5G: Telefónica Deutschland baut Kernnetz mit Ericsson

Das 5G-Netz des Mobilfunkanbieters O2 wird im Kern aus Komponenten des Ausrüsters Ericsson bestehen. Aber auch Huawei kommt weiter zum Einsatz.

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(Bild: Ericsson)

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Telefónica Deutschland baut das Kernnetz seines 5G-Netzes mit Komponenten des schwedischen Ausrüsters Ericsson. Bei dem "besonders sicherheitsrelevanten 5G-Kernnetz" setze Telefónica mit Ericsson "auf einen europäischen Anbieter", betont das Unternehmen in einer Mitteilung vom Montag. Hintergrund sind die wachsenden politischen Bedenken gegen die starke Präsenz des chinesischen Ausrüsters Huawei in europäischen Mobilfunknetzen.

Während Telefónica Deutschland auf der Funkseite des O2-Netzes weiterhin auf Komponenten von Huawei und Nokia setzt, kommt beim nun aufzubauenden 5G-Kernnetz Ericsson zum Zuge. Den Auftrag hatte Telefónica Deutschland Anfang des Jahres ausgeschrieben, auch andere Anbieter konnten sich beteiligen. Die Wahl fiel dann auf Ericsson.

Ziel ist der Aufbau einer unabhängigen Architektur für 5G. Telefónica will bis 2021 ein eigenständiges 5G-Kernnetz mit vollständiger Cloud-Kompatibilität aufbauen. "Wir haben einen klaren Plan für die Weiterentwicklung unserer Netzinfrastruktur hin zu einem eigenständigen 5G-Netz, das die massiven Datenströme der Zukunft stemmt und neue digitale Geschäftsmodelle für alle unsere Kunden eröffnet", erläuterte CTO Mallik Rao.

Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen den USA und China sowie den von der US-Regierung vorgebrachten, aber bisher unbewiesenen Spionagevorwürfen gegen chinesische Unternehmen ist die Beteiligung von Ausrüstern wie Huawei und ZTE am Aufbau der sicherheitskritischen 5G-Infrastruktur auch in Europa umstritten.

Die Europäer haben bisher die Tür für Huawei nicht zugeschlagen, sondern empfehlen Beschränkungen, Sicherheitsprüfungen und Zertifizierungen für die Produkte aller Hersteller. Die Kriterien dafür werden derzeit erarbeitet und sollen mit der Novelle des IT-Sicherheitsgesetzes nach der Sommerpause vom Bundestag verabschiedet werden.

Die deutschen Netzbetreiber setzen unterdessen weiter auf Huawei-Produkte für die Funkzugangsnetze, haben aber damit begonnen, Huawei-Technik in den Kernnetzen zu ersetzen. Nach der Telekom und Vodafone verzichtet nun auch Telefónica in seinem 5G-Kernnetz auf Huawei.

Das Kernnetz sei der sicherheitsrelevanteste Teil eines Mobilfunknetzes, in dem sämtliche Anwendungen und Daten von den bundesweit über 26.000 Mobilfunkstandorten zusammenlaufen und mit Kundendaten verbunden werden, erklärt Telefónica Deutschland die Bedeutung des Netzes. "Als Netzbetreiber, der deutschlandweit die meisten Menschen mit Mobilfunk verbindet, kommt uns eine ganz besondere gesellschaftliche Verantwortung für die sichere digitale Vernetzung zu", sagte Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland.

Unterdessen scheint sich in Großbritannien ein Stimmungswechsel zu vollziehen. Medienberichten zufolge könnte Premierminister Johnson von seiner bisherigen Linie abweichen und sich doch für ein Verbot des chinesischen Ausrüsters starkmachen. Hintergrund ist eine Neubewertung der Situation, an der das britische Cybersicherheitszentrum, eine Abteilung des Geheimdiensts GCHQ, derzeit arbeitet.

Zugleich gibt es offenbar Bestrebungen der G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, USA, Vereinigtes Königreich), zusammen mit Australien, Indien und Südkorea eine internationale 5G-Allianz zu schmieden. Die Allianz solle Alternativen zu Huawei entwickeln und der technologischen sowie wirtschaftlichen Dominanz der Chinesen etwas entgegensetzen. (vbr)