"@_0rbit"-Hack: Gerichtsverfahren für Ende September angesetzt

Ein Mann aus Hessen soll hinter der Veröffentlichung sensibler Daten zahlreichen Politiker und Prominenter stecken. Nun gibt es einen Termin für den Prozess.

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"@_0rbit"-Hack: Gerichtsverfahren für Ende September angesetzt

(Bild: Evdokimov Maxim/Shutterstock.com)

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Im Fall des massiven Online-Angriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente muss sich der Tatverdächtige Ende September vor dem Jugendschöffengericht im hessischen Alsfeld verantworten. Die Hauptverhandlung wurde auf den 23. September terminiert, einen möglichen Fortsetzungstermin könnte es am 30. September geben, wie das dortige Amtsgericht am Montag mitteilte. "Die Verhandlung wird aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen."

Die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten hatte für viel Aufsehen gesorgt. Unter anderem waren mehrere Bundestagsabgeordnete betroffen, insgesamt 993 Politiker aus allen Bundestagsparteien außer der AfD. Der Tatverdächtige, ein heute 22-jähriger Deutscher, soll unter anderem im Dezember 2018 die Daten über den Twitter-Account @_0rbit als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. In Niedersachsen sorgten durch das Massen-Doxxing geleakte Chatverläufe dafür, dass ein SPD-Abgeordneter aus der Fraktion der Sozialdemokraten ausgeschlossen wurde.

Beim "Doxxing" geht es Tätern vor allem darum, die Privatsphäre zu verletzen und möglichst viele personenbezogene und vertrauliche Daten öffentlich zugänglich zu machen. In dem Fall des nun Angeklagten waren auch Prominente betroffen.

Laut der Anklage der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft soll der Mann zudem zwischen August 2015 und Januar 2019 in 73 Fällen personenbezogene Daten von Politikern, Journalisten und Prominenten ausgespäht haben. Dabei handle es sich etwa um Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten oder Bildaufnahmen. In weiteren Fällen soll er die bereits von Dritten ausgespähten Zugangsdaten von Geschädigten auf einer illegalen und von US-amerikanischen Behörden im Januar 2020 abgeschalteten Hacker-Webseite angekauft haben. Zudem wird ihm versuchte Erpressung von sechs Bundestagsabgeordneten vorgeworfen.

Das Jugendschöffengericht in Alsfeld ist zuständig, weil der Verdächtige zu den Tatzeitpunkten als Jugendlicher beziehungsweise als Heranwachsender in der Region lebte. Im Januar 2019 war er vorläufig festgenommen worden. Er hatte damals gestanden, die Daten aus Ärger über Politiker und Prominente veröffentlicht zu haben.

(mho)