30 Gigawatt bis 2030: Bund will Ausbau der Offshore-Windenergie beflügeln

Das Bundesamt für Seeschifffahrt hat den Flächenentwicklungsplan 2023 für Windenergie auf See veröffentlicht, mit dem es die Energiewende beschleunigen will.

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(Bild: fokke baarssen/Shutterstock.com)

Von
  • Dr. Stefan Krempl
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Wichtige Weichenstellung für den Ausbau der Offshore-Windenergie: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat am Freitag den Flächenentwicklungsplan (FEP) 2023 veröffentlicht. Er soll die Basis bilden, um das gesetzliche Ziel für Windkraft auf See in Höhe von mindestens 30 Gigawatt (GW) bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Damit stehen nun die Gegenden fest, auf denen in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee künftig Offshore-Windparks errichtet werden können.

Der FEP regelt auch die Details, wie und wann diese Flächen ausgeschrieben werden sollen und wann die Windenergieanlagen an das landseitige Stromnetz angebunden werden. Dazu kommen technische Grundsätze für die entsprechenden Leitungen. Mit der Veröffentlichung des Papiers setzt das BSH nach eigenen Angaben auch die Aufgaben aus der Offshore-Realisierungsvereinbarung zwischen Bund, Ländern und Übertragungsnetzbetreibern vom November fristgemäß um.

Für den Plan ermittelte und bewertete die zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr gehörende Behörde auch, welche möglichen Auswirkungen dessen Durchführung auf die Meeresumwelt hat. Dabei seien im Fortschreibungsverfahren Stellungnahmen und Äußerungen aus den Ämter- und Öffentlichkeitsbeteiligungen eingeflossen, erklärt das BSH. In vier Konsultationsrunden habe für die Öffentlichkeit Gelegenheit bestanden, sich in das Verfahren einzubringen und die jeweiligen Entwurfsstände zu kommentieren. Eine ausführliche Dokumentation der Eingaben und deren Abwägung soll separat später veröffentlicht werden.

Robert Habeck (Grüne), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, bezeichnete den Ausbau der Windenergie auf See als "Mammutaufgabe". Der FEP stelle neben der Offshore-Vereinbarung "ein weiteres Stück unseres Masterplans" dar, "um die hohen Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien zu erreichen".

Bis 2030 muss die bestehende Leistung von derzeit 8 GW auf 30 GW fast vervierfacht werden. Nötig ist ein Zubau von knapp 22 GW. Dieses Ziel ist im Koalitionsvertrag verankert und im novellierten Wind-auf-See-Gesetz rechtlich bindend verankert. Um den Turbo beim Ausbau einlegen zu können, ist auf den vorhandenen Flächen laut dem Wirtschaftsministerium die Leistung verdichtet worden. Man habe weitere Potenzialgegenden identifiziert. In den ausgemachten Räumen lasse sich insgesamt eine Leistung von 36,5 GW installieren. Das BSH habe zudem ein Testfeld zur Förderung der Forschung und Entwicklung im Küstenmeer umrissen.

Im Leitungsbereich legt der FEP auch die Grundlage für ein europäisches Offshore-Stromnetz, in dem einzelne Windparks miteinander verbunden werden können. Dabei soll das BSH Ergebnisse aus internationalen Arbeitsgruppen wie der North Seas Energy Cooperation (NSEC) berücksichtigt haben. Festgelegt sind unter anderem Kabeltrassen zur Verbindung der Offshore-Plattformen und vorzuhaltende Anschlusskapazitäten.

Strom aus Windenergieanlagen auf See eignet sich laut dem Wirtschaftsressort auch hervorragend, "um daraus Wasserstoff per Elektrolyse zu gewinnen". Damit diese Technologien in industriellem Maßstab erprobt werden könnten, werde im FEP ein vergrößerter Bereich in der Nordsee abgegrenzt, der mit einer Wasserstoff-Pipeline angebunden werden könne. Die Fläche ermögliche eine Elektrolysekapazität von bis zu 1 GW. Ferner stelle der Plan bereits Flächen dar, um das gesetzlich festgelegte Ausbauziel von 40 GW bis 2035 "nochmals um 10 GW" zu übertreffen.

Die deutsche Offshore-Windbranche lieferte am Montag den Realitätscheck: Laut einem Statusbericht gingen im vergangenen Jahr 38 Windenergieanlagen auf See mit einer Leistung von 342 MW im Projekt Kaskasi erstmalig ans Netz. Insgesamt speisen damit in der deutschen Nord- und Ostsee 1539 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 8100 MW Strom ein. Darüber hinaus wurden alle 27 Fundamente für Arcadis Ost 1 bis Jahresende installiert, davon wurden bereits neun mit Offshore-Windenergieanlagen versehen. Mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme dieses Projekts wird bis Ende 2023 gerechnet.

Die Projekte zur Realisierung der Ausschreibungen aus 2023 sollen von 2028 an erfolgen. Dabei geht es um insgesamt 8800 MW. Die Branche erwartet einen erheblichen Anstieg des Zubaus ab 2025 und vor allem gegen Ende 2030. Dies setze aber "eine industrielle Machbarkeit" voraus. Für den Aufbau stabiler Lieferketten und einen zukunftsorientierten Ausbau von Fertigungskapazitäten brauche es "einen stetigen und gleichmäßigen Zubau-Pfad". Die notwendigen Produktionskapazitäten und Fachkräfte fehlten bisher aber "in substanziellem Maße". Ein Plan allein reiche hier nicht.

Konkrete Aufträge seien erforderlich, um das "Wiederhochfahren" der Offshore-Windindustrie für den deutschen Markt und die notwendigen Investitionen in Produktion und Lieferkette, Infrastruktur und Logistik zu ermöglichen, betonen einschlägige Wirtschaftsverbände. Die Erzeugung von grünem Wasserstoff auf See stecke noch in den Kinderschuhen. Hier müsse die Politik den erforderlichen regulatorischen Rahmen liefern, "der die Entwicklung von konkreten Geschäftsmodellen ermöglicht". Auch bei Windenergie an Land bläst die Branche zur Aufholjagd

(axk)