Amazon löscht 200 Millionen falsche Bewertungen

Amazon habe im vergangenen Jahr mehr 200 Millionen Fake-Rezensionen gelöscht. Auch verdächtige Händler werden von der Plattform überprüft und ausgeschlossen.

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(Bild: Hadrian/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes
  • mit Material der dpa

Der US-Konzern Amazon hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr weltweit mehr als 200 Millionen gefälschte Produktrezensionen auf seinen Webseiten gelöscht. Demnach geht das Unternehmen auch verstärkt gerichtlich gegen Agenturen vor, die falsche oder erfundene Bewertungen verkaufen. Der Konzern hat seit 2018 allein in Deutschland 30 Prozesse gegen derartige Unternehmen angestrengt, wie Amazon am Samstag in München mitteilte. Darüber berichtete zuerst das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Im November 2020 zeigte ein Datenleck, wie Amazon-Bewertungen gekauft werden. Über den Messenger Telegram beschaffen sogenannten "Agenten" gute Bewertungen für chinesische Händler. Die Agenten posten dort Produkte von Amazon mit dem Hinweis, dass der Kaufpreis per PayPal erstattet wird, sobald das entsprechende Produkt mit fünf Sternen bewertet wurde. Als Beweis schickt man den zugehörigen Screenshot an den Agenten – diese Screenshots waren im Netz frei verfügbar.

Im Mai dieses Jahres wurden zahlreiche Produkte des chinesischen Zubehör-Anbieters Aukey von Amazon aus dem Sortiment genommen. Annahmen zufolge geschah dies aufgrund zahlreicher Fake-Rezensionen. Auch heute noch steht unter fast allen Aukey-Produkten der Hinweis: "Derzeit nicht verfügbar". Im Juni traf es dann Ravpower, einen chinesischen Hersteller von Powerbanks, USB-Netzteilen und kabellosen Ladegeräten. Ravpower hat seinen Produkten Gutscheine über 35 Dollar beigelegt, die man für eine Bewertung auf Amazon einlösen konnte. Die meisten Ravpower-USB-Netzteile kosten allerdings weniger als 30 Euro.

Nicht nur Amazon, sondern auch andere Unternehmen gehen gerichtlich gegen die Verkäufer falscher Bewertungen vor. Ein Problem ist dies beispielsweise auch für Reiseportale, wenn sich dort erfundene Hotelbewertungen finden. Zivilklagen gegen die Bewertungsverkäufer sind jedoch mitunter schwierig, weil diese oft aus dem Ausland heraus operieren. Laut Amazon wurden 2020 erheblich mehr falsche Bewertungen gelöscht als noch vor wenigen Jahren.

Amazon gibt demnach mittlerweile weltweit 700 Millionen Dollar im Jahr für Mitarbeiter und Software aus, um Betrug und Manipulationen vorzubeugen beziehungsweise aufzudecken.

Zur Unterscheidung von echten und gefälschten Bewertungen, sollte auch die "Fakespot"-App helfen, die Apple zu Beginn der Woche aus dem App Store entfernte. Das Start-up binde die Website Amazons ohne Genehmigung in seine App ein und könne Kundendaten von Amazon-Nutzern "stehlen", lautet die Beschwerde Amazons. Fakespot liege außerdem nach Angaben des Konzerns in 80 Prozent der Fälle mit seinem Ergebnis falsch.

(bme)