Alpha Global: Google-Gewerkschaft sucht internationale Verstärkung

Die Alphabet Workers Union bildet mit 13 Gewerkschaften aus zehn Ländern eine internationale Allianz – ver.di ist auch dabei.

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Wegen Ansteckungsgefahr empfiehlt Google auch seinen Mitarbeitern in Deutschland, lieber von zu Hause aus zu arbeiten.

(Bild: dpa, Sebastian Gollnow/dpa)

Von
  • Wolfgang Stieler

„Gemeinsam werden wir Alphabet verändern“. So lautet der erste Satz einer Pressemitteilung, mit der die kürzlich gegründete „Google-Gewerkschaft“ “Alphabet Workers Union“ die Gewerkschaftsallianz Alpha Global verkündet. Zu ihr hat sich die Alphabet Workers Union mit 13 Gewerkschaften aus zehn Ländern, darunter aus den USA, aus Großbritannien und der Schweiz, zusammengeschlossen.

„Wir stellen für Beschäftigte in dem Welt-Konzern eine starke Plattform der Solidarität bereit“, sagte Christoph Schmitz, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. Die Dienstleistungsgewerkschaft unterstützt das Bündnis in Deutschland. „ver.di ist mit den Erfahrungen aus IT-, Tech- und Medien-Unternehmen insbesondere für Alphabet-Beschäftigte in Deutschland die gewerkschaftliche Anlaufstelle, und wir werden auch hier vertrauensvoll die Bildung von Betriebsräten unterstützen.“

In Deutschland sind etwa 4000 Menschen bei der Google-Holding Alphabet beschäftigt. „Genaue Zahlen haben wir allerdings nicht“, sagt Christine Muhr von ver.di, denn der Konzern sei „sehr intransparent“. Diverse Beschäftigte würden zwar in Deutschland arbeiten, „die sind dann aber Google Irland zugeordnet oder direkt einem US-Team“, sagt Muhr. Dazu kämen Zeitverträge, und Arbeiten von externen Dienstleistern. „Wir haben hier eindeutig Probleme mit Ungleichbehandlungen auf Grund von unterschiedlichen Verträgen“.

Obwohl das Ziel der Allianz die Bekämpfung von „Ungleichheit und Diskriminierung“ am Arbeitsplatz ist, und auch die Gründung eines deutschen und eines europäischen Betriebsrates einschließt, gehen die Ziele des Bündnisses jedoch über klassische gewerkschaftliche Arbeit hinaus. „Arbeiter haben Google dazu gezwungen, KI-Prinzipien (für die „ethische Verwendung von KI) aufzustellen. Arbeiter haben das Unternehmen dazu gebracht, die Zwangsschlichtung einzustellen, die allzu oft dazu dient, sexuelle Belästigung und andere Missbräuche zu vertuschen. Arbeiter fordern, dass das Unternehmen aufhört, die Strafverfolgungsbehörden mit Überwachungstechnologie zu bewaffnen, die unethisch gegen Black Lives Matter-Aktivisten eingesetzt wird“, heißt es in der Erklärung.

Es gehe nun darum, Strukturen zu etablieren, die „ein strukturelles Gegengewicht zur Konzernmacht“ schaffen, und „eine Bewegung von Tech-Arbeitern in der gesamten Branche aufzubauen.“ Der Fall Timnit Gebru zeigt allerdings, wie schwierig die Auseinandersetzung werden könnte. Denn Google hatte Gebru offiziell lediglich dazu gedrängt, ein kritisches Paper nicht zu veröffentlichen - Kritiker des Konzerns vermuteten jedoch, es sei dem Unternehmen darum von Anfang an darum gegangen, eine kritische Stimme los zu werden. Aktuell läuft nun auch eine Untersuchung gegen die KI-Ethikerin Margret Mitchell, die in Googles Datenbeständen nach Belegen für eine Diskriminierung von Gebru gesucht haben soll,sund deswegen suspendiert worden ist.

Um solche Auseinandersetzungen über die Entwicklung und Verwendung von Technologien von der Ebene der individuellen Verantwortung des Einzelnen wegzubekommen, dürfte auf die Dauer nur politischer Druck helfen. „Alphabet hat sein Bekenntnis "Don't be evil" längst aufgegeben, aber wir nicht“, heißt es in der Erklärung. „Gemeinsam werden wir Alphabet zur Rechenschaft ziehen. Gemeinsam werden wir Alphabet verändern.“

(wst)