Amazons geplanter Drohnenlieferdienst stößt in Lockeford auf wenig Gegenliebe

Einige Einwohner im kalifornischen Lockeford sind verärgert. Sie wussten von Amazons geplantem Drohnenlieferdienst in ihrem Städtchen zunächst nichts.

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(Bild: Amazon)

Von
  • Oliver Bünte

Der von Amazon Mitte Juni angekündigte erste Drohnenlieferdienst in den USA im kalifornischen Städtchen Lockeford scheint bei den Einwohnern, auf deren Kooperation Amazon bei dem Projekt angewiesen ist, nicht besonders gut anzukommen. Wie die Washington Post am Montag berichtet, seien die Anwohner nicht davon unterrichtet gewesen, dass Amazons Lieferservice per Drohne in ihrer ländlichen Stadt starten soll und reagieren überrascht und teils verärgert.

Vor sechs Monaten hat sich Amazon mit den örtlichen Behörden von Lockeford in Verbindung gesetzt, heißt es in dem Bericht der Washington Post. Die Zeitung befindet sich im Besitz von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der Konzern habe den Behörden dabei mitgeteilt, in Lockeford einen Drohnenlieferservice einführen zu wollen. Der Großteil der Einwohner habe davon allerdings zunächst nichts gewusst. Erst als Amazon seine Pläne am 13. Juni öffentlich bekannt gegeben hatte, erfuhren die Ortsansässigen, dass in ihrem Städtchen eine Lieferdrohnenanlage entstehen soll.

Das Amazon Lieferdrohnen-Team hatte sich für den Standort Lockeford wegen der günstigen Wetterbedingungen, der ländlichen Topografie, dem Highway-Zugang und dem vorhandenen Kundenstamm entschieden. Offenbar habe auch eine Rolle gespielt, dass es "nicht zu viel Bürokratie" gibt, schreibt die Washington Post und stützt sich dabei auf Angaben eines ehemaligen Amazon-Mitarbeiters, der allerdings anonym bleiben will.

Noch liegen von dem zuständigen Bezirk San Joaquin keine Genehmigungen vor. Amazon arbeite daran, Bau- und Gewerbegenehmigungen zu erhalten. Auch die Zustimmung für den Betrieb der weitgehend autonom fliegenden Lieferdrohnen durch die US-Bundesluftfahrtaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) fehle noch.

Die Einwände der Einwohner gegen Amazons Lieferdienst sind vielfältig, wie aus dem Bericht der Washington Post hervorgeht. Einer der Hauptgründe ist die Befürchtung, die eigene Privatsphäre könne durch die Drohnen verletzt werden, weil diese mit ihren Kameras in die Hinterhöfe sehen könnten. Amazon bestreitet das und sagt, dass bei der Lieferung keine solchen Bilder erfasst werden. Auch seien in der ländlichen Region viel Vieh und Pferde vorhanden, die durch die Drohnen erschreckt werden und sich bei der Flucht verletzen könnten. Nach Angaben von Amazon seien die verwendeten Drohnen jedoch darauf optimiert, möglichst wenig Geräusche bei einem Überflug zu generieren.

Auch werden Stimmen laut, dass durch die schnellen Warenlieferungen per Drohne der örtliche Einzelhandel leiden könnte. Außerdem würde es schon jetzt schnell genug mit Amazon-Lieferungen gehen, Drohnen benötige man dafür nicht. Sie würden den Menschen auch nur die Arbeitsplätze wegnehmen, so die Befürchtungen. Mitunter können sich die Menschen auch nicht vorstellen, wie die Waren ausgeliefert werden. Amazon spricht davon, dass die Drohnen in einer gewissen Höhe am Lieferort schweben, sicherstellen, dass kein Mensch, Tier oder Objekt in der Nähe ist und das Paket dann abwerfen.

Das scheint nicht jeden zu überzeugen. Die Washington Post zitiert Anwohner, die einen möglichen Abschuss andeuten. Ob das ernst gemeint ist oder nicht, wird man sehen. Amazon wies jedenfalls vorsorglich darauf hin, dass dies dann illegal wäre.

Amazon versucht nun, möglichst viele Kunden in einem Umkreis von etwa 6,5 km um den potenziellen Standort herum für sich zu gewinnen. Der Konzern ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Menschen den Dienst nutzen. Nur so kann sichergestellt werden, einen funktionierenden Service aufbauen und ihn dann anderen Orten etablieren und skalieren zu können.

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Allerdings stehen nicht alle Menschen in Lockeford Amazons Drohnenlieferdienst skeptisch gegenüber, wie die Washington Post schreibt. Zumindest einige von ihnen möchten ihn ausprobieren. Amazon hat jetzt eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie viele Menschen in Lockeford und Umgebung interessiert sind. Wer an dem Drohnenlieferprogramm teilnehmen will, kann dann aus einem Warenangebot von mehreren Tausend Artikeln auswählen können. Diese sind dann für den Drohnentransport geeignet und wiegen weniger als 2,3 kg.

(olb)