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Amazon träumt von 130 Dollar teuren Kochkursen

Explore heißt Amazons neue Plattform, auf der Nutzer 130 Dollar für einen virtuelle Kochkurs ausgeben sollen. Zutaten noch nicht inklusive.

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Von
  • Eva-Maria Weiß

Corona-Krise: Die einen gehen in Kurzarbeit oder sorgen sich gar um ihre Existenz, die anderen machen Geld damit. Nicht zu wenige davon sind eben jene, die bereits viel Geld haben. Sie haben die Möglichkeit, schnell mal in die Entwicklung neuer, der Situation angepassten, Dienste zu investieren, um dann, ja dann damit wiederum noch mehr Geld zu machen. So anscheinend auch der Plan von Amazon. Deshalb gibt es jetzt Explore, eine Plattform, zugeschnitten auf Zeiten des Social Distancings – noch im Betastadium. Und natürlich nur zum Wohle der Menschen, die sich ansonsten daheim langweilten.

Explore ist ein interaktiver Live-Streamingdienst, mit dem die Kunden shoppen gehen, neue Plätze entdecken und etwas lernen können. Die Angebote kommen etwa von Bloggern und kleinen Unternehmen und sind privat buchbar, also keine Gruppenveranstaltungen. Jess von der Lincoln Apartment Bakery zeigt in ihrem 60-minütigen virtuellen Kurs, wie man Montreal-Style Bagels macht. Dafür verlangt sie 129 US-Dollar. Teilnehmer haben die Möglichkeit, zwischendrin Fragen zu stellen, indem sie ihr Mikrofon einschalten. Das ist aber eigentlich auch schon der einzige Unterschied zu den zahllosen Kochvideos auf den gängigen Plattformen, die kostenlos sind. Uneigentlich gibt es auch YouTube Livevideos, bei denen Zuschauer zwar nicht das eigene Mikrofon anschalten, aber eben doch im Chat oder als Kommentar Fragen stellen können. Gleiches geht inzwischen sogar bei Facebook, dort kann man wahlweise eine Bezahlschranke aufbauen oder um Spenden bitten.

Nun nehmen sich die genannten Plattform-Anbieter nicht viel, wenn es um die Daten der Nutzer geht. Das kann also auch kein Argument sein. Warum sollte man dann das Geld ausgeben? Bei YouTube ist es üblich, dass die Macher solcher Videos sich durch Werbung finanzieren. Die muss man im Zweifel vor Start des Videos ertragen, will man einer Blogger-Kochshow folgen. Das rechtfertigt aber noch immer keine 130 US-Dollar, bei denen nicht klar ist, wie viel die Bäckerin und wie viel Amazon davon erhält.

Sicher ist, Amazon sorgt sich auch sogleich um die Zutatenliste, die direkt unter dem Video abgebildet ist. Man braucht Mohnsamen? Ah, Amazon's Choice ist die 100g-Dose für 3,49 US-Dollar. Eine Bezahlmöglichkeit ist auch in anderen virtuellen Erlebnissen eingebaut, falls bei einer Städteführung etwas Gefälliges am Straßenrand steht. Support your Local? Da gehe ich mir doch lieber das Brötchen beim Bäcker nebenan kaufen.

(emw)