AKW Fukushima: Südkorea erwägt Klage gegen Einleitung von Tritium-Wasser

Die südkoreanische Regierung will verhindern, dass Japan Millionen Kubikmeter kontaminiertes Wasser in den Pazifik leitet.

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In solchen Tanks wird auf dem Gelände des AKW Fukushima "behandeltes Wasser" gelagert, wie es AKW-Betreiber Tepco nennt.

(Bild: Tepco)

Von
  • Andreas Wilkens

Die südkoreanische Regierung prüft juristische Schritte gegen Japans Pläne, große Mengen mit Tritium belasteten Wassers in den Pazifik zu leiten. Präsident Moon Jae-in habe seiner Regierung angeordnet, eine Beschwerde vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg zu prüfen, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap.

Die japanische Regierung hatte am Dienstag entschieden, das Tepco, Betreiber des vor zehn Jahren havarierten Atomkraftwerks Fukushima, das auf dem Gelände lagernde kontaminiserte Kühlwasser verdünnt ins Meer leiten darf. Dort lagern momentan etwa 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser, das größtenteils bereits gereinigt und gefiltert wurde. Das Radionuklik Tritium hingegen lässt sich nicht entfernen. Die Einleitung soll 2023 beginnen und sich über Jahre hinziehen. Jeden Tag kommen etwa 150 Kubikmeter Wasser hinzu.

Die Entscheidung der japanischen Regierung sei "völlig inakzeptabel", hieß es am Dienstag aus Südkorea. Japan habe sie getroffen, ohne ausreichend mit dem Nachbarn verhandelt und die Gefahren für die Meeresumwelt berücksichtigt zu haben. Auch aus China wurde Protest laut.

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Die 21 Richter des Internationalen Seegerichtshofs sind zuständig für Streitigkeiten über die Auslegung oder Anwendung des Seerechtsübereinkommens. Er ist bisher in 29 Streitfällen eingeschaltet worden, dabei ging es häufig um die Forderung nach der sofortigen Freigabe von Schiffen, die wegen des Vorwurfs der illegalen Fischerei festgehalten worden waren. Das seit 1994 geltende Seerechtsübereinkommen der UN regelt unter anderem die Abgrenzung der Meereszonen, die Nutzung dieser Gebiete und deren Schutz.

Zehn Jahre Super-GAU von Fukushima (75 Bilder)

Das AKW Fukushima Daiichi mit seinen sechs Reaktorblöcken vor der Katastrophe. Es liegt Luftlinie rund 250 km von Tokio entfernt. Alle sechs Blöcke basieren auf den Siedewasserreaktor-Baureihen BWR 3 bis BWR 5 des US-Unternehmens General Electric; gebaut wurden sie zwischen 1971 und 1979. Block 1 sollte ursprünglich Ende März 2011 stillgelegt werden, die japanischen Behörden genehmigten Februar 2011 aber eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre.
(Bild: dpa)

Das AKW Fukushima Daiichi, in dem sich nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 Kernschmelzen ereigneten, benötigt zur Kühlung des geschmolzenen Brennstoffs weiterhin viel Wasser. Derzeit wird das Wasser auf dem AKW-Gelände gelagert. Der Platz für Tanks wird knapp, außerdem wird er gebraucht, um das Brennmaterial zu lagern, mit dessen Bergung in etwa zwei Jahren begonnen werden soll.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hat berechnet, wenn das Wasser aus den Abwassertanks über zehn Jahre verteilt in das Meer abgegeben würde, entspräche dies einer Abgabe von etwa 90 Terabecquerel Tritium pro Jahr. Das wiederum entspricht ungefähr der jährlichen Ableitung von Tritium mit dem Abwasser aus allen deutschen Atomkraftwerken im Jahr 2016.

(anw)