Alexa, AWS & Co.: US-Polizei verlangt deutlich mehr Daten

US-Ermittler haben bei Amazon im ersten Halbjahr rund ein Viertel mehr rechtliche Ersuchen nach Nutzerdaten gestellt als in der Vergleichsperiode 2019.

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(Bild: Maksim Kabakou/Shutterstock.com)

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Strafverfolger auf Bundes-, Staaten- und Kommunalebene wollen in den USA immer mehr Informationen über Kunden von Amazon einholen. In den ersten sechs Monaten 2020 stieg die Zahl der an den Konzern gerichteten einschlägigen rechtlichen Anordnungen und Durchsuchungsbefehle um 23 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019, die anderer gerichtlicher Erlasse sogar um 29 Prozent. Es ging dabei jeweils um Daten, die Amazon über die eigenen Angebote zum Online-Shopping, die smarten Echo-Lautsprecher mit dem Sprachassistenten Alexa sowie die Tablets Kindle und Fire gesammelt hat.

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Im Einzelnen erhielt der E-Commerce-Riese im ersten Halbjahr 2416 rechtliche Anordnungen, denen er zu 70 Prozent ganz oder teilweise nachkam. Ermittler klopften bei dem Unternehmen zudem mit 543 richterlich genehmigten Durchsuchungsbefehlen an, die Amazon in 79 Prozent der Fälle befolgte. Dazu kamen 146 sonstige Gerichtsanordnungen, bei denen die Lieferquote auf Unternehmensseite bei 74 Prozent lag.

An die Cloudsparte AWS gingen zudem insgesamt 344 rechtliche Auskunftsersuchen, während es im ersten Halbjahr 2019 nur 270 waren. Für beide Bereiche weist Amazon in dem aktuellen, am Freitag veröffentlichten Bericht zudem "0 bis 249" erhaltene "National Security Letter" aus. Dabei handelt es sich um meist sehr weitgehende Datenabfragen durch das FBI auf Basis des Spionagegesetzes Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA). Betroffene dürfen von Rechts wegen hier nur Angaben innerhalb einer weiten Spannbreite machen. An diesem Punkt gibt es keine Änderungen zur Vergleichsperiode ein Jahr früher.

Im zweiten Halbjahr 2019 lag die Zahl der Anfragen insgesamt sogar noch niedriger als in den sechs Monaten davor. Wie sich der Anstieg im ersten Halbjahr 2020 erklärt, erläutert der Konzern nicht. Deutlich gesunken sind dagegen die Ersuchen aus dem Ausland: während es zwischen Januar und Juni 2019 noch 279 für alle Sparten waren, gingen in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr nur noch 195 ein. Daten rückte Amazon hier nur in 22 Fällen ganz oder teilweise heraus. Im ersten Halbjahr 2019 war die Rechtsabteilung sogar bloß zwei internationalen Ersuchen nachgekommen, diesen aber zumindest komplett.

Für das Geschäft mit den kamerabestückten und WLAN-fähigen Türklingeln der Marke Ring gibt das Unternehmen nach wie vor überhaupt keine Zahlen zu polizeilichen Anfragen nach Nutzerdaten heraus. Amazon steht hier in der Kritik wegen schlechter Sicherheitspraktiken und direkten Kooperationen mit Strafverfolgungsbehörden.

Allgemein betont der Konzern: "Wir haben wiederholt staatliche Forderungen nach Kundeninformationen angefochten, die wir für überzogen hielten." Man habe vor Gericht auch wiederholt Beschlüsse erfochten, die dazu beigetragen haben, die rechtlichen Standards für den Schutz der Meinungsfreiheit und die Privatsphäre aufgestellt haben.

"Wir setzen uns im Kongress auch dafür ein, veraltete Datenschutzgesetze zu modernisieren, um die Strafverfolgungsbehörden zu verpflichten, einen Durchsuchungsbefehl von einem Gericht zu erwirken", heißt es weiter. In der Regel gebe man nur auf dieser Basis Kommunikationsinhalte preis. Amazon unterstreicht: "Für AWS-Kunden bieten wir starke Verschlüsselung als eine von vielen Standard-Sicherheitsfunktionen an." Ferner bestehe die Möglichkeit, die dazu benötigten eigenen Schlüssel in Eigenregie zu verwalten.

(bme)