AMD bringt RDNA2-Architektur in Workstation-Karten Radeon Pro W6000(M)

Nach Spieler- und Mobil-Grafikchips bringt AMD RDNA2-GPUs jetzt ins Profi-Segment: Die Radeon Pro W6800 und W6600 für Workstations, die W6600M für Notebooks.

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  • Carsten Spille

AMD bringt drei Workstation-Varianten der Radeon-6000-Reihe. Die beiden Workstation Karten Radeon Pro W6800 und Pro W6600 sollen 2250 respektive 649 US-Dollar kosten.

Die Radeon Pro W6800 entspricht von der technischen Basis her weitgehend der Spielergrafikkarte Radeon RX 6800. Anders als diese hat die Pro-Version mit 32 GByte doppelt so viel Grafikspeicher und kann ihn optional per Error Correction Code (ECC) schützen. Die Radeon Pro W6600 basiert auf der Navi23-GPU der Radeon RX 6600M und muss im Vergleich zur 6800 mit weniger leistungssteigerndem Infinity Cache pro Compute-Unit und Rasterendstufe auskommen. Von ihr gibt es entsprechend auch eine Mobilversion namens Radeon Pro W6600M.

Zur Radeon Pro W6800 lesen Sie einen kompletten Test in einer der kommenden Ausgabe von c't.

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Mit der Radeon Pro W6800 will AMD Nvidias älterer Quadro RTX 5000 auf Basis der 2018er-Turing-Architektur Konkurrenz machen und diese bei geringeren Kosten leistungsmäßig übertreffen. Da die RDNA2-Architektur erstmals für AMD-Grafikkarten über Raytracing-Hardware verfügt, können die neuen Radeon-Pro-Karten mit entsprechenden Updates auch diese Funktionen zum Beispiel in Rendering-Software wie Blender nutzen.

In der W6800 arbeiten 60 Compute Units (3840 Shader-Kerne) bei nominell bis zu 2300 MHz und erzeugen so eine Rechenleistung von 17,7 TFlops – in der Spitze liegen die Taktraten oft noch einmal höher. Wir sahen häufig Werte zwischen 2340 und 2400 MHz, die Spitze liegt bei 2554 MHz. Die PCIe-4.0-Karte hat mit 32 GByte einen für die meisten Anwendungen ausreichend dimensionierten Grafikspeicher, der über 128 MByte von AMDs Infinity Cache transparent angesprochen wird.

Die Karte steuert bis zu sechs 4K-Bildschirme über ihre Mini-DisplayPorts an, auch 8K-Darstellung ist möglich. Die Video-Engine kann bei geeigneter Software den Prozessor bei der Decodierung entlasten und unterstützt dafür auch moderne Codecs wie AV1. Die Dual-Slot-Karte mit Direct-Heat-Exhaust-Kühler benötigt bis zu 250 Watt und hat dafür je eine sechs- und achtpolige Buchse für den Anschluss ans Netzteil.

Die Radeon Pro W6800 steuert sechs 4K-Displays über Mini-DP-Anschlüsse an.

(Bild: c't)

[Update, 09.06.2021, 13:37 Uhr:] Die Spec-ViewPerf-Angaben unten sind aufgrund einer Formel-Verwechslung falsch – wir bitten um Verzeihung. Korrekt ist ein durchschnittlicher Geschwindigkeitszuwachs von 60 Prozent. Die Spanne reicht von +11 Prozent in creo-03 und +117 Prozent in energy-03. [/update]

In einem ersten Kurzdurchlauf auf einer Threadripper-Pro-Plattform mit einem Ryzen Threadripper Pro 3975WX war die Radeon Pro W6800 in der SPEC ViewPerf 2020 in Ultra-HD-Auflösung um Durchschnitt aller acht Tests rund 25 Prozent flotter als ihre Vorgängerin Radeon Pro W5700. Die Spanne reichte von nur +3 Prozent im Test energy-03 bis zu +40 Prozent in PTC Creo (creo-03).

AMD selbst zieht in seinen Begleitunterlagen nur einen Vergleich in der älteren SPEC ViewPerf 13 und sieht die Radeon Pro W6800 gerade im energy-02-Test weit vor der W5700.

Die Radeon Pro W6600 ist eine Single-Slot-Grafikkarte mit vier Full-Size-DisplayPorts und 8 GByte Speicher. Die DPs schaffen auch 5K-Bildschirme mit 60 Hz oder alternativ einen einzelnen 8K-Monitor. Ihre 28 Compute Units (1792 Shader-Rechenkernchen) schaffen bis zu 10,4 TFlops FP32-Durchsatz. Ob die Angaben angesichts einer sich rechnerisch ergebenden Taktrate von 2900 MHz korrekt sind, haben wir bei AMD angefragt. Die W6600 hat dieselben Chip-Fähigkeiten wie ihre größere Schwester, muss aber mit nur 32 MByte Inifinity Cache auskommen – das ist auf die geringere Anzahl an Speichercontrollern heruntergerechnet nur noch halb so viel wie bei der W6800.

Die Mobilvariante Radeon Pro W6600M wird ähnlich ausgestattet sein, wie die W6600 für Desktop-Workstations. Anstelle von bis zu 100 Watt spezifiziert AMD sie jedoch für einen TDP-Rahmen von 65 bis 90 Watt. Je nach Ausführung des Notebookherstellers kann sie bis zu fünf Displays anbinden. (csp)