Amtszeit-Überschreitung: SAP-Mitgründer Plattner will Aufsichtsratschef bleiben

Das Rotationsprinzip wird bei SAP nicht so gelebt, wie es auf dem Papier steht. Das beschert Urgestein Hasso Plattner Gegenwind.

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Hasso Plattner, dahinter unscharf der SAP-Schriftzug

Prof. Dr. h.c. mult. Hasso Plattner

(Bild: SAP)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Unruhe bei SAP: Für Aufsichtsräte gilt eine Regelaltersgrenze von 75 Jahren sowie eine Regelzugehörigkeitsdauer von nicht mehr als zwölf Jahren. Eigentlich. Firmenmitgründer Hasso Plattner will im Aufsichtsrat bleiben und dort den Vorsitz weiterführen – obwohl er 78 und seit bald 20 Jahren Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Das sorgt für Unruhe unter SAP-Aktionären. Die Jahreshauptversammlung des Walldorfer Softwarekonzerns beginnt am Mittwoch um 10 Uhr, online. Plattner tritt wieder zur Wahl an. Immerhin konnte er sich die Unterstützung des Nominierungsausschusses des Aufsichtsrats sowie des gesamten Aufsichtsrats sichern. Einmal geht’s noch, für weitere zwei Jahre, meinen die Gremien. Schließlich bringe Plattner "herausragende Erfahrungen und Kenntnisse über die Gesellschaft" ein, sein Wissen sei besonders wertvoll.

In der Tat ist Plattner seit Firmengründung SAPs vor 50 Jahren ganz vorne mit dabei. Er ist einer der vier noch lebenden Firmengründer. Bis Mai 2003 war er einer der beiden Vorstandssprecher, seither ist der gebürtige Berliner Aufsichtsratsvorsitzender. Dennoch sind manche Aktionäre nicht damit einverstanden, dass für Plattner Ausnahmen von den Regeln gemacht werden.

Mehrere Fondsmanager würdigen zwar Plattners Verdienste, pochen aber auf eine Nachfolgeregelung. Es gäbe nicht einmal einen strukturierten Prozess für die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef. Plattners Einfluss wäre auch ohne den Vorsitzposten groß. Unerfreut zeigt sich auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die Interessen von Kleinanlegern vertritt: SAP verspreche seit über acht Jahren eine Nachfolgeregelung, nun solle sie erneut um zwei Jahre aufgeschoben werden. Der zuständige Ausschuss habe seine Aufgaben nicht ersprießlich erledigt.

Anders die Einschätzung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): Das Alter Plattners sei kein Kriterium. Die lange Amtszeit sei zwar problematisch, sorge aber für Stabilität. Zudem habe der Firmenmitgründer stets im Interesse der Aktionäre gearbeitet.

DSW und einige Fondsmanager dürften am Mittwoch mit den von ihnen verwalteten Stimmrechten gegen Plattner stimmen. Weil die meisten SAP-Aktien in Streubesitz sind, ist der Ausgang der Wahl offen.

(ds)