ARM: 30 Jahre Advanced Risc Machines

Apple überredete 1990 die britische Firma BBC Acorn Computers, die Prozessorentwicklung in ein Joint Venture auszukoppeln. Der Name: ARM.

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(Bild: ARM)

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  • Andreas Stiller
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Am Dienstag, dem 27. November 1990 gaben Apple, VLSI Technology und BBC Acorn Computer die Gründung eines Joint Ventures namens Advanced Risc Maschines ltd in Cambridge bekannt. Genauer gesagt lagen die Headquarters in einer wunderschönen historischen Scheune aus dem 18. Jahrhundert in einem Dorf namens Swaffham Bulbeck, ein paar Meilen östlich von Cambridge.

Apple übernahm nach damaligen Berichten mit 1,5 Millionen Pfund (3 Millionen Dollar) etwa 30 Prozent an der neuen Firma. Andere Quellen berichteten später von 43 Prozent, genauso groß wie der Anteil von BBC Acorn Computer. Die verbleibenden 14 Prozent sollen sich VLSI und Nippon Investment and Finance geteilt haben.

Die Aufgabe der Neugründung war die Weiterentwicklung und Vermarktung des von BBC Acorn eingebrachten ARM-Prozessors, der hinfort nicht mehr Acorn RISC Maschine, sondern Advanced RISC Maschine hieß.

Apples Vizepräsident Larry Tessler sagte damals, sein Unternehmen habe keine spezifischen Pläne, die ARM-Chips in seine Computer einzusetzen. Preiswerte Low-Power-RISC-Chips würden jedoch "exciting new products" in der Industrie kreieren. Apple betrachte sein erstes Engagement für eine Chipfirma eher als ein Investment in die Unterstützung von guter Technik als eine Quelle von zukünftigen Produkten.

Mit 120 Milliarden verkaufter ARM-Prozessoren kann keiner mithalten.

(Bild: ARM)

Nun, ganz so war's natürlich nicht, denn für neue Produkte wie den geplanten Newton Messagepad war Apple durchaus auf der Suche nach geeigneten Prozessoren. Es evaluierte den Hobbit von AT&T, war damit aber nicht so zufrieden. Es sollte dann noch nahezu drei Jahre dauern, bis Apple tatsächlich das erste Newton Messagepad 100 mit ARM-610-Prozessor vorstellte.

Die britische Firma BBC Acorn Computer, die zu der Zeit zu 80 Prozent zum italienischen Olivetti-Konzern gehörte, brachte weniger Pounds, sondern hauptsächlich "Naturalien" ein: Zwölf Ingenieure und eine wertvolle Prozessorarchitektur. Die "Eltern" dieser Architektur, Sophie Wilson und Stephen (Steve) Furber gehörten allerdings nicht dazu. Sophie Wilson blieb zunächst bei BBC Acorn, war dann auch CTO bei Eidos Interactive ("Lara Coft"). Aber als Beraterin stand sie dem Joint Venture weiterhin zur Seite.

Sie entwickelte dann später bei Broadcom den Firepath-Prozessor, der vor allem in DSL-Modems zum Einsatz kam. In der DSL-Abteilung von Broadcom (Avago) ist sie heute noch tätig. Sie empfing zahlreiche Ehrungen wie die Aufnahme in die Royal Society. Hinzu kam die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge (2016) und im vorigen Jahr der Orden "Commander of the British Empire Empire. Erst im Mai dieses Jahres hielt Dr. Wilson anlässlich der David Wheeler Lectures einen spannenden Online-Vortag zur Zukunft der Mikroprozessoren.

Dr. Stephen Furber nahm nach Acorn eine Professur an der Universität Manchester an, wo der 67-Jährige auch heute noch zu finden ist. Hier entwickelte er den Asynchron-Prozessor Amulette und arbeitete am SpiNNaker Projekt (Spiking Neural Network Architecture) in Manchester, das mit einer Million ARM-Prozessoren einen kleinen Teil des menschlichen Gehirns simulieren soll.

Und natürlich bekam auch er zahlreiche Auszeichnungen wie die Mitgliedschaft in der Royal Society und den Commander-Orden.

Die Geschichte, wie die Doktoren Wilson und Furber bei Acorn die ARM-Architektur entwickelten, können Sie in der "ARM-Story" aus c't 2002 nachlesen, die online verfügbar ist.