AKW Fukushima: Tritium-Wasser soll ins Meer geleitet werden

Nach jahrelangen Untersuchungen und Debatten wird sich die japanische Regierung in Kürze wohl dafür entscheiden, kontaminiertes Wasser ins Meer zu leiten.

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Wassertanks auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi.

(Bild: Tepco)

Von
  • Andreas Wilkens

Wasser, das sich in dem vor zehn Jahren havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi angesammelt hat beziehungsweise zur Kühlung verwendet wurde, wird wohl bald ins Meer geleitet werden. Die japanische Regierung werde am Dienstag offiziell einen Plan dafür verabschieden, berichten japanische Medien, darunter die Nachrichtenagentur Kyodo, aus eingeweihten Kreisen.

Das AKW Fukushima Daiichi, in dem sich nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 Kernschmelzen ereigneten, benötigt zur Kühlung des geschmolzenen Brennstoffs weiterhin viel Wasser. Es wird zwar gereinigt und gefiltert, der Prozess kann aber kein Tritium entfernen, das als Nebenprodukt bei der Kernspaltung anfällt.

Derzeit wird das Wasser auf dem AKW-Gelände gelagert. Der Platz für Tanks wird knapp, außerdem werde er gebraucht, um das Brennmaterial zu lagern, mit dessen Bergung in etwa zwei Jahren begonnen werden soll, berichtet Kyodo.

Vor einem Jahr hatte eine Arbeitsgruppe der japanischen Regierung ein Entsorgungskonzept für das Tritium-Wasser erarbeitet, dabei ging es auch um Verdunstung. AKW-Betreiber Tepco entwarf daraufhin einen Plan, um das Wasser unter den gesetzlichen Grenzwert zu verdünnen, bevor es ins Meer geleitet wird.

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Eine Entscheidung über die Entsorgung des Wassers sollte eigentlich schon im vergangenen Herbst fallen, die japanische Regierung verschob sie aber wegen großen Diskussionsbedarfs. Bedenken hatten die örtliche Fischerei sowie auch Südkorea und China geäußert. Diese beiden Länder fordern von Japan, dass der Prozess der Wasserentsorgung sorgfältig und transparent vollzogen wird. China und Südkorea schränken die Einfuhr japanischer Agrar- und Fischereierzeugnisse seit der Atomkatastrophe ein.

Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) hatte voriges Jahr befunden, dass sowohl die Verdunstung als auch Einleitungen ins Meer technisch machbar seien. Die Methoden würden auch routinemäßig von Atomkraftwerken weltweit auf Grundlage behördlicher Genehmigungen und Sicherheits- und Umweltverträglichkeitsprüfungen angewendet.

In Fukushima Daiichi wird kontaminiertes Wasser durch das Verfahren Advanced Liquid Processing System (ALPS) behandelt. Damit werden Radionuklide entfernt und dann vor Ort gelagert. Die Gesamtlagerkapazität der Tanks betrug bis Ende 2020 etwa 1,37 Millionen Kubikmeter. Um den Sommer 2022 sollen sie nach IAEA-Schätzungen voll sein.

(anw)