AMD stellt die Radeon RX 6600 XT für 380 Euro gegen Nvidias GeForce RTX 3060

Dank der RDNA2-GPU Navi23 soll AMDs Radeon RX 6600 XT unter den günstigeren Raytracing-Grafikkarten die bessere Alternative zu Nvidias GeForce RTX 3060 sein.

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(Bild: AMD)

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  • Carsten Spille

AMD will der Spielerschaft mit Full-HD-Monitoren mit der Radeon RX 6600 XT eine Aufrüstoption für die GeForce GTX 1060 und Alternative zur GeForce RTX 3060 von Nvidia bieten. Die PCI-Express-4.0-Grafikkarte soll für rund 380 Euro ab dem 11. August von Herstellern wie Asrock, Asus, Biostart, Gigabyte, MSI, Powercolor, Sapphire, XFX und der hauptsächlich im asiatischen Raum aktiven Firma Yeston erhältlich sein, ein AMD-Referenzdesign wird es nicht geben.

Ob die Karte tatsächlich in ausreichenden Stückzahlen zu haben sein wird, sodass die Straßenpreise nicht noch weiter durch die Decke gehen, wird sich zeigen, billig sind auch 380 Euro jedenfalls nicht. AMD gibt jedenfalls an, die Karte sei wenig attraktiv für Krypto-Miner, da sie ein vergleichsweise schmales Speicherinterface hat, was die Mining-Leistung schmälert.

Die Kühler der bisher gezeigten Karten belegen mindestens zwei Slots, viele ragen zudem recht weit über die Länge der Karte selbst hinaus. Das ist höchstens für eine besonders leise Kühlung wirklich nötig, denn die Karte verbrät laut AMD-Startvorgabe circa 160 Watt und kommt mit einem 8-Pin-Anschluss vom Netzteil aus. Lediglich Asrock hat bereits ein kurzes Modell mit nur einem einzelnen Lüfter gezeigt. Ein zweites Asrock-Modell, Gigabyte und XFX setzen auf drei Axiallüfter, die restlichen Hersteller auf deren zwei.

Die RX 6600XT soll von mehreren Partnern und in OEM-Komplettsystemen ab dem 11. August verfügbar sein.

(Bild: AMD)

Die Karte bindet in der Regel bis zu vier Bildschirme an ihre DisplayPort-1.4- und HDMI-2.1-Ausgänge an. Maximal sind viermal 4K (3840 × 2160 Pixel) bei 120 Hertz oder 5K (5120 × 2888 Pixel) möglich, alternativ ist auch ein 8K-Monitor mit 60 Hz erlaubt – so macht es auch die Radeon Pro W6600 vor. Die GPU selbst verfügt über fünf Display-Engines.

Die Video-En- und -Decoder entsprechen denen der anderen RX-6000-Karten und entlasten den Prozessor beim Abspielen und Erstellen etwa von Videos im H.265-Format. Der moderne AV1-Codec wird immerhin für die Wiedergabe auf der Grafikkarte verarbeitet.

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Auf der Radeon RX 6600 XT sitzt der neue Navi-23-Chip, den AMD mit dem mobilen Ableger RX 6600M und der Pro W6600 vorgestellt hat. Auf der RX 6600 XT kommt er jedoch im Vollausbau mit allen 32 Compute Units zum Einsatz. Der typische Game-Takt liegt bei 2359 MHz und so erreicht die Karte eine Rechenleistung von 9,66 Billionen einfach-genauen Rechenschritte pro Sekunde (TFlops) – das ist das Niveau der Radeon RX 5700 XT aus der Vorgängergeneration.

Der Navi23-Grafikchip mit insgesamt 32 Compute-Units und 32 MByte Infinity-Cache ist das Herzstück der Radeon RX 6600 XT, RX 6600M und Radeon Pro W6600.

(Bild: AMD)

Die RX 6600 XT bekommt 8 GByte Grafikspeicher – andere Konfigurationen erlaubt AMD den Partnern derzeit nicht. Der GDDR6-Speicher ist mit 128 parallelen Datenleitungen an die GPU angebunden und überträgt 256 GByte/s. Das sind 43 Prozent weniger als bei der ähnlich rechenstarken RX 5700 XT. Damit die Karte dennoch ihre Leistung auf die Straße bringen kann, setzt AMD wie in den RX-6000-Schwestermodellen auch bei der RX 6600 XT einen großen Zwischenspeicher auf dem Chip ein.

