Abgasbetrug beim Diesel: Hyundai, Kia und BorgWarner unter Verdacht

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt, ob Hyundai, Kia und BorgWarner Abgaswerte in Dieselmotoren manipuliert haben. Es gibt einen Anfangsverdacht.

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Hyundai i30 2017 bis 2020

Im i30 bis Hyundai bis 2020 Dieselmotoren an. Inzwischen ist der Selbstzünder nur noch in zwei Modellen von Hyundai zu haben.

(Bild: Hyundai)

Von
  • Martin Franz

Knapp sieben Jahre liegt die Aufdeckung des Betrugs von Volkswagen inzwischen zurück. Die Manipulation von Abgasnachbehandlungen im Dieselmotor hat eine ganze Branche verändert, komplett aufgearbeitet ist sie bis heute nicht. Das liegt auch daran, dass der Schwindel bei vielen Autoherstellern noch über Jahre fortgesetzt wurde. Einem Anfangsverdacht auf eine illegale Abschalteinrichtung bei Hyundai und Kia geht derzeit die Frankfurter Staatsanwaltschaft nach.

Sie vermutet, dass bei rund 210.000 Dieselfahrzeugen von Kia und Hyundai bis in das Jahr 2020 hinein Abgaswerte mit einer Abschalteinrichtung manipuliert wurden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Abgasnachbehandlung unter Alltagsbedingungen vielfach nicht wie auf dem Prüfstand funktioniert. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte Räume bei Hyundai, Kia und BorgWarner.

Beteiligt waren rund 180 Ermittler in acht Standorten in Deutschland und Luxemburg. Koordiniert wurde die Aktion von der EU-Behörde Eurojust. Hyundai erklärte, mit den Behörden zu kooperieren zu wollen.

In der Vergangenheit setzten Hersteller auf eine Zykluserkennung, bei der das Steuergerät ein anderes Kennfeld nutzt, um die Abgaswerte innerhalb der jeweiligen Grenze der Abgasnorm zu halten. Im Fokus stand dabei Stickstoffdioxid (NOx), dessen Grenzwerte technisch auf drei Wegen reduziert werden. Eine Möglichkeit ist die Begrenzung der Temperatur im Brennraum – beispielsweise über eine Abgasrückführung. Weg zwei führt über einen Speicherkat, der zwar schon bei vergleichsweise niedrigen Abgastemperaturen arbeitet, dafür aber auch maximal nur die Menge NOx "entschärfen" kann, für die er ausgelegt ist. Die dritte und inzwischen auch am häufigsten eingesetzte Variante ist der SCR-Kat, bei dem die NOx-Menge im Rohabgas erfasst und mit einer definierten Menge Harnstoff unschädlich gemacht wird.

Bei allen drei Wegen gibt es Möglichkeiten zur Manipulation, die in der Vergangenheit auch schon beschritten wurden. Andererseits gibt es inzwischen Dieselmotoren, deren Abgasnachbehandlung so aufwendig ist, dass NOx kein Thema mehr ist. Das macht den Dieselmotor allerdings auch teuer. Deshalb ist der Selbstzünder inzwischen nicht nur in Kleinwagen auf dem Rückzug. Bei Hyundai bekommt man den Diesel noch in Tucson (Test) und Santa Fe (Test), in allen anderen Modellen ist er schon Geschichte. Bei Kia muss der Diesel-Interessent sich mittlerweile auf Ceed, Sportage und Sorento beschränken. Die Boom-Zeit des Selbstzünders ist vorbei, und Verdachtsfälle wie der aktuell bei Hyundai, Kia und BorgWarner werden sein Ende im Pkw weiter beschleunigen.

(mfz)