Amnesty: Wenig Corona-Wissen in Teilen Myanmars wegen anhaltender Internetsperre

Seit mehr als einem Jahr sind Teile Myanmars vom Internet abgeschnitten, andere seit Monaten. Amnesty International übt deutliche Kritik.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 19 Beiträge

(Bild: KPhrom/Shutterstock.com/heise online)

Von

In Teilen Myanmars weiß die Bevölkerung laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International noch immer nur wenig über die Gefahren des Corona-Virus, da bei ihnen seit Monaten oder sogar mehr als einem Jahr eine Internetsperre gilt. Der besonders betroffenen Krisenregion Rakhine seien zwar bislang größere Covid-19-Ausbrüche erspart geblieben, allerdings seien die Fallzahlen im Juni angestiegen, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung zu neuen Untersuchungen von Amnesty International.

Die von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführte Regierung von Myanmar hatte in weiteren Teilen der Region das Internet abstellen lassen. Die Regierung hatte das mit Anforderungen der Sicherheit und öffentlichem Interesse begründet. Einige Gegenden sind noch länger vom Internet abgeschnitten.

Amnesty International dokumentiert nun mit Interviews mit Betroffenen im Mai und Juni 2020, mit Satellitenbildern sowie Videoaufnahmen verschiedene Aspekte des harten Vorgehens des Militärs in Myanmar gegen Zivilisten. "Während die Behörden die Menschen aufforderten, zu Hause zu bleiben, um die COVID-19-Pandemie einzudämmen, brannte das Militär in den Bundesstaaten Rakhine und Chin Häuser nieder und tötete Zivilpersonen bei willkürlichen Angriffen, die Kriegsverbrechen gleichkommen", sagte der Asien-Pazifik-Regionaldirektor von Amnesty International, Nicholas Bequelin.

"Trotz zunehmenden internationalen Drucks gegen die Militäreinsätze in der Region, einschließlich einer Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs, legen die von uns gesammelten Beweise ein schockierendes Zeugnis darüber ab, wie weit die Straflosigkeit in den Reihen des myanmarischen Militärs immer noch reicht."

Dem Militär von Myanmar wird in Rakhine ein Völkermord an der muslimischen Minderheit der Rohingya vorgeworfen. Mehr als 700.000 Menschen waren vor allem im Jahr 2017 vor der Gewalt in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Im Januar hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag das südostasiatische Land zu Sofortmaßnahmen zum Schutz der Minderheit verpflichtet. Seit der Verfolgung der Rohingya steht die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi international in der Kritik.

(mho)