Amazon setzt auf ersten vollautonomen Roboter und weitere Automatisierung

Roboter wie Proteus und Cardinal sollen Amazon-Mitarbeitern schwere Arbeiten abnehmen. Zugleich beschleunigen sie Lagerprozesse und den Versand.

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Der Roboter Proteus bewegt vollautonom Paketkäfige.

(Bild: Amazon (Screenshot))

Von
  • Oliver Bünte

Amazon beabsichtigt, seine Versand- und Lagerhäuser weiter zu automatisieren. Das gab der Online-Versandhändler am Mittwoch bekannt. Zum Einsatz kommen soll dabei auch der erste vollautonome Roboter Proteus, der seine Arbeit selbstständig erledigt und sich in seiner Umgebung sicher bewegen kann, ohne dabei seine menschlichen Kollegen zu gefährden. Für mehr Sicherheit und Unterstützung der Mitarbeiter sollen auch der Paketroboter Cardinal, eine KI-gesteuerte Scantechnik und ein System zur ergonomischeren Entnahme von Artikeln sorgen.

Wenn Roboter sich zusammen mit Menschen in dynamischen Umgebungen bewegen sollen, dann stehen Sicherheitsaspekte an oberster Stelle, um Unfälle zu vermeiden. Amazon hat dazu über sein Roboter-Tochterunternehmen Amazon Robotics (ehemals Kiva Systems) den vollautonomen mobilen Roboter Proteus entwickelt. Er soll künftig in Amazon-Einrichtungen wie Fulfillment Centern und Sortiereinrichtungen etwa beim Heben und Transportieren von sogenannten GoCarts, nicht-automatisierten Paket-Transportkäfigen, helfen und sie automatisieren. Mitarbeitende müssten dann die schweren Körbe nicht mehr manuell bewegen und könnten sich laut Amazon "auf lohnendere Aufgaben konzentrieren".

Proteus automatisiert das GoCart-Handling.

Proteus erhält dazu die Anweisung, wohin er einen GoCart bringen soll. Den Rest erledigt der Roboter dann selbstständig, indem er sich unter den Transportkäfig bewegt, ihn anhebt und zu seinem Bestimmungsort fährt und dort absetzt. Nach Angaben von Amazon ist er nicht auf bestimmte Sicherheitsbereiche beschränkt. Seine Sicherheits-, Wahrnehmungs- und Navigationstechnik ermöglichen es ihm, sich unter Menschen zu bewegen, ohne deren Sicherheit zu gefährden. Geht sein Akku zur Neige, fährt er autonom eine Ladestation an.

Der Handling-Roboter Cardinal soll ebenfalls Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Bewegen schwerer Pakete von bis zu 22,7 kg entlasten. Besonders bei Drehbewegungen sei das Verletzungsrisiko für Mitarbeitende hoch, schreibt Amazon. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und Computervision kann Cardinal Pakete aus einem Stapel entnehmen, das Etikett auslesen und in einen GoCart verfrachten. Das funktioniert auch auf engem Raum, wie ein Video zeigt.

Der GoCart wird dann von Proteus weitertransportiert. Beide Roboter sollen so das GoCart-Handling im gesamten Netzwerk automatisieren, die Paketsortierung sowie die Bearbeitungszeit beschleunigen und die Versandvorgänge reibungsloser ablaufen lassen, so der Plan von Amazon.

Cardinal bewegt schwere Pakete, Proteus kümmert sich um den Abtransport.

Noch ist das aber Zukunftsmusik. Denn bislang testet Amazon lediglich einen Prototyp von Cardinal. Voraussichtlich wird er 2023 in Fulfillment Centern zum Einsatz kommen können.

Die Paketverfolgung in Amazon-Einrichtungen erfolgt durch Scans. So ist sichergestellt, dass der Aufenthaltsort eines Pakets jederzeit nachvollzogen werden kann. Das Scannen erfolgt in Fulfillment Centern noch manuell. Mitarbeitende müssen ein Paket aus einem Behälter nehmen und manuell mit einem Handscanner erfassen.

Das AR ID scannt Pakete automatisch beim Einlegen in ein Regal.

Amazon will diesen Prozess vereinfachen und beschleunigen. Dazu soll das Amazon Robotics Identification (AR ID) beitragen. Das KI-gestützte System lokalisiert per Computervision Barcodes und scannt sie ein. Die Mitarbeiter müssen das Paket dann nur noch so hindrehen, dass das verwendete Kamerasystem, das 120 Bilder pro Sekunde erfassen kann, den Barcode sieht. Amazon führt aus, dass dies das Verletzungsrisiko der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter minimiere. Sie könnten Pakete nun mit beiden Händen anfassen und bewegen, statt mit einer Hand, weil der Handscanner entfällt.

Auch bei der Entnahme von Produkten aus Behältern sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet werden. Helfen soll dabei ein Containerized Storage System. Behälter werden dazu robotergestützt sortiert und zu den Mitarbeitern gebracht. Sie müssen dann nicht mehr in ein Regal mit den Containern greifen und sich dabei bücken oder strecken.

Roboter sortieren Behälter vor, damit Mitarbeiter einfacher auf Produkte zugreifen können.

Amazon betont, dass der Einsatz der Roboter nicht dazu dient, Mitarbeitende zu ersetzen. Stattdessen sollen die Anlagen für die Menschen sicherer gemacht und die Arbeitsabläufe ergonomischer erfolgen. Dazu kommt auch eine Beschleunigung des Abwicklungsprozesses.

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(olb)