1Password 8 für Mac führt Cloud-Zwang ein und wird Web-App

Das neueste Update des traditionsreichen macOS-Passwortmanagers entfernt den lokalen Sync und arbeitet nicht mehr nativ. Dafür gibt's Reklame mit Ryan Reynolds.

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Sieht nach Mac aus, ist aber Electron: 1Password 8 für Mac.

(Bild: Agile Bits)

Von
  • Ben Schwan

Die kanadische Firma Agile Bits hat der Mac-Version ihres renommierten Passwortmanagers 1Password ein großes Update verpasst: Version 8, die seit dieser Woche vorliegt, kommt in einem komplett neuen Aussehen, soll nun auch Passwörter in Systemdialoge und Apps einfügen können ("Universal Autofill") und liefert eine Spotlight-artige Suchfunktion ("Quick Access") samt "smarten Vorschlägen".

Darüber hinaus fällt 1Password 8 für Mac – das die Urversion der Anwendung darstellt, die es inzwischen auch für Windows und Mobilgeräte gibt – allerdings durch Weglassungen auf. Die Möglichkeit, den Passworttresor lokal zu sichern, ist komplett entfallen. Zudem ist die App für macOS nicht mehr nativ, sondern basiert auf dem derzeit beliebten – und oftmals weniger performanten – Electron-Web-App-Framework. Beide Veränderungen sorgen in den Foren und auf Twitter für Kritik – insbesondere die erstgenannte Entscheidung.

Mit 1Password 8 für Mac führt Agile Bits nämlich den Cloud-Zwang ein. Selbst Nutzer, die einst 1Password für viel Geld als Stand-Alone-App erworben haben, müssen mit dem Update ihren Passworttresor auf die Server des kanadischen Unternehmens umziehen, die es in den Kanada und Europa gibt. Damit werden sie dann auch zu Abokunden von Agile Bits: Den Cloud-Service gibt es ab 36 US-Dollar im Jahr für Einzelpersonen und 60 Dollar im Jahr für Familien. Die Euro-Preise liegen bei 31,80 Euro beziehungsweise 57 Euro im Jahr – allerdings plus Mehrwertsteuer. Das Angebot ist 14 Tage kostenlos testbar.

Es ist nicht möglich, Abokunde zu werden und gleichzeitig den eigenen Passworttresor lokal auf dem Mac zu behalten. Das Vorgehen erinnert an eine ähnliche Maßnahme auf dem iPhone vor mehreren Jahren: Damals schwenkte Agile Bits nach viel Kritik allerdings um und erlaubte dort wieder lokale Passworttresore. Zur Begründung der Entscheidung hieß es in einem AMA (Ask Me Anything) auf Reddit, man fürchte den Datenverlust bei Nutzern, wenn Passwörter nicht in der Cloud lägen. Das begründet allerdings nicht die Entscheidung, die Funktion nicht zumindest optional für Profis anzubieten.

Agile Bits hatte das Ende lokaler Passworttresore bereits zuvor angekündigt. Man werde es einfach machen, zu einer "1Password Membership" zu wechseln und dafür dann einen Discount bieten (der offenbar bei 50 Prozent in den ersten drei Jahren liegt). Immerhin soll 1Password 7 zunächst weiter angeboten werden, in der die Funktion noch existiert. Ob es ein Self-Hosting für die 1Password-Cloud geben wird, ist unklar – hier wurden zwar erste Andeutungen gemacht, eine Umsetzung scheint aber nicht beschlossen zu sein.

Weitere Kritik bekam Agile Bits für den Umstieg auf das Electron-Framework von nativem Mac-Code. Diese JavaScript-basierten Programme haben unter macOS einen schlechten Ruf, weil sie selbst auf neuesten M1-Maschinen langsamer starten und insgesamt weniger performant wirken. Das ist auf den ersten Blick bei 1Password 8 allerdings nicht der Fall. Dennoch meldeten erste Nutzer an unterschiedlichen Stellen merkwürdige JavaScript-Fehler. Dass die Verwendung von Electron Auswirkungen auf die Sicherheit hat, verneint Agile Bits. Der Umstieg soll dem Unternehmen offenbar die Multi-Plattform-Entwicklung erleichtern.

Agile Bits hat sich in den vergangenen Jahren zum Großkonzern entwickelt. Zuletzt erhielt das Unternehmen im Januar satte 620 Millionen Dollar an Risikokapital. Die gigantische Summe wird nicht nur in die Verbesserung des Dienstes gesteckt, sondern auch ins Marketing: Mit dem Schauspieler Ryan Reynolds kündete Agile Bits einen ersten Promi-Werber an, der den Passwortmanager dann auch gleich in einem Video auf Twitter vorstellte.

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(bsc)