737 Max: Boeing vermeidet durch Milliardenzahlung auch US-Strafprozess

Mit 200 Million Euro Strafe entkommt Boeing einem Strafprozess in den USA. Boeing hat Behörden über die Sicherheit der 737 Max getäuscht, 346 Menschen sind tot.

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Weil die Flugzeuge lange geparkt werden mussten, zahlt Boeing den Fluggesellschaften nun 1,44 Milliarden Euro.

(Bild: Boeing)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

346 Menschen sind bei zwei Abstürzen von Flugzeugen der Baureihe Boeing 737 Max im Oktober 2018 und März 2019 gestorben. Als Hauptursache gilt die fehlerhafte Steuerungssoftware MCAS. Boeing hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA über wichtige Änderungen in die Irre geführt, woraufhin in den Pilotenhandbüchern keine Rede von MCAS war. Dennoch kommt Boeing höchstwahrscheinlich um einen Betrugsprozess herum.

Denn die US-Staatsanwaltschaft und Boeing haben sich auf einen Prozessaufschub verständigt. Boeing gesteht Schuld ein und zahlt 243,6 Millionen Dollar Strafe (umgerechnet rund 198 Millionen Euro). Für Zahlungen an Hinterbliebene der Todesopfer stellt das Unternehmen 500 Millionen Dollar (406 Millionen Euro) zur Verfügung.

Außerdem verpflichtet sich der Flugzeugbauer dazu, Fluggesellschaften mit insgesamt 1,77 Milliarden Dollar (1,44 Milliarden Euro) dafür zu entschädigen, dass sie ihre 737-MAX-Flugzeuge lange Zeit nicht nutzen konnten. Im März 2019 hatten Behörden in aller Welt Flugverbot über Boeing 737 Max 8 und 9 verhängt. In Dezember 2020 konnten Boeing 737 Max nach der Zwangspause wieder abheben. Sollte Boeing in den nächsten drei Jahren keine weiteren einschlägigen Straftaten begehen, entfällt der Strafprozess für immer.

"Die irreführenden Aussagen, Halbwahrheiten und Unterlassungen, die von Boeing-Mitarbeitern der FAA übermittelt wurden, haben die Fähigkeit der Behörde behindert, die Sicherheit der fliegenden Öffentlichkeit zu garantieren", sagte US-Bundesstaatsanwältin Erin Nealy Cox am Donnerstag bei Bekanntgabe der Vereinbarung. Demnach haben zwei Chefpiloten des 737-MAX-Projekts im November 2016 über Änderungen bei MCAS erfahren, das vor der FAA aber verheimlicht.

Als Folge davon habe die FAA alle Informationen über MCAS aus ihrem Flight Standardization Board Report über den Flugzeugtyp entfernt. Dieser Bericht war aber Grundlage für die Handbücher und Schulungsunterlagen für US-Piloten der Boeing 737 MAX 8 und 9. Somit waren sie ahnungslos über Eigenschaften des MCAS und wie sie bei Problemen reagieren sollten.

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Die Staatsanwaltschaft kritisiert außerdem, dass Boeing die strafrechtliche Untersuchung ein halbes Jahr lang "frustriert" habe. Erst danach habe das Unternehmen kooperiert und freiwillig Dokumente und Zeugen angeboten.

Das Verfahren heißt USA v. The Boeing Company und ist am US-Bundesbezirksgericht für Nordtexas unter dem Az. 4:21-CR-005 anhängig. Theoretisch könnte der Richter den gemeinsamen Antrag von Staatsanwaltschaft und Boeing ablehnen, was jedoch extrem selten vorkommt. Die beiden Chefpiloten Boeings sind bislang nicht angeklagt.

(ds)