Amico: Intellivision verkauft Spiele für Konsole, die es noch nicht gibt

Die Retro-Konsole Amico wurde mehrmals verschoben, zuletzt gab es mehr Pannen als Neuigkeiten. Nun hat der Hersteller mit dem Verkauf von Spielen begonnen.

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Die Amico und ihre zwei Touchscreen-Controller.

(Bild: Intellivision Entertainment)

Von
  • Daniel Herbig

Die geplante Retro-Konsole Intellivision Amico machte in den vergangenen Monaten vorwiegend durch Leaks, Kontroversen und Release-Verschiebungen auf sich aufmerksam. Nun liefert Hersteller Intellivision Entertainment ein weiteres Kuriosum: Schon jetzt werden Spiele für die Konsole verkauft, die noch nicht einmal einen festen Release-Termin hat.

Laut Intellivision werden die Spiele als Paket verschickt, das ein Wackelbild, eine Sammlermünze und eine RFID-Karte enthält. Mit dieser RFID-Karte kann man dann das eigentliche Spiel herunterladen. Man kann sie laut Hersteller dann aktivieren, wenn der zugehörige Titel im Online-Shop der Retro-Konsole verfügbar wird – wann auch immer das sein mag.

Intellivision verkauft insgesamt acht Spiele als Collector's Edition.

(Bild: Intellivision)

Es handelt sich dabei wohlgemerkt nicht um Vorbestellungen: Die Pakete mit den Spielen können bereits im Online-Store von Intellivision erworben werden, der Versand soll dann innerhalb von zehn Werktagen erfolgen. Insgesamt werden acht Titel verkauft, die in zwei Viererpacks oder in einem Achterpack gebündelt werden. Bei den Spielen handelt es sich um "Evel Knievel", "Dynablaster", "Missile Command", "Rigid Force Redux Enhanced", "Moon Patrol", "Finnigan Fox", "Biplanes" und "Brain Duel".

Die Vierer-Bündel kosten jeweils 80 Euro, für das Achterpack will Intellivision 150 Euro haben. Bei der Ankündigung der Konsole hatte der Hersteller noch von Preisen zwischen 3 und 8 US-Dollar pro Spiel gesprochen. Die nun erhältlichen Spiele kosten ein Vielfaches. Intellivision begründet das mit der Knappheit der sogenannten "Collector's Editions". Die Stückzahlen seien begrenzt, wer jetzt zuschlage, sichere sich ein Stück Videospielgeschichte. Insgesamt soll es 50.000 Exemplare der Spiele-Boxen geben.

Die Intellivision Amico wurde 2018 vorgestellt. Sie basiert auf dem Mobilbetriebssystem Android und soll neben Mobile Games auch einige Flash-Spiele abspielen können. Auf die Konsole sollen ausschließlich Spiele kommen, die ohne Alterseinschränkung spielbar sind. Gespielt werden sie laut Hersteller mit kabellosen Bluetooth-Controllern, die neben einem Steuerkreuz einen 3,5 Zoll großen Farb-Touchscreen haben.

Ursprünglich sollte die Konsole im Oktober 2020 erscheinen, sie wurde allerdings mehrfach verschoben. Nun teilte der Hersteller mit, dass sie "in den kommenden Monaten" erscheinen soll. Dass viele der Amico mittlerweile mit Skepsis gegenüberstehen, liegt auch an Intellivision-CEO Tommy Tallarico, der unter anderem mit Beleidigungen und juristischen Drohungen an kritische Journalisten aufgefallen ist.

Leaks aus einem Entwicklerportal der Amico deuten außerdem darauf hin, dass die Konsole massiv über den Hardware-Kosten verkauft wird: Die Specs entsprechen einem Bericht von Ars Technica zufolge etwa denen des Handys ZTE ZMax Pro Z981, das 2016 für etwa 100 US-Dollar auf den Markt kam. Dem Bericht zufolge würde die eigentliche Hardware der Konsole nur etwa 50 US-Dollar kosten. Die Intellivision Amico konnte in den USA dagegen für 250 US-Dollar vorbestellt werden.

(dahe)