20 Jahre Mac OS X: Apples Erfolgsgeschichte begann fremd und langsam

Mac OS X stellte den Mac vor 20 Jahren auf moderne Unix-Beine. Als Basis für alle folgenden Apple-Betriebssysteme hat es längst ein Milliardenpublikum.

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Von
  • Leo Becker

Mac OS X 10.0 war für viele Mac-Nutzer:innen ein Schock: Als das Betriebssystem am 24. März 2001 in den Handel kam – in Deutschland zum Preis von 329 DM – wirkte es mit seinem Unix-Unterbau nicht nur fremd, sondern es lief auch unglaublich langsam. Und doch war schon damals klar, dass es die Zukunft ist, denn "Classic Mac OS" war technisch längst auf dem Abstellgleis: Erst OS X sorgte für ein modernes, objektorientiertes Betriebssystem mit präemptivem Multitasking, Multithreading und Speicherschutz für Programme – all das fehlte dem Mac bis dahin.

Unter großem Applaus hatte Steve Jobs knapp drei Jahre vor dem Verkaufsstart das neue Betriebssystem in Aussicht gestellt – eine Kombination aus dem NextStep-basierten Rhapsody und Mac OS. Die bunte Bedienoberfläche Aqua wurde erst ein Jahr zuvor Anfang 2000 enthüllt, sie bestimmt bis heute das Aussehen von macOS.

Eine Interface-Änderung in den Public Betas von Mac OS X schraubte Apple in der finalen Fassung noch zurück: Statt einen funktionsloses Apple-Logo in der Mitte der Menüleiste zu platzieren, verlegte Apple das klassische Apple-Menü wieder nach links außen, dort ist es bis heute zu finden und gibt schnellen Zugriff auf zentrale Funktionen des Betriebssystems.

Mac OS X: Die Vorgeschichte (10 Bilder)

Mac OS 9 kam im Oktober 1999 auf den Markt und war die letzte Version des alten Apple-Betriebssystems. Fast 20 Jahre nach der Vorstellung des ersten Macintosh entsprach es nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Betriebssystem. Es beherrschte beispielsweise nur das veraltete kooperative Multitasking, bei dem nicht das OS zentral die Ressourcen verteilt. Wenn sich die Programme selbst um die notwendige Rechenleistung kümmern, kommen sie sich häufig in die Quere. Das Mac OS verfügte damals auch nicht über eine geschützte Speicherverwaltung, sodass sich Anwendungen immer wieder gegenseitig zum Absturz brachten. Außerdem fehlte eine echte Multiuser-Verwaltung; das klassische Mac OS täuschte diese nur durch unterschiedlich gestaltete Desktop-Umgebungen vor.

350 Programme waren laut Apple zum Verkaufsstart nativ bereit für Mac OS X. Andreas Beier schrieb vor 20 Jahren auf heise online: "Unter den ersten ist der Internet Explorer von Microsoft, der in einer stabil laufenden Preview beiliegt. Auch hat der große Betriebssystem-Konkurrent die Portierung seiner Office-Suite auf Mac OS X angekündigt. Die meisten vorhandenen Programme dürften aber ohne Probleme in der Classic-Umgebung laufen, einer Art Emulator mit einem unveränderten Mac OS 9.1."

Dass Mac OS X 10.0 kaum für den Alltagseinsatz zu gebrauchen war, war auch Apple klar: Neben einer CD mit dem neuen Betriebssystem legte der Hersteller auch eine Vollversion von Mac OS 9.1 mit in die Kiste – sowie eine für Entwickler relevante CD mit Developer-Tools. Auf neuen Macs wurde Mac OS X dann ab Mitte 2001 vorinstalliert, über Jahre aber nur parallel zu Mac OS 9. Zugleich legte Apple schnell nach: Mac OS X 10.1 erschien im Herbst 2001, gefolgt von Mac OS X 10.2 im August 2002 – beide liefen auf neuen Macs mit G4-Prozessoren dann bereits in akzeptabler Geschwindigkeit.

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Am 24. März 2001 veröffentlichte Apple die erste offizielle Version des neuen Betriebssystems, Mac OS X 10.0, Codename Cheetah (Gepard). Es gab den Anwendern ihr geliebtes Mac-Menü zurück. Außerdem lief das System spürbar schneller als die fast unbrauchbare Public Beta. Dennoch gehörte schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, ein immer noch extrem langsam laufendes System für 329 DM anzubieten. Außerdem konnten digitale Videobearbeiter mit Mac OS X noch nichts anfangen, denn es fehlte eine Software, die Kameras ansprechen konnte. Cheetah hätte eigentlich die Public-Beta-Version sein sollen.
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Der Unix-Unterbau des Betriebssystems werde Apple als solides Fundament für die nächste Dekade dienen, versprach Steve Jobs damals und lag damit zwar richtig, griff aber deutlich zu kurz: Mac OS X bildet bis heute die Basis aller Apple-Betriebssysteme – darunter iOS auf dem iPhone. Damit hat das Betriebssystem inzwischen nicht nur eine Nutzerschaft im Milliardenbereich, sondern half auch dabei, den Konzern an der drohenden Pleite vorbei in einen der nach Marktkapitalisierung wertvollsten Konzerne der Welt zu verwandeln.

(lbe)