Ägypten: Zwei Jahre Haft für TikTok-Videos wegen Moralverstößen

Ein Gericht in Ägypten hat mehrere Personen für Verletzungen von "Familienwerten" verurteilt. Betroffen sind TikTok-Promis.

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Screenshot eines der beiden TikTok-Accounts

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In Ägypten sind erstmals zwei junge Frauen für Beiträge auf der Video-App TikTok zu Gefängnisstrafen verurteilt worden – sie sollen "familiäre Werte verletzt" haben. Wie das ägyptische Nachrichtenportal Mada Masr berichtet, wurden außerdem zwei Mitarbeiter einer ähnlichen Video-App und ein ebenfalls ungenannter Dritter verurteilt. Bei den beiden Influencerinnen handelt es sich demnach um Haneen Hossam und Mowada al-Adham. Sie müssen zwei Jahre ins Gefängnis und sollen jeweils Strafen von umgerechnet rund 16.000 Euro bezahlen, wollen aber Berufung einlegen. Weitere ähnliche Urteile stehen demnach noch bevor.

Wie Mada Masr erklärt, hatte es in jüngster Zeit mehrere Festnahmen von Social-Media-Stars in Ägypten gegeben, zumeist habe es sich um Frauen gehandelt, die auf TikTok erfolgreich sind. Die ägyptische Führung übt seit Längerem erheblichen Druck auf Angebote im Internet aus;während TikTok anderswo wegen seiner chinesischen Herkunft in den Fokus gerät, geht es in dem Land am Nil vor allem um den Einfluss auf die Nutzer, ergänzt die New York Times. Strafverfolger berufen sich dabei auf ein Gesetz gegen Cyberkriminalität und behaupten, für die Moral einzutreten, während Kritiker das Gesetz als viel zu ungenau bezeichnen.

Die beiden Frauen wurden den Berichten zufolge nun für die Verbreitung "provokativer Bilder" beziehungsweise des Aufrufs zu unmoralischen Taten für schuldig befunden. Die Kanäle der beiden zeigen jedoch nichts Außergewöhnliches, Hossam ist sogar zumeist mit Kopftuch zu sehen. Was die beiden aber mit den anderen Angeklagten gemeinsam haben, ist den Berichten zufolge ihre Herkunft aus eher ärmeren Verhältnissen beziehungsweise der Mittelschicht.

Ganz anders seien dagegen Frauen behandelt worden, die vor wenigen Tagen auf Instagram Missbrauchsvorwürfe gegen einen Studenten öffentlich gemacht und Ägypten einen #MeToo-Moment beschert hatten. Die seien aus reicheren und mächtigeren Familien gekommen und hätten viel Unterstützung erfahren.

(mho)