10 Jahre E-Perso: Online-Ausweis soll direkt aufs Smartphone kommen

Seit November 2010 stellen die Behörden den Personalausweis mit Funkchip aus. Dessen Online-Funktion wird noch wenig genutzt, was sich nun ändern soll.

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(Bild: Bartolomiej Pietrzyk/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Das Bundesinnenministerium feiert zehn Jahre elektronischen Personalausweis: Am 1. November 2010 wurde der "E-Perso" im Scheckkartenformat eingeführt. Er enthielt erstmals einen RFID-Chip, der nicht allen Nutzern geheuer war. Damit sollte das sichere elektronische Ausweisen im Internet möglich werden. Für das Innenressort eine Erfolgsgeschichte: "Über 62 Millionen Deutsche haben bereits den Personalausweis mit dem Chip und damit den Online-Ausweis."

Tatsächlich im Einsatz ist der E-Perso mit dem elektronischen Identitätsnachweis (eID) jedoch noch kaum: Laut dem "E-Government Monitor 2020" der Initiative D21 haben nur sechs Prozent der Befragten die Online-Ausweisfunktion schon einmal benutzt – genauso wenige wie 2019. Eine große Hürde für den Einsatz hat die Politik zwar beseitigt: Es ist kein spezielles USB-Lesegerät mehr nötig. Seit 2017 können Android-Smartphones mit NFC-Chip die eID auslesen, seit Ende 2019 auch iPhones.

Richtig rund läuft es mit dem Online-Ausweisen über das Handy aber bislang nicht. Selbst Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des IT-Verbands Bitkom, ist aufgefallen, dass die Verknüpfung mit dem Smartphone "ein bisschen komplizierter" sei und "etwas länger" dauert. Es funktioniere aufgrund der hohen Sicherheitsstandards "auch nicht gleich beim ersten Mal", monierte er im Deutschlandfunk. Zudem seien es "eher exotische Anwendungen" wie die Einsichtnahme in eigene Stasi-Unterlagen, die sich über die eID-Funktion aktivieren ließen.

Innenminister Horst Seehofer sieht es anders: "Elterngeld, Bafög, Kfz-Zulassung – all das kann man bereits mit dem elektronischen Personalausweis beantragen." Allein während der Coronavirus-Pandemie seien von Februar bis August 250 Prozent mehr Nutzungen der eID registriert worden – ausgehend eben von einem sehr niedrigen Niveau.

"Und wir arbeiten zusammen mit der Wirtschaft daran, dass der Online-Ausweis künftig noch breiter eingesetzt werden kann", betont der CSU-Politiker. Damit sein Einsatz so alltäglich werde wie das Handy selbst, "vereinfachen wir das Ausweisen im Internet – und zwar ohne Abstriche bei der Sicherheit", gelobt Seehofer. "Jeder Bürger wird den Online-Ausweis künftig direkt im Smartphone speichern können."

Das Innenministerium kooperiert dazu nach eigenen Angaben mit mehreren Partnern. "In Zukunft geht das Online-Ausweisen dann direkt im Gerät– ohne die Ausweiskarte", heißt es. Bekannt ist bisher das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt Optimos 2.0. Dabei sollen die Ausweisdaten in einen Sicherheitschip ins Smartphone integriert werden. Bislang unterstützt mit Samsung aber nur ein Hersteller das Vorhaben.

Die Anwendungsmöglichkeiten für den Online-Ausweis nähmen zudem rasch zu, versichert das Innenressort. Bund und Länder arbeiteten gemeinsam auf Basis des Onlinezugangsgesetzes daran, dass die Behörden mehr Leistungen digital anböten. Für die "gesetzeskonforme Kunden-Identifizierung" akzeptierten ferner immer mehr Firmen die eID. Wer etwa eine SIM-Karte oder eSIM kaufe, müsse sich gegenüber dem Mobilfunkanbieter identifizieren. Mit dem Online-Ausweis sei das im Internet "innerhalb von Sekunden erledigt".

Für EU-Bürger soll es von Januar an die eID-Karte mit Online-Ausweis geben. Angehörige von Drittstaaten können mit ihrem elektronischen Aufenthaltstitel ebenfalls eine eID verwenden. Um die Werbetrommel für die Funktion zu rühren, hat das Innenministerium auch das Personalausweisportal überarbeiten lassen. Von Montag an sollen dort eine Woche lange jeden Tag Interviews über das Online-Ausweisen mit Vertretern von Unternehmen und Behörden veröffentlicht werden.

(mho)