Amazon.com steigt mit Milliardenübernahme groß in Gesundheitszentren ein

Amazon kauft eine Polikliniken-Kette für 3,9 Milliarden US-Dollar. Der Konzern sieht in virtueller Versorgung und Arzneilieferungen eine gedeihliche Zukunft.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge
Untersuchungsliege in einer Ordination. Auf ihr liegt das Amazon-Logo (lächelnder Pfeil)

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Amazon.com übernimmt das US-Unternehmen 1life Healthcare für rund 3,5 Milliarden US-Dollar und übernimmt dessen Verbindlichkeiten von zirka 400 Millionen Dollar. 1life Healthcare betreibt in 25 US-Regionen insgesamt mehr als 180 Polikliniken unter dem Markennamen One Medical. Die Gesundheitsversorgung steht nur Mitgliedern offen, die zusätzlich zu den Behandlungskosten 200 US-Dollar Jahresmitgliedschaftsgebühr zahlen.

Mit der Investition verstärkt Amazon seine Gesundheitssparte deutlich. 2018 hatte Amazon gemeinsam mit Warren Buffets Holding Berkshire Hathaway und der Großbank JP Morgan das Joint Venture Haven Healthcare gegründet. Es sollte für mehr als eine Million eigene Mitarbeiter günstigere Gesundheitsversorgung ermöglichen, durch gemeinsame Beschaffung und vor allem durch neue Technik. Nach drei Jahren wurde Haven wieder eingestampft – die gemeinsame Beschaffung mit Großeinkaufsrabatten hat nicht so recht funktioniert, und jeder der drei Gründer machte Haven selbst Konkurrenz.

In Amazons Fall heißt das 2019 eingeführte Angebot Amazon Care. Für eine überschaubare Auswahl an Zipperlein bietet es Chats und Videogespräche mit Ärzten oder anderen Gesundheitsexperten. In einzelnen Städten gibt es, wenn notwendig, Hausbesuche. Abgerechnet wird nicht direkt mit etwaigen Versicherungen, sondern nur über das Amazon.com-Konto. Zudem führt der Konzern mit Amazon Pharmacy eine Online-Apotheke in den USA.

Mit One Medical kann Amazon sein Angebot an Gesundheitsleistungen deutlich verbreitern, verstehen sich die Polikliniken doch als medizinische Grundversorgung. Über 8.000 US-Arbeitgeber zahlen für ihre Angestellten die Mitgliedschaftsgebühren One Medicals, das seine eigentlichen Leistungen direkt mit vielen Versicherungen abrechnen kann. Amazon kauft sich also unter anderem Geschäftsbeziehungen mit Versicherungen, tausenden Ärzten und hunderttausenden Patienten.

Amazons Ziel, mit toller Technik die medizinische Versorgung zu revolutionieren und weniger teuer zu machen, bleibt unverändert. Einerseits sollen Algorithmen durch Analysen der Patientendaten neue Erkenntnisse zeitigen. Andererseits soll der Arztbesuch für Patienten komfortabler und ohne lange Wartezeiten möglich werden.

Das angestrebte Modell sieht zunächst einen Chat über eine App vor, gegebenenfalls gefolgt von einer Videokonferenz. Wenn notwendig, sollen eines Tages Hausbesuche binnen einer Stunde organisiert werden. Medikamente und andere Gesundheitsprodukte brächte dann natürlich der Amazon-Bote ins Haus. 1Life-Healthcare-Aktien haben nach der Bekanntgabe am Donnerstag 68 Prozent zugelegt, Amazon-Aktien 1,4 Prozent.

(ds)