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Vorsicht Kunde! - Kampf bis aufs Messer: Warum ein Banker seine Telefonrechnung nicht bezahlen will

Markus M. aus Bremen ist ein durch und durch korrekter Mensch. Das ist gar nicht verwunderlich, denn Markus M. ist Banker. Trotzdem zahlt er seine Telefonrechnung nicht. Aus gutem Grund.

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Es begann mit einer Mahnung. Markus M. so schreibt ihm Mobilcom, habe seine Telefonrechnung nicht bezahlt. Und wenn er jetzt nicht bald das Geld rausrücken würde, ginge der Vorgang zum Inkasso-Büro. Markus wendet sich an die Mobilcom Hotline – aber dort besteht man auf der Zahlung. Also wendet sich Markus M. an den Bremer Mobilcom-Shop. Auch dort bekommt er nur zu hören: Er soll einfach nur bezahlen.

Genau das aber wird Markus M. nicht tun, denn er hat gar keinen Mobilcom-Vertrag abgeschlossen.

Falsche Beweise und ein Vertrag, den es gar nicht gibt

Markus M. soll 181 Euro bezahlen, obwohl kein Vertrag existiert? Das kann nicht sein, sagt Mobilcom und schickt M. auch alle Beweise zu: Eine Kopie des Auftrages,eine Kopie seiner EC-Karte und eine Kopie seines Personalausweises.

Doch Banker M. wird sofort stutzig. Schon die Auftragsdaten stimmen nicht: Als Wohn-Adresse wird eine völlig falsche Adresse angegeben. Die kennt Markus M. gar nicht. Aber korrekt wie er ist, schaut er da mal vorbei: Hier war er noch nie. Was also wird hier gespielt?

Und was ist mit der Kopie der EC-Karte. Ausgestellt von der Sparkasse Bremen, bei der M. noch nie Kunde war? Markus M. ruft die Sparkasse an und erfährt, dass die Kontonummer einem ganz anderen Kunden gehört. Einem Kunden, den Markus M. überhaupt  nicht kennt.

Und dann ist da noch die eigenartige Kopie seines Personalausweises, die Mobilcom ihm geschickt hat.  Das Foto auf dem Ausweis? Zeigt einen Fremden. Und auch sonst stimmt so gut wie nichts. Es ist nicht seine Unterschrift, die Körpergröße stimmt nicht, genau so wie die Anschrift und die Personalausweisnummer. Was also ist hier los? Wieder ruft M. die Mobilcom-Hotline an. Doch da herrscht zunächst Ratlosigkeit. "Und dann haben die mir an der Hotline gesagt, ich soll meine Unschuld beweisen. Und: Die können eigentlich nichts für mich tun. Das war der Zeitpunkt, wo ich dann gesagt habe, ich gehe zur Kripo."

Nach dem Besuch bei der Polizei besucht Markus M. den Mobilcom-Shop. M. will, dass die Forderungen sofort fallen gelassen werden. Und dort wird es richtig skurril. "Diesmal hat man mir gesagt, ich bin ja gar nicht Kunde, deswegen kann man mir nicht helfen und will sich um den Fall hier nicht kümmern." Markus M. wendet sich an das c’t magazin.

Auf Anfrage teilt Mobilcom uns mit, ein unbekannter Betrüger stecke hinter dem Vertrag. Weiter heißt es: "Aufgrund des von Herrn M. geschilderten Sachverhaltes haben wir Strafanzeige (...) gegen Unbekannt (...) erstattet. Den Vertrag haben wir daraufhin am 06.05.2010 ordnungsgemäß storniert."

Einfache Fälschungen?

Hauptkommissar Ralf Rauwolf von der Kripo Kassel ist Experte für Sicherheitsmerkmale in Personalausweisen. Wir wollen wissen: Lohnt es sich für einen Betrüger überhaupt, für einen Mobilfunkvertrag solch einen komplizierten Ausweis zu fälschen. Der Hauptkommissar hat Zweifel. Denn aus seiner Sicht sei es kaum vorstellbar, dass irgendeine Person einen Personalausweis komplett fälschen würde, um einen Mobilfunkvertrag abzuschließen. Der Aufwand dazu stünde in keinem Verhältnis.

Verfälschungen einer Ausweis-Kopie, wie sie im Fall von Markus M. möglicherweise vorgenommen wurden, kämen dagegen häufiger vor. Aber warum wurde eine solche Verfälschungen bei Mobilcom nicht erkannt? "Inwieweit dort kompetentes Personal ist, das überhaupt die Sicherheitsmerkmale kennt oder in der Lage ist, etwas zu überprüfen oder es überprüfen will, das vermag ich von hier aus nicht zu sagen."

 Was tun?

Markus M. hat sich absolut korrekt verhalten. Er muss nicht zahlen. Wer die Fälschung vorgenommen hatte, war bis Redaktionsschluss nicht zu klären. Wenn Sie ähnliche Probleme mit untergeschobenen Verträgen haben, erstatten Sie umgehend Strafanzeige bei der Polizei. Damit sind Sie über jeden Zweifel erhaben, irgendetwas mit der Fälschung zu tun zu haben. Außerdem ist eine Anzeige bei der Polizei bei vielen Schadensregelungen Voraussetzung dafür, dass Sie gegebenenfalls zu Unrecht gezahltes Geld erstattet bekommen. Eine Anzeige zu erstatten ist für Sie kostenlos.

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