Dieser sogenannte Infinity Cache fasst 32 MByte, ist allerdings auch unter Einrechnung der schmaleren Speicherschnittstelle pro Bit nur noch halb so groß wie der von RX 6700 XT (96 MByte bei 192 Bit) und RX 6800/6900 (128 MByte bei 256 Bit). Er ist mit rund 990 GByte/s fast viermal so schnell wie der Grafikspeicher.

Wie schon die Radeon Pro W6600 und ihre mobile Schwester, kommuniziert auch die RX 6600 XT nur über acht PCI-Express-4.0-Lanes mit dem Prozessor im PC, was in dieser Leistungsklasse aber auch bei kompetitiven E-Sport-Spielen kein Nachteil sein sollte.

[Update 10.08.2021: AMD hat mitgeteilt, dass der maximale Takt des Infinity Caches nicht wie zunächst angegeben 1,94 GHz, sondern 1,8 GHz beträgt. Wir haben die Transferrate in der Tabelle entsprechend von 993 auf 922 GByte/s korrigiert.]

Grafikkarte Radeon RX 6600 XT Radeon RX 6700 XT Radeon RX 6800 Radeon RX 6800 XT
Grafikchip Navi 23 Navi 22 Navi 21 Navi 21
Chipgröße / Transistoren 237 mm² / 11,06 Mrd. 336 mm² / 17,2 Mrd. 520 mm² / 26,8 Mrd. 520 mm² / 26,8 Mrd.
Compute Units / Shader-Kerne 32 / 2048 40 / 2560 60 / 3840 72 / 4608
Typ. Boosttakt in Spielen 2359 MHz 2424 MHz 1815 MHz 2015 MHz
Rechenleistung (FP32) 9,66 TFlops 12,41 TFlops 13,94 TFlops 18,57 TFlops
Textureinheiten / RT-Beschleuniger 128 / 32 160 / 40 240 / 60 288 / 72
Raster-Endstufen 64 64 96 128
Typische TDP 160 Watt 230 Watt 250 Watt 300 Watt
Speicher 8 GByte GDDR6 12 GByte GDDR6 16 GByte GDDR6 16 GByte GDDR6
Speicherinterface 128 Bit (256 GByte/s) 192 Bit (384 GByte/s) 256 Bit (512 GByte/s) 256 Bit (512 GByte/s)
Infinity Cache 32 MByte (922 GByte/s) 96 MByte (1490 GByte/s) 128 MByte (1987 GByte/s) 128 MByte (1987 GByte/s)
Preis UVP / Straße 379 Euro / n. v. 479 Euro / 790 Euro 549 Euro / 1050 Euro 649 Euro / 1170 Euro

Zur Vorstellung der Karte dürfen noch keine eigenen Leistungsmessungen veröffentlicht werden. AMD zeigt eigene Benchmarks der Radeon RX 6600 XT, die in Spielen wie "Forza Horizon 4", "Cyberpunk 2077", "Red Dead Redemption 2" und "Assassin's Creed Valhalla" in Full-HD-Auflösung zwischen 2,2 und 2,5 Mal so schnell sein soll wie die noch sehr verbreitete GeForce GTX 1060.

Gegenüber der Hauptkonkurrentin, Nvidias GeForce RTX 3060 mit 12 GByte Grafikspeicher, sieht AMD die RX 6600 XT im Schnitt von 10 aktuellen Spielen um rund 15 Prozent in Full-HD-Auflösung vorn; beide Karten erreichen dabei Bildraten von knapp 70 bis weit über 100 Bildern pro Sekunde.

Auch zur Konkurrenz aus eigenem Hause gibt AMD Vergleichswerte an. Die Radeon RX 5600 XT wird um 40 bis 70 Prozent überboten – letzteres in "Doom Eternal", ersteres in "Assassin's Creed Valhalla", "Forza Horizon 4" und "Borderlands 3".

(csp)