Amazon Alexa bekommt Widgets sowie APIs für Essensbestellungen und Musikwünsche

Auf der Alexa Live 2021 hat Amazon zahlreiche Neuerungen zum Entwickeln von Skills für den digitalen Assistenten vorgestellt.

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  • Rainald Menge-Sonnentag

Amazon erweitert die APIs und Funktionen seines digitalen Assistenten. Auf der Alexa Live 2021 hat das Unternehmen unter anderem Widgets, individuell anpassbare Routineaufgaben und die Übergabe auf Mobiltelefone vorgestellt. Außerdem gibt es neue Skills und APIs für Musik, Radio und Essensbestellungen. Neben den zum Start international verfügbaren Ergänzungen beschränken sich einige zunächst auf den US-Markt.

Zum Start der Keynote nannten Debra Chrapaty, Vice President und COO Amazon Alexa, sowie Jeff Blankenburg, Chief Technology Evangelist Amazon Alexa, ein paar Zahlen. Demnach zählt Amazon weltweit über 900.000 registrierte Alexa-Entwicklerinnen und -Entwickler, die insgesamt 130.000 Alexa-Skills erstellt haben.

Widgets sind eine zusätzliche Art der Interaktion auf Geräten mit Bildschirmen. Sie stellen visuelle Inhalte interaktiv dar und ermöglichen Eingaben vor dem Aufruf des eigentlichen Skills. Beispielsweise kann das Anklicken eines bestimmten Bereichs oder das Abhaken einer Aufgabe direkt zu einer passenden Aktion führen. Zum Erstellen der Widgets dient wie für andere visuelle Elemente die Alexa Presentation Language (APL).

Die Widgets lassen sich für unterschiedliche Aktionen direkt mit den Skills verbinden.

(Bild: Amazon)

Die Alexa-Routinen, die bei Befehlen wie "Alexa, starte meinen Tag!" mehrere Aktionen bündeln, lassen sich nun um angepasste Aufgaben ergänzen. So lässt sich beispielsweise die Routine "Alexa, was ist heute los?" erstellen, die direkt zu Skills für ausgewählte Nachrichteninhalte, Sportnews oder Aktienmarktupdates führt.

Eine weitere grundlegende Neuerung heißt Send to Phone: Eine auf dem digitalen Assistenten begonnene Anwendung lässt sich an ein Mobiltelefon weitergeben. Skill-Developer können die Neuerung mit den Quick Links kombinieren, die seit geraumer Zeit existieren und den Aufruf eines Skills auf einem Alexa-Gerät über eine URL ermöglicht und somit den umgekehrten Weg ebnet.

McDonalds nutzt die Send-to-Phone-Funktion, um Gutscheine auf die mobile App zu übertragen.

(Bild: Amazon)

Die neue Food-Skill-API zielt auf Anbieter von Essensbestellungen. Die Schnittstelle ist ähnlich aufgebaut wie die APIs zu Musik oder Smart Home und soll Kundinnen und Kunden Essensoptionen auf flexible Weise unterbreiten.

Mit den frisch vorgestellten Media-Skill-Komponenten können Anbieter von Inhalten wie Musik, Podcasts oder Radiosendern interaktive Anwendungen erstellen. Hinzu kommt mit Song Request Skill eine Komponente, mit der Radio-DJs Alexa zum Entgegennehmen von Musikwünschen einspannen können. Offensichtlich nutzt die Streaming-Plattform iHeartRadio die Komponente bereits.

Alexa Conversations hatte Amazon zwar im vergangenen Jahr bereits auf der Alexa Live vorgestellt, aber zunächst nur in den USA ausgerollt. Die Konversationsschnittstelle nutzt Deep Learning, um Dialoge in Skills flexibel zu managen. Auf der diesjährigen Veranstaltung hat Amazon nicht nur die Verfügbarkeit des Dienstes auf alle englischsprachigen Regionen ausgeweitet, sondern eine Beta für eine deutschsprachige Variante gestartet.

Unter dem Schlagwort Alexa Entities können Skills auf den Knowledge Graph von Alexa zugreifen, um allgemeines Hintergrundwissen abzurufen. Als Beispiel führt Amazon neben der Bevölkerungszahl und Hauptstadt von Belgien das durchschnittliche Gewicht eines Nilpferds auf.

Für spezielle und seltene Wörter bietet das zunächst als limitierte Developer-Preview verfügbare Self-Service-Tool Customized Pronunciations die Möglichkeit, die Aussprache für Eigen- und Produktnamen oder Fachausdrücke vorzugeben.

Das Einkaufen bei Amazon steht wenig überraschend ebenfalls im Fokus: Shopping Actions bieten eine direkte Anbindung mit Befehlen wie "In den Warenkorb" oder "Kaufen". Auch das Angebot zum Nachbestellen von Artikeln wie Batterien oder Druckertinte über Alexa hat Amazon auf Ersatzteile wie Luftfilter ausgedehnt.

Das Rollenspiel Starfinder integriert Käufe über Alexa.

(Bild: Amazon)

Zusätzliche Neuerungen betreffen das Ökosystem für Hersteller und Developer. Letztere finden einen A/B-Testservice für ihre Skills, und für Erstere hat Amazon die Verfügbarkeit des Alexa Connect Kit (ACK) zum Entwickeln von Geräten mit Anbindung an die Sprachdienste außerhalb der USA unter anderem in Europa bekannt gegeben.

Einige der angekündigten Neuerungen sind bisher nicht in Deutschland verfügbar. So startet Amazon zunächst die Multiplayer Games on Alexa ausschließlich in den USA. Die API ermöglicht das Erstellen interaktiver, asynchroner Spiele beispielsweise als moderne Variante des Briefschachs. Auch die Name Free Interaction (NFI), bei der sich Skills für typische Anfragen wie "Alexa, erzähl' mir eine Geschichte" oder "Alexa, ich brauche ein Work-out" anbieten können, ist zunächst den USA vorbehalten.

(rme)