2022 AE1: Neu entdeckter Asteroid setzt sich an Spitze von Gefahrenlisten

Noch ist die Bahn des neuentdeckten Asteroiden nicht sehr genau bekannt: 2023 besteht eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass er auf der Erde einschlägt.

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(Bild: ImageBank4u/Shutterstock.com)

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Von
  • Martin Holland

Ein vor wenigen Tagen entdeckter erdnaher Asteroid hat sich – höchstwahrscheinlich vorübergehend – an die Spitze zweier Listen der gefährlichsten Objekte für die Erde gesetzt. Der Himmelskörper mit der Bezeichnung 2022 AE1 gilt demnach sowohl bei der NASA als auch bei der ESA als gefährlicher als der Asteroid Bennu, der diese Spitzenposition bisher innehatte.

Das könnte sich aber wieder ändern, wenn bei mehr Beobachtungen genauere Daten über die Bahn des Asteroiden gesammelt werden – normalerweise passiert in derartigen Fällen auch genau das. 2022 AE1 wurde am 6. Januar entdeckt und hat einen Durchmesser von etwa 70 Metern. Das wäre etwas größer als der Asteroid, der 1908 für eine heftige Explosion in Sibirien verantwortlich gemacht wird – dem sogenannten Tunguska-Ereignis.

Anhand der wenigen bisher bekannten Daten haben NASA und EASA zwei Termine berechnet, an denen der Asteroid der Erde so nah kommt, dass eine Kollision noch nicht ganz ausgeschlossen werden kann: 4. Juli 2023 und 3. Juli 2028. Bei der US-Welttraumagentur kommt man aktuell auf eine Wahrscheinlichkeit von 0,036 Prozent für den Termin im kommenden Sommer, bei der ESA auf 0,15 Prozent. Ein Einschlag im Sommer 2028 ist demnach sogar noch unwahrscheinlicher.

Während es weitere Objekte gibt, deren Einschlagwahrscheinlichkeit als höher gilt oder die größer sind als 2022 AE1, landet der neu entdeckte Asteroid auf den Listen von NASA und ESA ganz vorne, weil die nach der sogenannten Palermo-Skala sortiert werden. In den Wert fließt auch ein, wie viel Zeit zum potenziellen Einschlag noch ist – bei 2022 AE1 sind das nur anderthalb Jahre.

Sobald genauere Daten zur Bahn von 2022 AE1 vorliegen, wird er erfahrungsgemäß seinen Spitzenplatz auf den Gefahrenlisten verlieren. Dann dürfte wieder Bennu vorrücken, einer der gefährlichsten Asteroiden, den wir kennen. Ab der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts kommt er der Erde über 150 Mal so nahe, dass die Einschlagwahrscheinlichkeit insgesamt 0,057 Prozent beträgt.

Um solche Gefahren genauer berechnen zu können, hatte die NASA erst vor wenigen Wochen eine neue Software eingeführt. Sentry-II überwacht für das Center for Near Earth Object Studies (CNEOS, Zentrum für erdnahe Objekte) der US-Weltraumagentur potenziell gefährliche Himmelskörper. Was unternommen würde, wenn tatsächlich einmal ein unmittelbar gefährliche Asteroid wenige Monate vor einem Einschlag entdeckt wird, war im vergangenen Jahr bei einer Übung durchgespielt worden.

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[Update 24.02.2022 – 10:30 Uhr] Weitere Beobachtungen haben inzwischen gezeigt, dass in absehbarer Zeit kein Einschlag von 2022 AE1 droht. Er wurde aus den Gefahrenlisten von NASA und ESA entfernt.

(mho)