Afghanistan: Taliban werfen Facebook Behinderung der Redefreiheit vor​

Ein Sprecher der islamistischen Miliz beschuldigt Facebook, mit einem Plattformverbot das Recht der Taliban auf freie Meinungsäußerung zu verletzen.​

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Erste Pressekonferenz der Taliban im Regierungszentrum in Kabul.

Erste Pressekonferenz der Taliban im Regierungszentrum in Kabul.

(Bild: Screenshot Al Jazeera)

Von
  • Stefan Krempl

Die Taliban werfen Facebook vor, mit einem Plattformverbot das Recht der Islamisten auf freie Meinungsäußerung zu verletzen. Durch das Verbot der Taliban auf den Plattformen Facebook, Instagram und Whatsapp beschränke das US-Unternehmen die Meinungsfreiheit der Taliban, sagte ein Sprecher am Dienstag bei der ersten Pressekonferenz der islamistischen Gruppe nach der widerstandslosen Übernahme der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Das Social-Media-Unternehmen hatte noch am Montag Konten der Islamisten gelöscht. Der Taliban-Sprecher appellierte an Journalisten, die Verantwortlichen dort zu fragen, warum die Taliban auch nach der Machtübernahme als neue Regierungskraft in Afghanistan auf den Plattformen des Unternehmens keine Beiträge verfassen dürften. Die Taliban sind bisher selbst nicht dafür bekannt, westliche Werte wie die Rede- und Meinungsfreiheit zu achten. Der Sprecher deutete nun aber an, dass die Gruppe die Rechte von Frauen "innerhalb der Grenzen des Islam" und des Normenkanons der Scharia respektieren würde.

Ein Facebook-Sprecher wollte die Kritik nicht direkt kommentieren, verwies aber auf eine allgemeine Erklärung des Konzerns. "Die Taliban werden nach US-Recht als terroristische Organisation eingestuft und sind gemäß unserer Richtlinien für gefährliche Organisationen von unseren Diensten ausgeschlossen", heißt es darin. Der WhatsApp-Bann hatte zuvor aber nicht durchgängig funktioniert.

Die Entscheidung, welche Inhalte man lösche, wird laut der Erläuterung von einem "engagierten Team von Afghanistan-Experten getroffen". Diese sprächen Dari und Paschtu als Muttersprache, verfügten über Kenntnisse des lokalen Kontextes und verfolgten die aktuellen Entwicklungen genau. Facebook treffe momentan im Alleingang "keine Entscheidungen über die anerkannte Regierung eines bestimmten Landes", sondern respektiere dabei "die Autorität der internationalen Gemeinschaft".

Das von Reportern stark genutzte Twitter sperrt dagegen bislang keine Konten führender Taliban-Figuren. Zabihullah Mudschahid und ein weiterer Sprecher, Suhail Shaheen, sind dort aktiv und wurden daraufhin teils auch bereits von Sendern wie BBC und CNN interviewt. Sie haben zusammen mehr als 650.000 Follower in dem sozialen Netzwerk. Ein Twitter-Sprecher erklärte gegenüber CNN, dass das Unternehmen "wachsam bleiben" werde, um ein Verbot bestimmter gewaltverherrlichender Inhalte durchzusetzen.

(vbr)