Amazon greift nach Film-Studio MGM

Amazon steht offenbar kurz davor, Metro-Goldwyn-Mayer zu übernehmen. Damit würde der Konzern Apple unter anderem die James-Bond-Franchise wegschnappen.

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James Bond bei der Arbeit

James Bond als Objekt der Begierde: Amazon ist interessiert am Filmstudio MGM

(Bild: Sony Pictures Releasing GmbH)

Von
  • Teo Lukas

Amazon.com steht kurz davor, die Übernahme der Hollywood-Studios MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) Holdings zu vereinbaren. Das Wall Street Journal berichtet von einem Kaufpreis von fast 9 Milliarden US-Dollar, inklusive Übernahme von Schulden.

Erstmals könnte damit ein Streaming-Anbieter einen Big Player aus dem Filmgeschäft übernehmen, der seine Anfänge noch in der Zeit der Stummfilme hatte. Nach der Übernahme der Bio-Supermarkt-Kette Whole Foods für 13,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 wäre das die zweitgrößte Firmenübernahme durch Amazon.

Die Gerüchte über eine mögliche Übernahme MGMs sorgen für satte Kursgewinne bei dem Filmriesen. Mitte Mai notierten die Aktien noch bei etwa 105 Dollar, am Pfingstmontag (in den USA kein Feiertag) notierte das Papier deutlich darüber bei 140 Dollar.

Dabei wird MGM bereits länger als möglicher Übernahmekandidat gehandelt. Ende letzten Jahres beauftragte MGM einem WSJ-Artikel zufolge die Investmentbanken LionTree LLC und Morgan Stanley mit der Suche nach einem neuen Eigentümer. Die Übernahmegespräche liefen zunächst stockend, doch nun zitiert das Wirtschaftsblatt einen Insider, der mit einem baldigen Abschluss rechnet.

MGM ist vor allem für Klassiker wie "Singin' in the Rain" sowie "Rocky" und "The Pink Panther" bekannt. MGM verfügt über eine umfangreiche, wertvolle Bibliothek, einschließlich der James-Bond-Franchise. Sie könnte jedem Streaming-Dienst helfen, neue Abonnenten zu gewinnen. Das Studio betreibt auch ein TV-Studio, zu dessen Serien "The Handmaid's Tale" und "Fargo" gehören. Außerdem gehört MGM der Premium-Pay-TV-Sender Epix.

MGM teilt sich das James-Bond-Franchise mit einer Holdinggesellschaft im Besitz der Familie Wilson/Broccoli, die die Urheberrechte an den bestehenden Bond-Filmen gemeinsam besitzen und die Zukunft der Franchise kontrollieren. Der nächste James-Bond-Film, "No Time to Die", wurde aufgrund der COVID19-Pandemie wiederholt verschoben und soll nun im Oktober in die Kinos kommen. Im neuen Bond spielt wieder Daniel Craig den berühmten Spion. Der neue James-Bond-Streifen schien das Interesse der Filmabteilung Apples geweckt zu haben. Im Oktober gab es Berichte über einen Deal in dreistelliger Millionenhöhe.

Amazon hat bereits Milliarden Dollar in seine Film- und TV-Aktivitäten sowie in Live-Sport investiert, um sein Prime-Mitgliedschaftsangebot zu unterstützen. Das Unternehmen produziert derzeit eine TV-Serie, die auf "Lord of the Rings" basiert und ein Budget von 465 Millionen Dollar für die erste Staffel hat.

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Konkurrenz für diesen Titel käme unter anderem von "Game of Thrones", das wie "The Mandalorian" etwa 100 Millionen US-Dollar pro Staffel gekostet haben soll. Disney-Serien im Marvel-Universum kosten laut Hollywood Reporter bis zu 25 Millionen US-Dollar pro Episode. Alleine die Lizenz für "Der Herr der Ringe" soll Amazon mehr als 200 Millionen US-Dollar gekostet haben. Einen Teil der Produktionskosten deckt dabei die neuseeländische Regierung: Sie will 25 Prozent der Kosten für die erste Staffel tragen. Das wären etwa 116 Millionen US-Dollar.

Der MGM-Deal mit Amazon würde eine abrupte Wende in der Geschäftspolitik des Filmstudios bedeuten. Im Jahr 2018 feuerte es den damaligen Geschäftsführer Gary Barber, weil er Vorgespräche mit Apple über einen Verkauf geführt hatte. Im Gespräch war damals ein Übernahmepreis von sechs Milliarden Dollar. Den Vorsitz im Vorstand führt der Hedge-Fonds-Manager Kevin Ulrich, Mitbegründer des New Yorker Hedge-Fonds Anchorage Capital Group, dem größten Aktionär von MGM.

Ein Deal würde einen lang erwarteten Gewinn für Anchorage und andere langjährige Hedge-Fonds-Inhaber markieren, darunter Highland Capital Management LP und Davidson Kempner Capital Management LP. Sie haben ihre Forderungen in Eigenkapital umgewandelt, als MGM 2010 ein Konkursverfahren durchlaufen musste.

(tol)