317 Millionen Euro für abgeschaltete Steinkohlekraftwerke

Eines der modernsten Kohlekraftwerke wird nach vier Jahren Betrieb vom Netz genommen. Mit diesem und anderen Kraftwerken beginnt der Kohleausstieg.

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Das Kohlekraftwerk Moorburg ist seit 2015 in Betrieb.

(Bild: Vattenfall)

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  • dpa

Beim Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Steinkohle in Deutschland ist der erste Schritt gemacht. Die Bundesnetzagentur hat am Dienstag die Stilllegungsprämien für elf Kraftwerksblöcke bekanntgegeben. Die Betreiber der Anlagen erhalten insgesamt rund 317 Millionen Euro. Sie dürfen ab dem 1. Januar 2021 keinen Strom aus diesen Anlagen mehr verkaufen.

Eine Prämie erhält unter anderem der größte deutsche Stromerzeuger RWE für zwei Steinkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen. Auch die großen Steinkohleverstromer Uniper und Steag sind mit Geboten für Kraftwerke in NRW zum Zuge gekommen.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat am Dienstag einen Zuschlag für die beiden Blöcke seines Kraftwerks Moorburg in Hamburg erhalten. Obwohl das erst 2015 in Betrieb genommene Kraftwerk eines der modernsten in Deutschland sei, entspreche die frühzeitige Stilllegung sowohl den Plänen der deutschen Bundesregierung "als auch der Strategie von Vattenfall, innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen", sagte Vattenfall-CEO.

Alternativ seien vor dem Hintergrund des Kohleausstiegs auch ein Brennstoffwechsel und ein Verkauf des Kraftwerks geprüft worden, sagte Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. "Jetzt werden wir die Planungen für die vorzeitige Schließung vorantreiben. Dazu gehört auch, unsere Mitarbeiter bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu unterstützen beziehungsweise in verantwortungsvoller Weise andere Optionen zu vereinbaren."

Wie hoch die Stilllegungsprämie für Vattenfall ist, wurde nicht mitgeteilt. Auch der schwedische Energieriese hatte vorab nicht bekanntgegeben, wie viel er für die Stilllegung der beiden Blöcke mit einer Kapazität von jeweils 800 Megawatt gefordert hatte. Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 662.59 Euro pro Megawatt.

Deutschland will für den Klimaschutz bis spätestens 2038 alle Kohlekraftwerke stilllegen. Mit den Braunkohlebetreibern RWE und Leag wurden feste Abschaltdaten und Entschädigungssummen ausgehandelt. Für die Steinkohle, für die viele verschiedene Betreiber zuständig sind, gibt es ein Ausschreibungs-Modell. Die Betreiber, die die geringste Summe je vermiedener Tonne CO2 fordern, erhalten dabei den Zuschlag für eine Entschädigung. In den kommenden Jahren soll es weiter Ausschreibungen geben.

(anw)