Amazon startet die ersten Satelliten seines Weltrauminternets

Später als ursprünglich geplant schickt Amazon die ersten Satelliten seines Kuiper-Projekts ins All. Es wird gleichzeitig der Jungfernflug einer neuen Rakete.

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Rakete mit Feuerstrahl steigt aus riesigen Rauchwolken auf

(Bild: Rocket Lab)

Von
  • Andreas Knobloch
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Die ersten beiden Satelliten von Amazons weltraumgestützter Internetkonstellation Kuiper werden Anfang nächsten Jahres gestartet. Sie sollen mit der neuen Vulcan-Rakete ins All gebracht werden, die von der United Launch Alliance (ULA), einem Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin, entwickelt wird. Es wird zugleich der Jungfernflug der neuen Rakete sein.

Das berichtete die US-Tageszeitung Washington Post, deren Eigentümer Amazon-Gründer Jeff Bezos ist, mit Verweis auf eine Amazon-Ankündigung von vergangener Woche. Einen genauen Starttermin nannte das Blatt nicht.

Ursprünglich hatte Amazon seine ersten Internet-Satelliten Ende 2022 ins All bringen wollen. Aber Verzögerungen und die Möglichkeit, mit ULA zu starten, das bereits für 47 Satellitenstarts für Amazon unter Vertrag genommen wurde, zwangen das Unternehmen, die Rakete zu wechseln, so Rajeev Badyal, der Vizepräsident für Technik für das Projekt Kuiper gegenüber der Washington Post. Für sein Kuiper-Projekt plant Amazon, insgesamt 3236 Satelliten in eine Erdumlaufbahn zu schießen, um Breitbandinternet bereitzustellen und so mit dem Starlink-System des Unternehmens SpaceX von Elon Musk zu konkurrieren.

Amazon will mehr als 10 Milliarden US-Dollar in das System investieren, das nach eigenen Angaben nicht nur Privathaushalte, sondern auch Schulen, Krankenhäuser und Unternehmen versorgen wird, die keinen Zugang zu zuverlässigen Breitbandverbindungen haben. Badyal sagte, dass Amazon inzwischen eintausend Mitarbeiter an dem Projekt beschäftigt. Um die Verpflichtungen im Rahmen seiner Lizenz der US-Telekommunikationsaufsicht FCC zu erfüllen, muss Amazon bis 2026 die Hälfte der Konstellation aufbauen, ist nach eigenen Angaben aber auf bestem Weg, diese Anforderung zu erfüllen.

Derweil hat das Starlink-System von SpaceX bereits eine Konstellation von mehr als 3.100 Satelliten im Orbit und ist in mehr als 30 Ländern in Betrieb. Anfang Juni hatte der Dienst jüngsten Zahlen zufolge weltweit bereits fast 500.000 Kunden und Kundinnen. Zwar gab es zuletzt Meldungen, Starlink sei teilweise deutlich langsamer geworden, aber trotzdem liegt der Dienst immer noch deutlich über dem anderer Systeme für Satelliteninternet.

Auch gab es Pläne von SpaceX, Starlink-Satelliten in einer zweiten Konstellation um die Erde kreisen zu lassen. Nach einer Amazon-Beschwerde aber verabschiedete sich das Unternehmen von dem Plan.

Trotz des Rückstands gegenüber Starlink, hält Badyal den Markt für Internetdienste für riesig. Dieser könne mehr als ein Unternehmen vertragen. "Wir werden mehrere Konstellationen brauchen, um diese Kunden zu bedienen", zitiert ihn die Washington Post.

Für das Kuiper-Projekt hat Amazon mindestens 83 Raketenstarts gebucht. Dutzende Starts der Ariane 6, der New Glenn von Blue Origin und der Vulcan Centaur von ULA sollen in den nächsten fünf Jahren die über 3000 Satelliten für Amazons Internetprojekt in eine Erdumlaufbahn bringen.

Für ULA, das seit Jahren sensible Satelliten für das Pentagon und US-Geheimdienste ins All bringt, bedeutet die Partnerschaft mit Amazon einen Einstieg in den kommerziellen Startmarkt, der bislang ebenfalls von SpaceX beherrscht wird.

Die Entwicklung der Vulcan-Rakete von ULA aber hat sich wiederholt verzögert, vor allem wegen jahrelanger Verspätung beim Triebwerk, das von einem anderen Bezos-Unternehmen, Blue Origin, entwickelt wird. Trotz der Rückschläge hat ULA erklärt, dass in letzter Zeit enorme Fortschritte erzielt wurden und Vulcan auf dem besten Weg sei, im ersten Quartal des nächsten Jahres zum ersten Mal zu starten.

ULA steht nach Angaben der Washington Post unter Druck, Vulcan zum Fliegen zu bringen, da die US Space Force, die Raumfahrtabteilung der US-Streitkräfte, beabsichtigt, die Rakete für den Start von nationalen Sicherheitssatelliten einzusetzen. Bevor Vulcan jedoch die erste Mission des Verteidigungsministeriums starten kann, die für Ende 2023 geplant ist, muss ULA die Rakete zweimal starten, um ihre Zuverlässigkeit zu beweisen. Da kommt Amazon mit seinem Kuiper-Projekt gerade recht.

(akn)