A1 Telekom Austria zieht sich aus Liechtenstein zurück

A1 ist nicht mehr am liechtensteinischen Netzbetreiber FL1 beteiligt. Der Mehrheitseigentümer, das Fürstentum, hatte die Österreicher vor den Kopf gestoßen.

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(Bild: Paul Bica CC BY 2.0)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Der Telecom-Konzern A1 Telekom Austria hat sich aus Liechtenstein zurückgezogen. Der dortige Netzbetreiber FL1 (Telecom Liechtenstein) steht ab sofort im Alleineigentum des Fürstentums. Festnetzschwund und Mobilfunk-Wettbewerb setzen FL1 zu, so dass die Firma in die roten Zahlen gerutscht ist. Zudem hat das Fürstentum die Österreicher im Vorjahr desavouiert, in dem es CEO und Technikchef ohne Rücksprache mit A1 abgesetzt hat. Beide Manager waren von A1 gekommen.

1999 hatte die heutige A1 Telekom Austria eine liechtensteinische Mobilfunklizenz erworben und im Jahr darauf das Mobilfunknetz namens mobilkom liechtenstein in Betrieb genommen. 2014 fusionierte mobilkom liechtenstein mit dem staatlichen Festnetzbetreiber FL1. Seither hatte das Fürstentum 75,1 Prozent der Anteile gehalten, A1 die restlichen 24,9 Prozent.

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Im Juni 2019 beriefen die Vertreter des Fürstentums eine Verwaltungsratssitzung mit nicht einmal 20 Stunden Vorwarnung ein, wie die Zeitung Liechtensteiner Vaterland damals berichtet hat. Das von A1 gestellte Verwaltungsratsmitglied war zu dem Zeitpunkt krank und konnte daher an der plötzlichen Sitzung nicht teilnehmen. So konnten die Liechtensteiner ohne Mitwirkung der A1 beschließen, den Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Matthias Maierhofer, und den Leiter der Technik, René Schiefer, abzusetzen. Beide waren aus dem A1-Konzern gekommen und sind inzwischen auch wieder dort tätig.

Im August 2019 machte A1 dann von einem Kündigungsrecht Gebrauch, das bei der Fusion 2014 vereinbart worden war. Diese Kündigung ist diese Woche wirksam geworden. Wie viel das Fürstentum A1 für deren Minderheitsanteil bezahlen musste, wurde bislang nicht verraten. Auf "technisch-operativer Ebene" haben A1 und FL1 weitere Zusammenarbeit vereinbart. Es wäre aber keine Überraschung, würden die Liechtensteiner bald einen neuen strategischen Partner präsentieren.

A1 Telekom Austria selbst steht mehrheitlich im Eigentum der mexikanischen América Movil. A1 betreibt Telekommunikationsnetze in Österreich, Bulgarien, Kroatien, Nordmazedonien, Serbien, Slowenien und Weißrussland.

(ds)