Absolut Medien: Kostenlos Stummfilme streamen in der Osterwoche

Auf Vimeo ist bis zum Ostermontag jeden Tag ein Klassiker der Stummfilm-Ära gratis abrufbar.

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Von
  • René Meyer

Seit Jahren veröffentlicht der Berliner Filmverlag Absolut Medien auch Stummfilme. Oft in Zusammenarbeit mit Museen, Kinematheken und Musikern; vielfach mit dem Fernsehsender Arte. Sie erscheinen auf DVD und Blu-ray und werden auf Amazon und Vimeo als Stream angeboten; in der Regel mit einem neu eingespielten Soundtrack.

Normalerweise fällt dafür eine Leihgebühr von 2,99 oder 3,99 Euro pro Film an; der Kauf ist etwas teurer. Doch in der aktuellen Osterwoche lässt der Anbieter Interessierte jeden Tag einen anderen Stummfilm gratis anschauen.

Damit alles seine Ordnung hat, sind die Filme nicht einfach so frei. Umgesetzt wird das Angebot über spezielle Links mit Rabattcode, die bereits in den Filmbeschreibungen auf Vimeo stehen. Um die jeweils einzulösen, ist ein Konto bei Vimeo nötig (alternativ kann man sich via Facebook, Google oder Apple einloggen), über das der Film mit 100 Prozent Rabatt bestellt und 24 Stunden lang angesehen werden kann.

Der komische Kintopp

Am heutigen Montag, dem 29. März 2021, gibt es "Der komische Kintopp"; 16 deutsche Komödien aus der Pionierzeit des Stummfilms, gedreht zwischen 1908 und 1919, mit Schauspielern wie Karl Valentin. Sie wurden von einem Filmhistoriker aus Archiven gesammelt, teilweise kurz vor der Zersetzung des Filmmaterials, und durch eine Stummfilm-Pianistin zusammen mit einem Salon-Orchester neu vertont. Die Filme ergeben eine Gesamtlänge von zweieinhalb Stunden.

Die Stadt der Millionen

"Die Stadt der Millionen" von 1925 wird am Dienstag angeboten. Der Dokumentarfilm über Berlin gilt als erstes abendfüllendes Stadtporträt aus Deutschland. Damals konnte man mit dem neuen Genre "Kulturfilm" noch nicht viel anfangen; und unter dem Schatten des wesentlich bekannteren Films "Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt" von 1928 geriet er ein wenig in Vergessenheit. Heute gibt das trickreich zusammengefügte Kleinod einen faszinierenden Blick auf eine selbstbewusste Stadt, die zwei Jahrzehnte später im Bombenhagel zerstört werden wird.

Der Mann mit der Kamera

Auch am Mittwoch wird ein Dokumentarfilm gezeigt: "Der Mann mit der Kamera" von 1929, die sowjetische Antwort auf den "Sinfonie"-Film. Er verfolgt den Tagesablauf einer sowjetischen Stadt, mit Aufnahmen aus Moskau, Odessa und Kiew.

Das Blumenwunder

Der Gründonnerstag zeigt "Das Blumenwunder", der das Wachstum und die Bewegungen von Pflanzen durch Zeitraffer-Aufnahmen sichtbar macht. Er entstand über einen Zeitraum von vier Jahren, 1922 bis 1925, und war eigentlich als Werbefilm der BASF gedacht. Am Ende wurden die Aufnahmen mit Tanzeinlagen zu einem Kinofilm ausgebaut.

True Heart Susie

Am Karfreitag ist "True Heart Susie" zu sehen, ein US-amerikanischer Spielfilm von 1919. Das auf den ersten Blick unscheinbare ländliche Drama wird von Kritikern als Meisterwerk von D. W. Griffith bezeichnet; einem der Väter von Hollywood und Mitgründer von United Artists.

Das alte Gesetz

"Das alte Gesetz", ein historisches Drama, thematisiert den Generationskonflikt zwischen einem Rabbiner und seinem Sohn, der Schauspieler werden will. Der Spielfilm von 1923 wird am Ostersamstag gezeigt.

Nanuk, der Eskimo

Der Ostersonntag zeigt einen der großen Klassiker des Stummfilms: "Nanuk, der Eskimo" von 1922. Der erste Spielfilm, der in der Arktis gedreht wurde, erzählt dokumentarisch aus dem rauen Leben eines Jägers. Bereits für eine der ersten Dokus, die je gedreht wurden, gab es Fälschungsvorwürfe. So hieß Nanuk gar nicht Nanuk; der Name wurde gewählt, um den Film besser vermarkten zu können; mit seiner Filmfrau war er nicht tatsächlich zusammen; und zu jener Zeit jagte man bereits mit Gewehren und nicht, wie im Film dargestellt, mit Harpunen.

Das Wachsfigurenkabinett

Die Reihe schließt am Ostermontag der Episodenfilm "Das Wachsfigurenkabinett", ein bekannter Vertreter des deutschen Expressionismus. Mit Emil Jannings (der den ersten Schauspieler-Oscar überhaupt erhielt und bis heute der einzige Deutsche ist, der ihn als bester Hauptdarsteller bekam) und nach einem Drehbuch von Henrik Galeen, von dem auch die Skripte von "Der Golem" und "Nosferatu" stammen.

(mho)