise nirgends dokumentiert. Im Flash-Speicher des Displays hat LG eine Kurzanleitung hinterlegt, das eigentliche Handbuch liegt nur in englischer Sprache auf CD vor. Außer dem analogen und digitalen (HD-)Kabeltuner hat der 42LH9000 einen DVB-T-Tuner für digital-terrestrische Fernsehsignale, deren Empfang sich übrigens problemlos aktivieren lässt; alle Tuner nutzen dieselbe Eingangsbuchse.

Am USB kann der 42LH9000 überzeugen: Die eigene Videosammlung sollte sich – abgesehen von exotischen Formaten – von USB-Platte vollständig wiedergeben lassen. Per Bluetooth kann man zudem Musik und Bilder zuspielen und einen passenden Funkkopfhörer anschließen.

Weil die Lautsprecher im Display nach hinten strahlen, klingt der Sound von hinten besser als von vorn: Stimmen wirken etwas scharf, zarte Bässe lassen sich zwar erahnen, können aber nicht überzeugen. Insgesamt ergibt sich so zwar kein ausgewogenes Klangbild, für den normalen Fernsehbetrieb reicht die Beschallung aber aus.

Samsung UE-46B8090XP

Deutlich dünneren Sound liefert Samsungs 46-Zöller – kein Wunder, das gesamte Display ist nur 2,5 Zentimeter dick, kräftige Tieftöner haben da keinen Platz. Weil auch hier die Lautsprecher nach hinten abstrahlen, ergibt sich für jeden Zuschauer ein anderes, aber stets bassarmes Klangbild, das so gar nicht zum großen Display passen will. Bei unserem Gerät fiel zudem die rechte Lautsprecherseite zwischenzeitlich aus, als wir das Display auf dem Tisch verschoben.

Die Front des eleganten Fernsehers spiegelt etwas, was in hellen Räumen stören kann. Am PC muss man den Bildmodus „Standard“ wählen, denn nur dieser gewährt Zugriff auf das erweiterte Menü, in dem man beispielsweise die Zwischenbildberechnung (200-Hz-Technik) abschalten und die Formatumschaltung (hier Bildschirmanpassung genannt) aktivieren kann. Letztere liegt aus  unerfindlichen Gründen nicht auf einer eigenen Taste der Fernbedienung. Die Steuerung ist insgesamt wenig intuitiv, und das Drehrad der Fernbedienung nervt auch nach etlichen Stunden der Eingewöhnung. Im internen Flash des Fernsehdipslays hat Samsung eine Produktdemo hinterlegt.

Die 200-Hz-Technik MotionPlus des 46B8090 ist zwar in diversen Varianten einstellbar und man kann sogar den Grad der Blur- und Judder-Reduktion separat variieren. Doch egal, wie man es dreht und wendet, der Soap-Effekt tritt extrem stark in Erscheinung, sobald man MotionPlus aktiviert. Dabei ist das Bild aber keineswegs schlecht, sondern schön knackig und ausgewogen. Die analogen Signaleingänge fanden im dünnen Display keinen Platz. Zwei proprietäre Klinken-Kabelpeitschen verlagern deshalb den Scart- und den Komponentenanschluss aus dem Gehäuse. Videoausgänge hat der Samsung-Fernseher keine. Die vier HDMI-Eingänge sind wie LAN und zweimal USB an der Seite gut zugänglich – zumindest, wenn das dünne LCD nicht zu dicht an der Wand hängt.

Sony KDL-40Z5800

Beim Sony-Display empfiehlt sich am PC als Szenenauswahl der Grafik-Modus, denn dieser hat bereits die passenden Voreinstellungen. Zur Auswahl gelangt man über den Option-Button auf der Fernbedienung. Insgesamt verhält sich der 40Z5800 am PC geradezu vorbildlich, synchronisiert sich am analogen Sub-D automatisch auf eingehende Grafikkartensignale und interpoliert die üblichen Auflösungen analog und digital einwandfrei auf seine 1920 x 1080 Pixel.

Der Fernseher bietet einigen Komfort. So öffnet sich beim Klick auf die Taste zur Signalumschaltung eine Liste, in der alle verbundenen Eingänge gekennzeichnet sind. Beim Aufruf des TV-Guide zeigt das Display zum jeweiligen Sender ein kleines Vorschaubild, die i-Taste holt detaillierte Programminfos auf den Schirm und zusätzlich gibt’s die ganz normale EPG-Übersicht. Eine im Flashspeicher des Displays abgelegte Bedienungsanleitung kann man per Fernbedienung auf den Schirm holen.

Im TV- und Videobetrieb lässt sich die Darstellung nur im Bildmodus „Anwender“ optimieren respektive speichern. Zuvor muss man sich allerdings für eine Szenenauswahl entscheiden: „Allgemein“ führt zu guten Ergebnissen. Die gemessene Ausleuchtung unseres Displays ist zwar desaströs ungleichmäßig, rein subjektiv erscheint ein heller Schirm aber anders als das Schwarzbild relativ homogen. TV und Videobilder gibt der 40Z5800 zudem farblich sehr ausgewogen und angenehm kontraststark wieder, ohne dabei zu dick aufzutragen. Der Sound der integrierten Lautsprecher erreicht dagegen nur Mittelmaß.

Sony hat seinem Fernseher als einziger Hersteller einen digitalen Satellitentuner spendiert. Mit einem entsprechenden CAM für den integrierten CI-Slot kommt man so in den Genuss sehr sauber gezeichneter HDTV-Bilder, zumal auch die 200-Hz-Motionflow-Technik selbst bei sehr schnellen Bewegungen kaum Schwächen zeigt. Schade, dass Sony bei der AppliCast-Realisierung fürs Internet so gegeizt hat.

Die kompletten Ergebnisse aller getesteten Fernseher finden Sie in der Printausgabe 25/09 des c't magazins im Artikel "Schnell, hell, sparsam, Fünf Flachbildfernseher mit 200-Hz-Technik, Netzwerkfunktionen und LED-Backlight" ab Seite 126. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 7.12.2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk .

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