Amazon stellt F2P-Multiplayer-Shooter "Crucible" ein

Erst ein holperiger Start, dann der Rückzug von Steam: Amazon zieht sein gescheitertes F2P-Shooterspiel "Crucible" nun komplett zurück.

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Schuss ging ins Leere: "Crucible"

(Bild: Amazon Games)

Von
  • Tilman Wittenhorst

Der Online-Handelskonzern Amazon ist als Publisher auch im lukrativen Spielemarkt tätig, doch mit dem Free-to-play-Multiplayer-Shooter "Crucible" hat sich das Unternehmen offenbar verkalkuliert: Erst im Mai war der Action-MOBA-Titel (Multiplayer Online Battle Arena) vor allem in Konkurrenz zu Fortnite angetreten, und nun müssen die Entwickler von Relentless Studios schon das Ende des Projekts mitteilen. Bereits im November sollen die Weiterentwicklung des Spiels und das Matchmaking zwischen den Teilnehmern eingestellt werden.

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In einem ziemlich wehmütigen "letzten Update" teilen die Entwickler mit, dass man in Kürze noch ein Feature für Custom Games nachliefern wolle, aber dann sei Schluss mit der Weiterentwicklung. Am Montag, den 9. November sollen die Server abgeschaltet werden, was das endgültige Aus des Spiels bedeutet. Bis dahin können Teilnehmer zumindest noch Custom Games spielen.

Die Entwickler begründen in dem Blogbeitrag ihre Entscheidung mit der Auswertung von Spielerrückmeldungen und den "gesammelten Daten" (welche das sind, erfährt man nicht). Das Ergebnis dieser Auswertung lasse keine "gesunde, nachhaltige Zukunft" für "Crucible" erkennen, heißt es dort, deshalb werde man seine Anstrengungen auf andere Titel von Amazon Games richten. Auf Deutsch: "Crucible" konnte nicht genügend Spieler anlocken, denen der Spielspaß auch den Kauf von Ausrüstung und Verschönerung ihrer Spielfigur wert war, denn über dieses Modell müsste sich so ein Free-to-play-Spiel finanzieren.

Für die Entwicklung von "Crucible" waren bereits fünf Jahre investiert worden. Im Mai dieses Jahres startete der Titel bei Steam als Windows-Spiel, in einem Test war der Eindruck jedoch durchweg ernüchternd: Das Spiel wirkte notdürftig zusammengeflickt, bot nur wenige Inhalte, leblose Umgebung und kaum genug Online-Teilnehmer. In einem ungewöhnlichen Schritt wurde der Titel schon einige Wochen später wieder von Steam entfernt und in eine geschlossene Betatest-Phase zurückgeführt – was natürlich dem Spielspaß nicht zuträglich war. Womöglich hatte man in dieser Phase versucht, für eine künftige Neuveröffentlichung des Titels zu retten, was noch zu retten ist, und eine Liste von Verbesserungen abgearbeitet (deren letzte die Custom Games sein sollen). Daraus wird nun nichts mehr.

Immerhin ein Trost: Das Geld für sämtliche Käufe, die Spieler von "Crucible" jemals getätigt haben, will Amazon Games zurückerstatten. Dafür hat der Publisher eine Support-Webseite eingerichtet, auf der man die Rückerstattung beantragen kann.

"Crucible" angespielt (5 Bilder)

"Crucible" ist momentan keine Konkurrenz für Fortnite & Co. Es fehlt an Inhalt und Abwechslung. (Bild: heise online)

Bereits 2018 hatte Amazon Games seinen Titel "Breakaway" wieder eingestellt. Etwa zu der Zeit, als "Crucible" von Steam zurückgezogen und in den zweiten Betatest geschickt wurde, entließ der Konzern auch Dutzende Mitarbeiter seiner Spielestudios. Der ursprünglich für Mai dieses Jahres geplante neue Titel "New World" ist wegen der Coronavirus-Epidemie auf nächstes Jahr irgendwann im Frühjahr verschoben worden. Unter anderen an diesem Titel sollen die Entwickler von Relentless Studios nun mitarbeiten.

(tiw)