Akademy 2020: Neue Wege für KDE?

Die KDE-Community diskutierte auf der Konferenz Akademy 2020 über die Zukunft der KDE-Desktopumgebung. Entwickler Nate Graham schlägt eine Neuausrichtung vor.

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(Bild: KDE Slimbook)

Von
  • Niklas Dierking

Der KDE-Entwickler Nate Graham wirbt auf der Akademy 2020 für seine Idee, eine offizielle KDE-Distribution zu entwickeln. Laut seinem Vortrag "Visions of the Future" sei das langfristige Ziel auf diesem Weg Verträge mit Hardware-Herstellern zu schließen und so ein potenzielles “KDE-OS” direkt an Endnutzer auszuliefern. Dafür soll ein Hardware-Zertifizierungsprogramm geschaffen und ein Team von Entwicklern fest angestellt werden.

Zwar gibt es mit KDE Neon bereits ein eigenes Betriebssystem. Laut Graham sei dieses jedoch nie als offizielle KDE-Distribution positioniert worden, um wichtige Partner nicht zu verprellen, die KDE in ihren Distributionen zur Verfügung stellen. Die Kombination der Basis von Ubuntu 20.04 LTS und der fortlaufenden Aktualisierung der KDE-Software-Suite ist nach Graham außerdem ein unglücklicher Spagat. Enttäuscht davon seien sowohl Nutzer, die auf ein möglichst stabiles System angewiesen sind, als auch diejenigen, die all ihre Software auf dem aktuellsten Stand halten wollen.

Graham fordert ein klares Bekenntnis zu Neon. Er betont aber, dass ein potenzielles KDE OS einige Anforderungen mit sich bringe, die Neon zur Zeit nicht erfülle. Die Hardware-Kompatibilität soll ein frischer Linux-Kernel gewährleisten. Um die Aktualität der Software außerhalb der KDE-Suite zu garantieren bringt Graham Snap oder Flatpak ins Gespräch. Die distributionsunabhängige Paketierung biete auch die Option, sich gegen KDE Neon als Startpunkt für ein KDE OS zu entscheiden und stattdessen die Partnerschaft mit Fedora Silverlight oder openSUSE zu vertiefen.

Zur Förderung der Kooperation zwischen KDE und OEMs soll ein Hardware-Zertifizierungsprogramm geschaffen werden. Damit hätten die Hersteller nach Graham einen direkten Feedback-Kanal zum KDE-Entwicklungsteam für mögliche Anpassungen. Institutionen und Unternehmen könnten sich mit dem Kauf zertifizierter Hardware absichern und Nutzer hätten größeres Vertrauen KDE OS auf ihren eigenen Geräten zu installieren. In Grahams Vorstellung könne die Qualitätssicherung zu einem Teil vom KDE-Projekt selbst übernommen werden -- wenn Hardware zur Verfügung gestellt wird -- und zum anderen Teil nach dem Vorbild des Arch Hardware-Wiki durch die Community erfolgen.

Um den Entwicklungsaufwand bewältigen zu können schlägt Graham vor, dass der KDE e.V. finanzielle Ressourcen bereitstellt, um Entwickler zu beschäftigen, die sich vorrangig aus der Community rekrutieren sollen. Dies widerspreche nicht dem gängigen Modell. Auch jetzt schon werden Entwickler bezahlt, um an KDE-Software zu arbeiten, allerdings nicht von KDE selbst. Dies übernehmen Organisationen wie die Krita Foundation, die sich rund um den Plasma-Desktop gebildet haben.

In der Diskussion im Anschluss an den Vortrag wurde offensichtlich, dass bei solch einem ambitionierten Vorhaben noch viele Fragen offen sind. Anstatt ein eigenes KDE OS auf die Beine zu stellen, gäbe es auch Alternativen, die gewünschte Referenz-Implementierung von KDE zu erreichen. Möglich wäre es, verstärkt zu bestehenden Distributionen beizutragen oder Hardware-Hersteller, die Linux anbieten, davon zu überzeugt, den Plasma-Desktop standardmäßig auszuliefern. Nischen-Anbieter wie Slimbook oder Tuxedo haben auch Modelle mit KDE Plasma im Angebot, während große Hersteller wie Dell und Lenovo bei ihren Linux-Modellen auf Gnome und den Ubuntu-Desktop setzen. Den Vortrag von Nate Graham kann man, wie alle Vorträge der Akademy 2020, auf dem Youtube-Kanal der KDE-Community nachschauen.

(wid)