AKW Brokdorf wieder anfahren?

Die Landtags-FDP in Schleswig-Holstein möchte prüfen, ob für das Kernkraftwerk Brokdorf ein Wiederanfahren möglich ist.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 222 Beiträge

(Bild: Eon)

Von
  • dpa

Die FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein fordert eine Prüfung des Wiederanfahrens des Atomkraftwerks Brokdorf, das Ende 2021 vom Netz genommen worden war. Die Liberalen sehen sich durch eine Antwort des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur auf eine parlamentarische Anfrage in ihrer Vermutung bestätigt, dass ein Betrieb von Brokdorf nicht zu einem vermehrten Abschalten von Anlagen der erneuerbaren Energien (EEG-Anlagen) führen würde. "Vergleicht man die Stunden, an denen EEG-Anlagen vom Netz genommen werden mussten, vor und nach der Abschaltung von Brokdorf, steigt die Zahl im Schnitt sogar leicht an, seit das Kernkraftwerk nicht mehr am Netz ist", teilte der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky mit.

Hintergrund der Anfrage ist eine Äußerung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in einem Zeitungsinterview, wonach zahlreiche Windkraftanlagen abgeschaltet werden müssten, um das Netz nicht zu überlasten, falls Brokdorf wieder in Betrieb genommen würde. Günther argumentiere bei der Energiesicherung mit gefühlten Wahrnehmungen und nicht mit Fakten, kritisierte Kumbartzky.

Wenn die Wiederinbetriebnahme von Brokdorf dazu beitragen könne, dass die Menschen ein bisschen zuversichtlicher auf den Winter schauen, dann müsse diese Option ernsthaft geprüft werden. Die Menschen hätten Angst vor Blackouts und horrend hohen Stromrechnungen.

Das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur schrieb in seiner Antwort auf die FDP-Anfrage, mit der Liberalisierung der europäischen Strommärkte, dem Ausbau der Grenzübertragungsleistungen und der Systemumstellung auf volatile dezentrale Stromeinspeisungen sei die Vorstellung von Grundlastkraftwerken überholt. "Grundsätzlich wird die Stromnachfrage aus allen Kraftwerken über den Strommix im öffentlichen Stromnetz gedeckt," so das Ministerium. Dabei regele der Markt, welches Kraftwerk in einer jeweiligen Nachfragesituation einspeise.

Bei der Debatte um das Thema Kernkraft trifft immer wieder Ideologie auf Rationale Fakten. Ein Kommentar dazu von Gregor Honsel (Technology Review)

(pen)