Abgenutztes Ventil im AKW Isar 2 - Regierung muss über Laufzeit entscheiden

Ein Druckventil im AKW Isar 2 muss noch im Oktober getauscht werden, soll das Kraftwerk 2023 noch funktionieren. Die Grüne Umweltministerin ist ungehalten.

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Luftbild des AKW Isar 2

Isar 2

(Bild: E.ON Kernkraft GmbH CC BY-SA 3.0)

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  • dpa

Wegen eines verschlissenen Druckventils im Atomkraftwerk Isar 2 spitzt sich die seit Monaten laufende Debatte um die Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke wieder zu. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) warf der bayerischen Staatsregierung vor, die Informationen über die "interne Leckage" nicht früher an den Bund weitergegeben zu haben.

"Es stellt sich auch die Frage, warum Minister Glauber, immerhin Chef der bayerischen Atomaufsicht, nicht auf das Problem hingewiesen hat. Das ist einfach unseriös", sagte die Grüne im Gespräch mit der dpa. Der Betreiber des AKW Isar 2, die Eon-Tochter Preussen Elektra, hat das Bundesumweltministerium vergangene Woche "über eine interne Ventilleckage" im AKW informiert. Die Sicherheit der Anlage sei dadurch nicht beeinträchtigt.

Das Kraftwerk könne auch bis zum geplanten Betriebsende am 31. Dezember weiterlaufen. Für einen Reservebetrieb über dieses Datum hinaus, wie er der Bundesregierung im Falle einer Stromversorgungsnotlage vorschwebe, sei jedoch bereits im Oktober eine Reparatur nötig. Ansonsten seien die derzeit eingebauten Brennelemente zu schwach, um den Meiler wieder hochzufahren.

Das hat Politiker und Verantwortliche in Berlin und München verwundert. Denn bisher hatte es geheißen, das Kraftwerk laufe bis zum Jahresende auf Volllast und könne somit auch im Bedarfsfall im Reservebetrieb bis Mitte April Strom liefern. Zweck einer Laufzeitverlängerung wäre, wahrscheinlich knappes, aber jedenfalls teures Erdgas für andere Zwecke als Stromerzeugung freizumachen. Eine Reparatur würde den Angaben zufolge mit einem einwöchigen Stillstand des AKW einhergehen.

Die Reparaturfrage erhöht den Druck auf die Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) müsse "jetzt endlich hopp oder top" zur Laufzeitverlängerung sagen, sagte Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Betreiber, Politik und Wirtschaft müssten wissen, wie es sofort und ab Januar weitergehe, betonte Aiwanger: "Wer sich mit den technischen Fragen ernsthaft beschäftigt, muss diesen Hilferuf des Betreibers nach Entscheidung jetzt endlich erhören."

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Auch der für die Atomaufsicht in Bayern zuständige Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) deutet die Reparaturentscheidung nicht als Frage der Sicherheit des 1988 erbauten Meilers, sondern nur als politische Weichenstellung: "Es braucht jetzt endlich eine Entscheidung des Bundes und keine weitere Taktiererei", sagte Glauber. Es zeige sich, dass die Idee einer Kaltreserve der Kraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim keine gute Lösung sei: "Ein Kernkraftwerk ist kein Notstromaggregat. Jetzt zeigt sich, welche Hürden diese Idee in sich trägt."

Kritiker der Kernkraft fordern dagegen die sofortige Abschaltung von Isar 2. Der Isar-2-Betreiber Preussen Elektra erläuterte auf dpa-Anfrage, dass die Leckagen "normalbetrieblich vorhanden und gewollt" seien. Es liege also "kein Schaden" im eigentlichen Sinne vor, versicherte eine Sprecherin. Zur Frage, wie hoch die Kosten für eine mögliche Reparatur seien und wer sie übernehmen soll, äußerte sich die Unternehmenssprecherin zunächst nicht.

(ds)