AMD korrigiert Ryzen-7000-Angaben: Topmodelle dürfen 230 Watt saufen

Nach der verwirrenden Ryzen 7000-Ankündigung hat AMD mehr Details zu den Zen4-Prozessoren nachgereicht – so auch die maximale Leistungsaufnahme von 230 Watt.

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(Bild: MSI)

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  • Carsten Spille

Die Computex-Ankündigung der Ryzen-7000-Prozessoren sorgte für einige Verwirrung und Nachfragen. Unter anderem auch deshalb, weil AMD selbst auf Nachfrage hin schlicht fehlerhafte Angaben gemacht hatte.

Im Nachgang gab sich der Prozessorhersteller zerknirscht und korrigierte auf verschiedenen Kanälen und gegenüber unterschiedlichen Medien, darunter auch c`t, Details zu den für Herbst 2022 avisierten AM5-Prozessoren. Darüber hinaus gab es – vielleicht als kleine Wiedergutmachung – zusätzliche Details.

Der erste Punkt betrifft die angegebenen 170 Watt Leistungsaufnahme. Die beziehen sich tatsächlich auf die Thermal Design Power (TDP), also die nominell erlaubte Dauerleistungsaufnahme und nicht auf den höheren Wert zum Package Power Tracking (PTT). Das sind knapp 62 Prozent mehr als das entsprechende 105-Watt-Limit für die Vorgängerfassung AM4 – in der vorherigen Kommunikation wären es nur 20 Prozent Zuwachs gewesen (170 zu 142 Watt PPT). De facto durften jedoch schon die älteren CPUs mehr Saft aus der Fassung ziehen. Diesen Wert nennt AMD PPT und setzt ihn 35 Prozent über der TDP an – das gilt sowohl für AM4 als auch für AM5. Sofern die Kühlung stimmt und auch sonstige Limits wie Thermal und Electrical Design Current (TDC/EDC) nicht überschritten werden, darf dieser erhöhte Wert auch dauerhaft anliegen.

Vergleich TDP zu PPT bei AMD
Thermal Design Power (TDP) Package Power Tracking (PPT) Beispiel-CPUs
170 Watt 230 Watt -
105 Watt 142 Watt Ryzen 9 5950X, Ryzen 7 5800X
65 Watt 88 Watt Ryzen 7 5700X, Ryzen 5 5600

Der AM5 darf also bis zu 230 Watt für die CPU bereitstellen und liegt damit nahe an Intels derzeitiger, aber nur selten restriktiv gehandhabter 241-Watt-Grenze für den Core i9-12900K. AMD gibt an, dass mit der 170-Watt-Klasse mehr Spielraum für Prozessoren mit hoher Kernzahl geschaffen werden soll, es daneben aber auch weiterhin die bekannten Stufen mit TDPs von 65 und 105 Watt geben wird.

Dies haben wir in unserem ursprünglichen Artikel nachgereicht. Zum Launch wird es zunächst maximal den im Computex-Material genannten 16-Kern-Prozessor geben.

Ein weiterer Teil der Ankündigung nannte nebulös zusätzliche KI-Befehle. Wie die Website TechPowerup erfuhr, handelt es sich dabei tatsächlich im Großen und Ganzen um AVX512 VNNI (Vector Neural Network Instructions, bei Intels Cascade Lake und Ice Lake als "Deep Learning Boost" vermarktet) und das Bfloat16-Format, in das die Zen-4-Recheneinheiten nun zusätzliche Befehle bis hin zur maximalen Wortbreite packen, aber auch verschiedene Abkürzungen durch VNNI nutzen können.

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Zudem sollen auch die Chipsätze X670 und B650 das CPU-Overclocking ermöglichen – das war zunächst noch etwas nebulös geblieben. Die integrierte RDNA2-Grafik soll dieselben Compute Units sowie identische Video- und Display-Engines (VCN, DCN) wie die Desktop-Grafikkarten Radeon RX 6000 inklusive AV1-Decoding haben. Für Spiele, das gibt AMD zu bedenken, sind die Compute Units in den Desktop-Ryzen-Prozessoren aber etwas zu schwachbrüstig, weshalb AMD nicht die Bezeichnung APU verwendet. Vielmehr sollen sie für produktives Arbeiten oder den Media-Center-PC ausreichen. Spieletaugliche APUs mit stärkerer integrierter GPU sollen später folgen.

(csp)