Accounts gesperrt und mehr: Twitter geht gegen Verschwörungstheorie QAnon vor

Twitter geht als erste Online-Plattform in großem Stil gegen die US-Verschwörungstheorie-Bewegung QAnon vor. Facebook und andere wollen wohl nachziehen.

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(Bild: Wachiwit/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Als erstes großes soziales Netzwerk will Twitter gegen die bizarre Verschwörungstheorie QAnon vorgehen und hat mehrere Maßnahmen angekündigt. Accounts, die darüber twittern, sollen dauerhaft gesperrt werden, wenn sie gegen die Vorgaben zu Mehrfachaccounts verstoßen, frühere Suspendierungen zu umgehen versuchen oder Individuen attackierten.

Außerdem sollten Inhalte zu dem Themenkomplex nicht mehr in den Trends auftauchen, beziehungsweise in der Suche und in Konversationen hervorgehoben werden. URLs mit Bezug der Verschwörungstheorie sollen geblockt werden.

Die Verschwörungstheorie QAnon beruht auf einer angeblichen Person oder Personengruppe, die als "Q" behauptet, auf Geheimnisse rund um einen angeblich geplanten Staatsstreich gegen US-Präsident Donald Trump Zugriff zu haben. Dagegen wird demnach aber ein Gegenschlag vorbereitet, der eigentlich immer direkt bevorsteht und in kodierten Nachrichten erläutert wird, die "Q" exklusiv auf 4chan und dann auf 8chan veröffentlichte. Vor allem die enge Verbindung zu dem berüchtigten Imageboard, das 2019 lange offline war und so auch "Q" verstummen ließ, haben zu Spekulationen geführt, dass 8chan-Betreiber Jim Watkins etwas mit der Verbreitung zu tun hat.

Mit haltlosen Vorwürfen zu Kindesmisshandlungen durch Vertreter der Demokratischen Partei knüpft die Verschwörungstheorie an jene namens "Pizzagate" an, die 2016 im US-Präsidentschaftswahlkampf für Aufsehen sorgte. Damals war unter anderem ein bewaffneter Mann in eine Pizzeria in Washington eingedrungen, nachdem er im Internet gelesen hatte, dass diese als Tarnung für ein von Hillary Clinton und anderen Demokraten betriebenes Pädophilen-Netzwerk dienen solle.

Als die US-Bundespolizei FBI vergangenes Jahr abseitige Verschwörungstheorien erstmals als inländische terroristische Bedrohung einstufte, wurde dabei auch explizit QAnon erwähnt. Während die Verschwörungstheorie in den USA bereits mehrfach mit Gewalttaten in Verbindung gebracht wurde, dringt sie aber aktuell auch immer mehr in die Republikanische Partei Donald Trumps vor. Mehrere Anhänger der Theorie wurden zuletzt zu Kandidaten der Partei bei den anstehenden Wahlen ausgewählt. Auch in Deutschland breitet sich die Verschwörungstheorie aktuell aus.

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Zuletzt hatte auch Facebook mehrere Accounts und Seiten entfernt, die mit der Verbreitung der Verschwörungstheorie in Verbindung gebracht werden. Der US-Konzern will nun ähnliche Schritte wie Twitter unternehmen, kündigten zwei Mitarbeiter der New York Times an. Die Schritte würden mit anderen Netzwerken koordiniert und sollen im kommenden Monat öffentlich vorgestellt werden. Twitter hatte der Zeitung gegenüber erklärt, dass mehr als 7000 Accounts, die QAnon zugerechnet werden, dauerhaft gesperrt und die Verbreitung der Inhalte von rund 150 000 weiteren Profilen eingeschränkt würde.

(mho)