Amazon steigt ins Fernseher-Geschäft ein

Der Versandriese will eigene Smart-TVs mit FireTV als Betriebssystem anbieten. Bislang nutzen das Amazon-OS nur Grundig und die Saturn-Hausmarke OK.

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Fernseher, davor Popcorn und Fernbedienung

Werbesujet Amazons für die neue Fernseherreihe Fire TV Omni

(Bild: Amazon.com)

Von
  • Ulrike Kuhlmann

Amazon will zwei eigene TV-Geräte-Serien anbieten: die Fire TV Omni und Fire TV 4. Bei den Omni-Modellen sind die Mikrofone im Display eingebaut – Amazon setzt auf eine "Fire TV Experience" und meint damit die jederzeit mögliche Sprachsteuerung des Fernsehers und die Verknüpfung mit Alexa Skills. In den etwas günstigeren Fire-TV-4-Fernsehern steckt das Mikro in der Fernbedienung; da muss man also noch ein Knöpfchen drücken, bevor das TV zuhört.

Die direkt im Omni-TV eingebauten Mikrofone lassen sich laut Amazon elektronisch deaktivieren. Natürlich verstehen die Fire-TV-Fernseher Spracheingaben, und sie sollen neue Alexa-Skills mitbringen. Diese enthalten Fragen nach Video-Empfehlungen ("Alexa, what should I watch") oder gezielter nach Video-Inhalten bei Netflix, TikTok oder Prime Video. Ähnliches bieten bereits viele andere TV-Hersteller.

Bei den Bildschirmen setzt Amazon offenbar auf LCD-Technik ohne besondere Ausstattung wie Direct-LED-Backlight, Local Dimming oder Quantenpunkte zur Farbverbesserung. Das war in der angepeilten Preisklasse auch nicht zu erwarten – die Geräte sollen je nach Größe zwischen etwa 350 Euro für den 43-Zöller und 1100 Euro für ein 75-Zoll-TV kosten.

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Die Omni-Serie wirkt mit ihrer schmalen Paneleinfassung etwas hochwertiger. Die TVs verbinden sich drahtlos mit Amazon Echo-Geräten und können in Kombination mit den passenden Echo-Lautsprechern mit Dolby Atmos Surroundsound erzeugen. Sie besitzen eine Bild-in-Bild-Funktion, um externe Signalquellen ins laufende Hauptbild einzublenden – etwa Inhalte von der vernetzten Türkamera. In Planung ist außerdem ein Dashboard, das den Zustand aller vernetzten Geräte im Haushalt anzeigt.

Für Videogespräche soll man eine Webcam an den USB-Port des TV hängen, wobei die Omni-Geräte im Laufe des Jahres auch Zoom unterstützen sollen – bei Smart-TVs klappt die Videotelefonie bislang nur über Google Duo. Welche Webcams zu den Omni-Fernsehern kompatibel sind, sagt Amazon noch nicht.

Mit der Fire TV-Oberfläche der neuen Amazon-Fernseher kommen alle sofort zurecht, die schon mal einen Fire-TV-Stick benutzt haben; gleiches gilt für die schlanke Fernbedienung. Auf der Oberfläche finden sich Streaming-Apps für Netflix, Disney+, YouTube, Hulu und natürlich Amazon Prime Video. Die ersten Smart-TVs mit Fire-TV-OS von Grundig waren ähnlich ausgestattet, dem Grundig-Fernseher aus dem TV-Vergleichstest der c't fehlte allerdings noch die Streaming-App für Disney+. Apples Streaming-Dienst scheint indes auch bei den jetzt angekündigten Fire-TV-Fernsehern zu fehlen.

Amazon Fire TV-Omni-Serie (5 Bilder)

Die TVs aus der Omni-Serie gibt es in fünf Diagonalen, nur die beiden größten TVs beherrschen Dolby Vision.
(Bild: Amazon)

Alle neuen Amazon-Displays mit Fire-TV-OS zeigen Ultra-HD-Auflösung mit 3840 × 2160 Bildpunkten. Sie unterstützen die Hochkontrastformate HDR 10 für Videos und HLG für TV-Signale. Dolby Vision beherrschen nur die beiden größten Omni-TVs mit 65 und 57 Zoll Diagonale (1,65 m und 1,90 m). Die Fire-TV-4-Fernseher soll es mit Diagonalen von 1,07 m (42 Zoll), 1,27 m (50 Zoll) und 1,40 m (55 Zoll) geben. Mit dieser Serie zielt Amazon auf den unteren Preisbereich. Auch die TVs aus der Omni-Serie gibt es in diesen drei Größen und zusätzlich mit 65 und 75 Zoll Diagonale.

