1000 Kilogramm CO2 aus der Luft zu filtern erzeugt 300 Kilogramm neues CO2

Erste Pilotanlagen filtern CO2 aus der Luft, verursachen aber selbst neue Emissionen. Zudem erfordert die Technik Endlager für das beim Filtern gebundene CO2.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 717 Beiträge

(Bild: Climeworks)

Von
  • Arne Grävemeyer

Eine Pilotanlage des Schweizer Herstellers Climeworks bindet bereits seit 2017 mit chemischen Filtern jährlich 900 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre in Hilwil bei Zürich. Dieser Vorgang erfordert allerdings den Einsatz von Energie und einem Sorbtionsmittel, und letztlich muss man das ausgefilterte CO2 abtransportieren und speichern. In einer Studie haben Forscher der Universität Freiburg und des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) nun den Ressourcenverbrauch einer solchen Anlage genau unter die Lupe genommen.

Bei dem eingesetzten TSA-Verfahren (Temperaturwechsel-Adsorption) saugen Ventilatoren die Umgebungsluft durch poröses Filtermaterial. In einem zweiten Prozessschritt erhitzt die Anlage die Filterstoffe, um das CO2 wieder auszulösen und zu speichern. Diese Vorgänge beanspruchen je Tonne CO2 etwa 1000 Kilowattstunden Energie. Zusätzlich sind 36 Kilogramm Material im Einsatz, sieben Tonnen des Sorbtionsmittels, das aus porösem Granulat mit Aminbeschichtung besteht, sowie drei Kubikmeter Wasser.

Die Forscher berücksichtigten zudem den Aufwand zum Aufbau und späteren Abriss der Anlage und insbesondere die dabei entstehenden Feinstaubemissionen. Je Tonne abgebauter CO2-Belastung ergab das noch einmal 180 Gramm Feinstaubemissionen. Um 900 Tonnen CO2 auszufiltern, beansprucht die Anlage 11.000 Quadratmeter Fläche für ein Jahr.

Ziel der Forscher ist es, mit ihren Berechnungen die Techniken unterschiedlicher Luftfilteranlagen vergleichbar zu machen. Unter dem Strich wiesen sie nach, dass der untersuchte Anlagentyp für eine Tonne ausgefiltertes CO2 wiederum 300 Kilogramm CO2-Äquivalente verursacht. Hinzu kommt, dass das der Umgebungsluft entnommene CO2 nicht chemisch aufgespalten wird, sondern beispielsweise in unterirdischen Kavernen zu lagern ist, um es dauerhaft der Atmosphäre zu entziehen.

Lesen Sie auch

Mehr rund um die Problematik der CO2-Abscheidung direkt aus der Atmosphäre lesen Sie in dem aktuellen Klima-Sonderheft von MIT Technology Review (im heise shop bestellbar und im gut sortierten Bahnhofs-Buchhandel). In dem Artikel "Die große Illusion" widmen wir uns der Thematik.

(agr)