Alles flexibel: Neue Techniken für bessere Displays

Effizientere OLED-Displays, falt- und rollbare Panels sowie Mikro-­LED-Anzeigen: Einige der aktuellen Neuentwicklungen sollen schon 2021 auf den Markt kommen.

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(Bild: Schott)

Von
  • Ulrike Kuhlmann

Flexible Displays gehörten zu den beliebtesten Objekten der diesjährigen Display Week. Das ausrollbare OLED-TV 65RX9LA von LG wurde von der Society for Information Display (SID) zum Display des Jahres gekürt. Ein LCD-TV von TCL mit Mini-LEDs und Quantenpunkten im Backlight, das zu den ersten Geräten dieser Art zählte, wurde ebenfalls prämiert. Als beste Displayanwendungen zeichnete die SID die hochauflösende VR-Brille Quest 2 von Oculus und Lenovos ThinkPad X1 Fold mit faltbarem Doppeldisplay aus.

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Die Besucher, die in diesem Jahr nur virtuell anwesend sein konnten, favorisierten Objekte von Samsung und vom chinesischen Displayhersteller BOE. Samsung erhielt den Publikumspreis für sein in S-Form zusammenfaltbares organisches Mobildisplay und BOE für ein helles Mini-LED-Display mit einem Pixelraster von nur 0,9 Millimetern.

Beide Hersteller präsentierten zudem erweiterbare OLEDs, sogenannte Slideables, wobei sich das Hauptdisplay jeweils um einige Zentimeter seitlich aufschieben ließ. Das komplett aus einem dicken Stift ausrollbare Display blieb dagegen eine Computeranimation von Samsung. Samsung nutzt für seine flexiblen Mobildisplays ultradünne Gläser von Schott, die ebenfalls von der SID prämiert wurden.

Größter Konkurrent für organische Displays ist die LCD-Technik – obgleich diese schon häufiger zum Auslaufmodell erklärt wurde. Nun sollen Mini-LEDs im Backlight der Spitzenhelligkeit und dem Kontrast von LCDs auf die Sprünge helfen. Prominentes Beispiel für ein Flüssigkristalldisplay mit zigtausend LEDs im Backlight ist Apples brandneues iPad Pro; es besitzt über 10.000 Dioden in 2596 dimmbaren Zonen.

Mini-LEDs sind indes nur ein Meilenstein auf dem Weg zum echten LED-Display, bei dem jede Diode ein Pixel darstellt. Diese Mikro-LED-Technik krankt jedoch an den erheblichen Kosten, die insbesondere durch den Transfer der winzigen Dioden auf die größeren Substrate für TVs, Monitore oder auch Smartphones entstehen. Da der zeitaufwendige Transfer stets Defekte verursacht, muss anschließend repariert werden – ein weiterer Kostenfaktor. Auf der Konferenz wurde gezeigt, wie sich durch redundant ausgelegte Strukturen der Austausch von defekten LEDs umgehen ließe. Allerdings stehen dem Verfahren höhere Produktionskosten durch noch mehr LEDs pro Substrat entgegen. Preiswerter sind Mikro-LEDs für AR- und VR-Brillen, denn hier lässt sich der Chip mit den darauf sitzenden Dioden direkt als Display nutzen, der LED-Transfer kann entfallen.

Samsung setzt bei seinen LCD-TVs seit Langem auf Quantenpunkte. Auch bei seiner kommenden Displaytechnik, den QD-OLEDs, will der koreanische Displayspezialist die Nanopartikel nutzen. Allerdings wurde der Fahrplan für die Displays aus blau leuchtender organischer Schicht mit farbkonvertierenden Quantenpunkten erneut verschoben; in der zweiten Jahreshälfte 2021 soll es nun losgehen. Zusätzlich arbeitet Samsung an sogenannten Quantum Nano Emitting Diodes, kurz QNEDs. Die Halbleiterdioden aus Galliumnitrid sollen die blau leuchtende organische Schicht der QD-OLEDs ersetzen. Die LEDs werden dazu vom Wafer separiert, in einer Flüssigkeit verteilt und auf das Oxide-TFT-Substrat gedruckt; das Verfahren befindet sich ebenfalls noch in der Entwicklung.

Unabhängig von allen technischen Varianten verkauften sich Displays während der Pandemie wie geschnitten Brot. So zog der Absatz 2020 erstmals seit zwei Jahren wieder an, im laufenden Jahr wird sich das Umsatzplus nach Einschätzung der Analysten von DSCC auf 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr einpendeln.

Fernseher werden seit Jahren in immer größeren Diagonalen gekauft, die größten findet man in den USA und China, aber auch Westeuropa liegt über dem Schnitt.

(Bild: Omdia)

Obgleich auf Fernseher 70 Prozent der weltweit produzierten Displayfläche entfällt, waren die Gewinner bei anderen Geräten zu finden: Der Umsatz mit IT-Displays in Notebooks, Monitoren und Tablets stieg 2020 um 23 Prozent, 2021 sollen es sogar 40 Prozent werden. Trotz hoher Gerätepreise und wenig Angeboten wurden – und werden – aber auch viele Fernseher gekauft.

Mit den Preisen zogen auch die TV-Diagonalen an, inzwischen beträgt die mittlere Größe der weltweit verkauften Fernseher 46,5 Zoll, also 1,18 Meter. In Westeuropa lag sie 2020 mit 1,20 Meter Diagonale etwas darüber. Die TV-Preise bleiben nach Einschätzung von Analysten noch bis in den Herbst hoch. Das ist aber anders als im vergangenen Jahr nicht der Panelknappheit geschuldet, sondern den Lieferengpässen bei anderen TV-Komponenten – fehlende Chips bremsen die TV-Produktion aktuell aus.

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(uk)