Grundigs 55 GUB 8040 aus 2020 nutzte als einer der ersten Smart-TVs Amazons Fire-TV-Edition.

Alle Amazon-TVs besitzen vier HDMI-Ports, einer davon hat einen Audio-Rückkanal (HDMI-ARC). Es gibt einen analogen Audioanschluss für Kopfhörer (Klinke) – was heute keineswegs selbstverständlich ist – sowie einen optischen Audio-Ausgang. Ein USB-Port für Speichermedien oder Kameras, eine Ethernetbuchse und eine zum TV-Tuner finden sich ebenfalls an der Gehäuseseite. Aufnahmen auf Festplatte scheinen nicht vorgesehen. Welche Tuner verbaut werden, wird sich zeigen, wenn Amazon die Geräte online anbietet. Man findet die Omni-TVs und die Fire-TV-4-TVs bereits bei Amazon, allerdings noch preislos.

Amazon Fire-TV-4-Fernseher (5 Bilder)

Amazons Fire-TV-4-Serie gibt es in drei Größen mit 43, 50 und 55 Zoll Diagonale.
(Bild: Amazon)

Laut US-amerikanischer Pressemitteilung soll der 43-zöllige Fire-TV-4-Fernseher 370 US-Dollar kosten, also etwa 310 Euro – allerdings plus Mehrwertsteuer, die in den USA je nach County unterschiedlich ausfällt und deshalb in den Mitteilungen nicht ausgewiesen wird. Demzufolge könnten 43-Zöller hierzulande für etwa 350 Euro gehandelt werden.

Preise ohne Mehrwertsteuer laut Amazon- Pressemitteilung:

Fire TV Omni

  • 43-Zoll-TV kostet 410 US-Dollar, was 347 Euro entspricht
  • 50-Zoll-TV kostet 510 US-Dollar, was 430 Euro entspricht
  • 55-Zoll-TV kostet 560 Dollar, was 474 Euro entspricht.

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Fire TV Omni mit Dolby Vision

  • 65-Zoll-TV kostet 830 US-Dollar, was 700 Euro entspricht
  • 75-Zoll-TV kostet 1100 US-Dollar, was 930 Euro entspricht

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Fire TV 4-Serie

  • 43-Zoll-TV kostet 370 US-Dollar, was 313 Euro entspricht
  • 50-Zoll-TV kostet 470 US-Dollar, was 400 Euro entspricht
  • 55-Zoll-TV kostet 520 Dollar, was 440 Euro entspricht.

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Preislich liegen die Amazon-Fernseher damit in einem Bereich, der für vergleichbar ausgestattete Fernseher fällig wird. Der Grundig-Fernseher 55 GUB 8040 mit Fire-TV-Edition in 55 Zoll kostet aktuell 600 Euro und damit etwa 100 Euro mehr als das Amazon-Pendant. Die 75-Zöller mit Dolby Vision von Sony und Nokia mit Android-TV unterbietet Amazons Omni-TV um etwa 100 Euro, die preiswerteren 75-Zoll-TVs unterstützen das HDR-Format von Dolby allerdings nicht. Der 65-zöllige Amazon-Fernseher ist etwas teurer als vergleichbare Modelle von Hisense oder Nokia (siehe Preisvergleich oben).

Verglichen haben wir Smart-TVs mit einem Betriebssystem, das die üblichen Streaming-Apps mitbringt. Gerade im unteren Preisbereich finden sich etliche Geräte, die eine stark abgespeckte Oberfläche besitzen und nicht besonders smart sind. Solche simplen Oberflächen nutzen auch große TV-Hersteller in ihren Billig-Serien.

Amazons Fire-TV-Fernseher sollen im Oktober zunächst in den USA in den Handel kommen, exklusiv bei Amazon und Best Buy. Wann die Geräte hierzulande erhältlich sein werden – und ob überhaupt – ist noch unklar. Da es bereits Fernseher mit Amazons Fire-TV-Betriebssystem von Grundig und OK gibt, auf deren Erfahrung Amazon zurückgreifen könnte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Geräte auch hierzulande angeboten werden werden. (uk)