Aktien von United Internet und Drillisch nach Telefónica-Streit abgestürzt

Die Aktienwerte von United Internet und dessen Mobilfunktochter Drillisch sind um fast 30 Prozent gefallen. Der Streit mit Telefónica belastet die Unternehmen.

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Die Zentrale der United Internet AG in Montabaur.

(Bild: United Internet AG)

Von
  • Oliver Bünte

Der Internet- und Telekommunikationskonzern United Internet und dessen Mobilfunktochter 1&1 Drillisch haben am Montagmorgen jeweils einen Absturz ihrer Aktienwerte im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen müssen. Aufgrund höherer Preisforderungen zur Nutzung des Telefonnetzes von Telefónica Deutschland hatte United Internet ihre Prognose am Samstag deutlich gesenkt, was einige Aktionäre die Papiere der Unternehmen abstoßen ließen. Eine Erholung beider Aktien ist derzeit nicht in Sicht. Analysten gehen von einem langfristigen Schaden aus.

Am Samstag teilte United Internet mit, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBIDA) deutlich schmaler als gedacht ausfallen werde. Der Konzern stellte statt 1,266 Milliarden Euro, einem Gewinn auf Vorjahreshöhe, nun nur noch einen Gewinn von 1,18 Milliarden Euro in Aussicht. Als Grund für den Rückgang hatte der MDax notierte Konzern die hohen Vorleistungsforderungen von Telefónica Deutschland für Mobilfunkkapazitäten genannt. Nach Ansicht von United Internet seien die von Telefónica für Juli und August in Rechnung gestellten Preise unangemessen hoch ausgefallen. "1&1 Drillisch hält die von Telefónica ab 1. Juli 2020 geforderten Vorleistungspreise für nicht in Übereinstimmung mit den Selbstverpflichtungen von Telefónica unter der Freigabeentscheidung der EU-Kommission zum Zusammenschluss mit E-Plus", heißt es in einer Ad-Hoc-Mitteilung von United Internet.

Telefónica Deutschland und 1&1 Drillisch verhandeln momentan über Preise für die Bereitstellung von Mobilfunkkapazitäten. Telefónica ist dazu verpflichtet, diese bereitzustellen, da dies eine Voraussetzung für die Genehmigung der Fusion mit E-Plus war. United Internet ließ verlauten, dass es "in den Folgejahren zu hohen Ergebnisrückgängen kommen" werde, "sollten die von Telefonica geforderten Preise dauerhaft anwendbar sein".

Analysten gehen davon aus, dass der Preisstreit ein unkalkulierbares Risiko berge, was einen Gewinnrückgang über Jahre hinweg bedeuten könnte. Aktionäre von United Internet und dem TecDax notierten Drillisch reagierten umgehend. Beide Papiere sanken am Montagmorgen nach Börsenöffung deutlich ab und erholten sich zunächst nicht. Am Montagnachmittag war die Aktie von United Internet um 26,74 Prozent auf 29,75 abgesackt. Die Mobilfunktochter Drillisch traf es mit ähnlicher Wucht: Die Aktie sank um 27,15 Prozent auf nunmehr 17,71 Euro.

(olb)